Uni Kassel: Forschungsprojekt gegen den Welthunger

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Agrarwissenschaftler der Uni Kassel forschen gemeinsam mit afrikanischen Partnern zum Thema Nahrungsmittelverlust und haben erste Ergebnisse geliefert

Kassel.  Ein Drittel der weltweit geernteten Nahrungsmittel geht verloren bevor sie die Teller erreichen: Während das in den Industrieländern hauptsächlich durch Vergammeln in den Kühlschränken geschieht, liegt es in den Entwicklungsländern eher an Unzulänglichkeiten auf dem Weg zum Verbraucher.

Wissenschaftler der Universität Kassel entwickeln in einem Verbundprojekt mit afrikanischen Partnern Strategien, diese sogenannten "Nachernteverluste" in Ostafrika zu reduzieren. Erste Ergebnisse liegen inzwischen vor – manchmal reichen schon einfache Verbesserungen bei der Joghurtherstellung.

Als Joghurt ist Milch länger haltbar

Eine Forschungsgruppe der kenianischen Egerton University, die in Nairobi einen Joghurtproduzenten wissenschaftlich begleitet, präsentierte dabei bereits erste Ergebnisse: Die in Afrika bislang wenig verbreitete Joghurtherstellung ist ein erster Schritt, um schnell verderbliche Milch in ein länger haltbares Produkt zu veredeln. Im konkreten Fall beraten die Wissenschaftler den kenianischen Joghurtproduzenten bei der Herstellung geschmacksgebender Fruchtzubereitungen aus Mango, Ananas und Papaya, die bisher aus Südafrika importiert werden, aber ebenso gut im Lande hergestellt werden können.

Bessere Lagerung: Süßkartoffeln belüften

Ein Beispiel für praktische Forschung findet sich in den Laboren und Gewächshäusern des Kasseler Fachbereichs Ökologische Agrarwissenschaften in Witzenhausen. Dort erarbeitet Joseph Korese Methoden zur verbesserten Lagerung von Süßkartoffeln. Diese werden in über hundert Ländern der Welt angebaut und sind nach Meinung des aus Ghana stammenden Doktoranden eine wichtige Ernährungsalternative bei Hungerkrisen im subsaharischen Afrika.

Dies liegt zum einen am hohen Vitamin A-Gehalt der Pflanzen, zum anderen benötigen einige Sorten der Süßkartoffel nur drei Monate, bis sie geerntet werden können. Was schnell wächst, verdirbt in der Regel jedoch auch sehr schnell, so dass die Produzenten ihre Süßkartoffeln bislang – teilweise mit großen finanziellen Verlusten – innerhalb von zwei Wochen nach der Ernte verkaufen müssen.

Korese entwickelt daher ein solar betriebenes Lüftungssystem, das die langfristige Lagerung der Pflanzen auch und gerade unter tropischen Bedingungen ermöglichen soll.

+++EXTRA INFO+++

Mehr als 60  Wissenschaftler von 16 Institutionen aus Äthiopien, Kenia, Uganda und Deutschland arbeiten aktuell im Projekt "GlobE – Reload" daran, Nachernteverluste zu verringern. "Zur Erhöhung der Ernährungssicherheit müssen nicht zwangsläufig die Erträge weiter wachsen – es wäre ökonomisch wie ökologisch wesentlich sinnvoller, weniger Lebensmittel zu verschwenden und die Verluste im Nacherntebereich zu minimieren", erklärt Projektkoordinator Michael Hesse.

Ein zentrales Anliegen aller Teilprojekte ist es, die Wertschöpfung dabei möglichst in den Herstellerländern zu belassen und die Veredlungsprozesse nicht – wie es allzu oft geschieht– in die Industrienationen zu verlagern. Zudem sollen Transportwege möglichst kurz gehalten werden. Das Verbundprojekt wird hauptsächlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie in einem Teilbereich auch vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit insgesamt 7,5 Millionen Euro gefördert.

Das Fachgebiet Agrartechnik der Universität Kassel, das federführend bei der Koordination ist, erhält bis 2018 eine fünfjährige Förderung im Umfang von 5,3 Millionen Euro.Kürzlich zogen die Forscher nach einem Jahr Projektlaufzeit im Rahmen einer Tagung eine erste Zwischenbilanz.

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