"Kalte Pyrotechnik" als Kompromiss? Peter Beuth bekräftigt Forderung nach härteren Strafen

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Auch im Auestadion wurde schon Pyrotechnik abgebrannt. Der Hessische Innen- und Sportminister Peter Beuth, will das Abbrennen jetzt härter bestrafen. Auch die sogenannte „kalte Pyrotechnik“, lehnt er kategorisch ab.

Hessens Innenminister Peter Beuth forderte jüngst eine Mindeststrafe von einem Jahr für das Abbrennen von Bengalos. Jetzt hat er sich erneut geäußert - unter anderem zu "kalter Pyrotechnik".

Fußball. Das hatte gesessen: „1.000 Grad heiße Pyros haben nichts mit Fankultur zu tun. In den Händen von gewalttätigen Chaoten verletzen sie nicht nur die Atemwege unschuldiger Stadionbesucher, sondern werden auch zu lebensgefährlichen Wurfgeschossen“, sagte Hessens Sportminister Peter Beuth auf der 42. Sportministerkonferenz (der EXTRA TIP berichtete). Nach vielen Diskussionen hat er jetzt seine Forderung bekräftigt. Beuth fordert eine Mindeststrafe von einem Jahr für das Abbrennen von Bengalos. Hierfür muss das Sprengstoffgesetz entsprechend geändert werden. Bisher wird das unerlaubte (soweit folgenlose) Abbrennen von pyrotechnischen Gegenständen als Ordnungswidrigkeit mit einem – von Land zu Land unterschiedlichem – Bußgeld behandelt.

Peter Beuth.

Schnell wurde die „kalte Pyrotechnik“ ins Spiel gebracht. Tommy Cordsen heißt der Erfinder. Er ist ein Pyrotechniker aus Dänemark. Die neue Pyrofackel brennt dann nicht mehr bei 2.000 Grad, sondern bei etwa 230 Grad. Ein Kompromiss? Nicht wenn es nach Peter Beuth geht. „Ich warne ausdrücklich davor, jetzt eine Debatte über gute und schlechte Pyrotechnik zu führen. Es gibt keine ‚kalte‘ Pyrotechnik.“ Auch 200 bis 300 Grad heiße Fackeln seien für die Stadionbesucher noch gefährlich und deswegen zurecht verboten.

Dennis Pfeiffer, Leiter des IB Fanprojekt Fullestadt/Kassel, würde kalter Pyrotechnik zumindest eine Chance geben. „Ich habe diese Art Pyrotechnik noch nicht live gesehen, aber es könnte eine Alternative sein.“ Ohnehin plädiert er eher für einen Kompromiss, anstatt einfach härtere Strafen zu verhängen. „Wenn man das Abbrennen von Pyrotechnik in geordnete Bahnen lenken würde und zum Beispiel ‘Pyrozonen’ einrichtet, wäre das mit Sicherheit zielführender“, sagt Pfeiffer. Beuth sieht allerdings keinen anderen Weg. Denn laut Beuth habe die Betrachtung dieser und vergangener Spielzeiten gezeigt, dass sich trotz Strafen seitens der Vereine wie Stadionverbote oder Bußgelder der Behörden, bei einem geringen Anteil von gewaltbereiten oder gewaltsuchenden Personen, keine Verhaltensänderung eingestellt habe. „Nur, weil rücksichtslose Chaoten das Abfackeln von Pyros zu einem Kulturgut erklären, darf doch der Staat nicht ein Auge zudrücken und sie gewähren lassen“, sagt Beuth.

Fußballfans als Chaoten – harter Tobak. „Wir ziehen uns auch nicht aus kriminellen Brennpunktgegenden zurück, weil es bei einzelnen Verbrechern dort zum Alltag gehört, Straftaten zu begehen. Nach wie vor gefährden diese Chaoten durch das Abbrennen von Pyrotechnik ihre Mitmenschen. Dieses Verhalten ist nicht tolerierbar. Eine klare und unmissverständliche Sanktionierung in Form einer Gefängnisstrafe spricht eine eindeutige Sprache und soll ein weiteres Instrument sein, um für Sicherheit und Ordnung im Stadion zu sorgen“, so Peter Beuth.

Die KSV-Fans zeigten dagegen beim letzten Heimspiel, was sie von Beuths Vorschlag halten. Auf einem Banner stand geschrieben: „Beuth in den Knast – lebenslänglich!“

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