Justiz-Ministerin hinter Gittern

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Kassel. Durch düstere Gänge: Eva Kühne-Ministerin besuchte JVA Wehlheiden. "Müssen Hilfen für Zeit nach der Haft anbieten".

Kassel. Knast statt Uni, Zelle statt Herkules. Justizministerin Eva Kühne-Hörmann tastet sich langsam an ihr neues Aufgabenfeld heran. Jetzt hat sie die Justizvollzugsanstalt Kassel I in Wehlheiden besucht. Es ist schon ein eindrucksvoller Bau aus dem Jahre 1882. Wuchtige Türme und Mauer, gekrönt von Stacheldrahtrollen. Schon von weitem sieht man, das hier eine Hochsicherheitsanstalt ist.

Aggressivste Straftäter

Wer hier sitzt, hat nicht beim Wattebäuschchenblasen gemogelt. "Sie geben Menschen, die schwere und schwerste Straftaten begangen haben, in schwieriger Lebenslage Halt und Richtung", lobte Kühne-Hörmann folgerichtig die Arbeit der Justizvollzugsbeamten, die oft mit aggressivsten Straftätern zu tun haben. Anstaltsleiter Jörg-Uwe Meister führte die Ministerin durch die düsteren Gänge des Zellenblocks A und ermöglichte auch einen Blick in eine Zelle und Gespräche mit Gefangenen. "Wenn ich hier den ganzen Tag gearbeitet habe, schließe ich zuhause keine Tür mehr hinter mir zu", kommentierte ein Justizvollzugsbeamter den beklemmenden Eindruck.

Mit 338 Mitarbeitern kümmert sich Meister zur Zeit um rund 500 Häftlinge in der Hauptanstalt Kassel I und den Zweigstellen Kaufungen (Frauen) und Baunatal (offener  Vollzug). "In den 90er Jahren waren das wesentlich mehr. Da waren wir bis auf den letzten Platz belegt", denkt er zurück.

Warum das jetzt nicht mehr so ist? Meister schaut etwas ratlos: "Die Verbrechen sind nicht weniger geworden. Vielleicht werden mehr Strafen auf Bewährung entschieden." Zwischen 21 und 77 Jahren schwankt das Alter der Gefangenen. Jüngster Insasse: Ein 67jähriger ehemaliger Steuerberater aus Bebra, der seine schlafende Ehefrau mit dem Jagdgewehr erschossen haben soll. Der Mann wird wohl die nächsten 15 Jahre seines Lebens in Wehlheiden verbringen.

Ausbildung hinter Gittern

Aber wenigstens kann er hier wieder arbeiten. Meister ist stolz auf die Ausbildungs- und Arbeitsplätze, die hier geschaffen worden sind. "Die Ausbildung zum Bäckergesellen hat einen ganz hervorragenden Ruf. Seit kurzem werden Produktions-, Montage- und Wartungsassistenten für Anlagen regenerativer Energien ausgebildet.Eva Kühne-Hörmann interessierte sich besonders für die Schuldenregulierung: "Wenn die Gefangenen irgendwann draußen ein straffreies Leben führen sollen, müssen wir ihnen Wege aufzeigen, wie sie ihre Schuldenlast bewältigen. Der Weg aus den Schulden ist der entscheidende Weg heraus aus der Ausweglosigkeit."

Übrigens: Der EXTRA TIP wird demnächst tiefere Eindrücke ins Knastleben gewinnen. Sportredakteur Thomas Lange wird für einen Tag hinter Gitter wandern und Justizvollzugsbeamte begleiten.

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