Kassel baut: Erst Flüchtlingsunterkunft, später Mietwohnungen

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Das Bauvorhaben soll im Juli bezugsfertig sein.

Zunächst als Flüchtlings-Unterkunft (ab 1. Juli) nutzbar, sollen die neuen Häuser an der Bunsenstraße später ganz normale Mietwohnungen werden.

Kassel. "Der Bauantrag wurde heute eingereicht, am Montag rollen die Bagger”, sagt Kassels Stadtbaurat Christof Nolda bei der Pressekonferenz am Mittwoch anlässlich der Vorstellung des "Kasseler Modells”: Einer Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge an der Bunsenstraße, die später in ganz normale Wohnungen umgewandet werden kann.Schon einmal war das städtische Grundstück in Zusammenhang mit Flüchtlingen genannt worden. Als Standort für Wohncontainer. Nun hat man nach einem zügigen Planungs-Prozess ein Projekt präsentiert, das mit "ansprechender Architektur” (Nolda) und "nachhaltiger Nutzung” (Stadtkämmerer Christian Geselle) überzeugt.

In drei Gebäuden sollen in 36 Wohnungen bis zu 182 Asylbewerber untergebracht werden.  Für sieben Jahre hat die Stadt Kassel mit dem Bauherr GWG – der städtischen Wohnungsbaugesellschaft – einen Nutzungsvertrag abgeschlossen. "Wir haben uns im Vorfeld in ganz Deutschland Unterkünfte angesehen”, berichtet GWG-Geschäftsführer Peter Ley.  Als Folge entwickelte man "Spielhäuser” für Kinder in den Treppenaufgängen,  sorgte für ansprechende Gemeinschaftsräume und vergaß auch die grünen Freiflächen nicht.

Im Anschluss können mittels weniger baulicher Eingriffe normale Wohnungen entstehen. Im Rahmen der Folgenutzung werden die Mieten so kalkuliert, dass sie die (künftigen) Mietobergrenzen für den Unterkunftsbedarf der Stadt Kassel nicht übersteigen. Das heißt, dass die Wohnungen einkommensschwachen Haushalten auf Dauer zur Verfügung stehen werden. Vom Einzimmer-Apartment (26 Quadratmeter) bis  zu 4-Zimmer-Wohnungen (78 Quadratmeter) sind verschiedene Zuschnitte möglich.Doch nicht nur die fexible Nutzung, auch die Realisierung des Projekts ist modellhaft. Die Stadt, die GWG sowie eine Arbeitsgemeinschaft Kasseler Architekten und Bauunternehmer eng zusammen. "Ein Beweis große Kollegialität in Kassel! Etwas Ähnliches haben wir zuletzt vor zwölf Jahren beim Waisenhaus-Projekt im türkischen Izmit geschafft”, erinnert sich Manfred Lenhart vom Büro "Baufrösche”: Sechs Architekten – Baufrösche, Foundation 5+, HHS, Kober, Spöth und Reichel – planten die Bunsenstraßen-Häuser gemeinsam, für die Bauausführung haben sich die Bauunternehmen Hermanns HMS-Bau GmbH und Emmeluth Baugesellschaft mbH zusammengeschlossen.

Die GWG übernimmt die Bewirtschaftung der Gemeinschaftsunterkunft. Hierzu wird zwischen dem Sozialamt der Stadt Kassel und der GWG ein entsprechender Vertrag geschlossen. "Wir werden ein Team von drei bis vier Mitarbeitern, bestehend aus Sozialarbeitern und freundlichen  Hausmeistern, einsetzen”, sagt Peter Ley.

"Der Bau an der Bunsenstraße könnte ein Startschuss sein für weitere Projekte ähnlicher Gestalt”, sagte Stadtkämmerer Christian Geselle.  Sollte der Flüchtlingszustrom anhalten und würden sich geeignet Grundstücke anbieten,  werde man darüber nachdenken.

Projekt kostet sieben Millionen Euro

Die Stadt Kassel ist Eigentümerin des Grundstücks, das die GWG erwirbt und erschließt. Die Investitionskosten betragen 7 Millionen Euro. Noch steht nicht fest, wieviel Geld über Landes-Zuschüsse abgedeckt wird. Auf einer Nutzfläche von 2.496 Quadratmetern entstehen zunächst 36 Wohnungen für zwei, vier, sechs beziehungsweise acht Personen. Die Wohnfläche beträgt insgesamt 1.876 Quadratmeter. Maximal 182 Menschen können in den drei Häusern untergebracht werden. Gemeinschaftseinrichtungen wie Unterrichtsraum, Büros, Werkstatt/Lager, Waschküche und Teeküche sind im Erdgeschoss des Empfangshauses und im Haus 1 vorgesehen. Zwei "Spielhäuser" als Aufenthaltsorte für Kinder und Jugendliche befinden sich bei den Treppenhauszugängen.

Thema im Ortsbeirat

Am Donnerstag, 21. Januar, gegen 20 Uhr ist die Flüchtlingsunterkunft Thema bei der Sitzung des Ortsbeirats  Nord-Holland im Philipp-Scheidemann-Haus. Sosowhl die GWG als auch das Sozialamt werden vor Ort vertreten sein.

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