Kassel vor Corona-Pause: Feiern bis der Arzt kommt

Notarzt
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Die Ausgeh-Eskalation einiger macht medizinisches Personal fassungslos.

Am Wochenende vor der mindestens vierwöchigen Schließung von Restaurants und Kneipen gab es einen großen Ansturm in der Gastronomie - teilweise mit fatalen Folgen, wie Aussagen aus einem Kasseler Krankenhaus belegen.

Kassel. Ein letztes Mal zum Auspowern ins Gym, eine Runde über den Golfplatz, besuch in Museum und Theater. Und natürlich ein Bier in der Stammkneipe, eine Pizza beim lieblingsitaliener. Am letzten Wochenende vor den Corona-Einschränkungen zeigten sich die Kasselerinnen und Kassel ausgehfreudig. Leider waren das nicht überall Gesten der Solidarität, sondern mancherorts auch nur stumpfe Eskalation.

Aus einem Kasseler Krankenhaus gibt es Erfahrungsberichte, die nur noch den Kopf schütteln lassen. Eine Mitarbeiterin schreibt in den sozialen Netzwerken: "MIR FEHLEN DIE WORTE für das was wir in unserer letzten Nachtschicht erleben mussten!! (...) Ich bin mich wirklich am schämen!!!! In der Stadt Kassel wurde letzte Nacht gefeiert als gäbe es kein Morgen. Als gäbe es kein Virus. Die Krankenhäuser sind voll!! Und anstatt uns um die Kranken zu kümmern mussten wir die ganze Nacht Menschen wegen Alkohol Drogen und schlägereien behandeln! Wo sind denn die angeblichen Kontrollen?? Wo ist der Verstand? Ich bin so wütend und enttäuscht."

Eine Kollegin teilt diese Erfahrungen: "Kassel hat dieses Wochenende nochmal alles gegeben vor dem Lockdown. Sich rotzevoll, bewusstlos und auch noch im Krankenschwester-Halloweenkostüm in die Notaufnahme einliefern lassen. Sich mit Glasflaschen und Messern zu attackieren. Sich völlig zuzudröhnen. Beachtliche Leistung! Als hätten wir nix besseres zu tun in dieser beknackten Zeit! Als hätten wir neben den Isolationspatienten nicht noch "normale" Schwerkranke zu versorgen! SCHÄMT EUCH!!!"

Auf Seiten der Kasseler Polizei spricht man auf EXTRA TIP-Anfrage von "einem normalen Wochenende". Das schließt jedoch auch besondere Einsätze ein. "Auf der Friedrich-Ebert-Straße kam es am Sonntagmorgen gegen 2.50 Uhr vor einer Bar zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Frauengruppen. Die herbeigerufenen Kollegen fertigten u.a. eine Anzeige wegen Körperverletzung", berichtet Polizei-Sprecher Matthias Mänz. Weil sich während des Einsatzes ein 22-Jähriger aus Kassel permanent einmischte und den Weisungen der Polizei keine Folge leistete, musste er in Gewahrsam genommen werden. "Dabei leistete er erheblichen Widerstand, so dass ihn nun auch eine Anzeige erwartet."

Am Sonntag hatte sich auch Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle mit einer Videobotschaft aus dem Rathaus gemeldet und zu Vernunft aufgerufen.

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