Kassel gehört zu Klau-Hochburgen: Taschendiebstahl-Mafia schlägt zu

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Taschendiebe nutzen viele Tricks, um ihre Opfer abzulenken. Foto: Schaumlöffel

Kassel. Kassel gehört mit zu den deutschen Taschendiebstahl-Hochburgen. Zu diesem Fazit kommt nicht nur eine Studie, auch die Polizei warnt!

Kassel. Kassel gehört mit zu den deutschen Taschendiebstahl-Hochburgen. Zu diesem Fazit kommt die umfangreiche Städte-Studie "Taschendiebstähle in Deutschland" des Reisebuchungsportals ab-in-den-urlaub.de.

Bundespolizei warnt

115 Städte wurden dabei berücksichtigt. Allein hier kommt dieab-in-den-urlaub.de-Studie auf 110.534 Delikte im Jahr 2013. Das entspricht einem saftigen Plus von 18,3 Prozent. Mit zu den Hochburgen gehören laut Studie neben Kassel auch Düsseldorf, Köln, Hamburg, Dortmund und Frankfurt a.M.

Die Bundespolizei warnt zudem derzeit vor Taschen- und Gepäckdieben. "Seit Jahresbeginn konnten wir im Bereich der Bundespolizeiinspektion Kassel über 150 Fälle von Taschen- und Handgepäckdiebstählen mit einer Gesamtschadenshöhe von über 50.000 Euro registrieren. Die Tatausführung erfolgt meist durch Verursachen von Gedränge, Anrempeln, Ablenken und Hilfestellung beim Ein- und Ausladen von Reisegepäck”, so Polizeihauptkommissar Gerhard Ulm.

Ganoven aus dem Ausland

Alarmierend ist nicht nur die steigende Anzahl der Diebstähle, sondern auch die Tatbeteiligungen. Laut ab-in-den-Urlaub-Studie sind bereits 66 Prozent der ermittelten Tatverdächtigen nichtdeutscher Herkunft. Besonders im Fokus der Behörden: Familienbanden.

Sehr häufig sind es ganze Familienclans aus Südosteuropa (Rumänien, Bulgarien, Kosovo, Albanien), Nordafrika oder Südamerika, die auf Beutezug gehen und straff organisiert sind: Die Gangster werden zum Teil aus ihren Heimatländern in ganzen Busladungen nach Deutschland gekarrt und zentral aus den Herkunftsländern gesteuert. Das Rechercheteam von ab-in-den-urlaub.de erfuhr aus Polizeikreisen, dass es sich nicht primär um sogenannte "Armutsflüchtlinge" handele.

Beliebt ist auch der Einsatz von minderjährigen Mädchen oder Jungen, die früh gelernt haben, wie leicht man sich Smartphones aneignen oder an Bares kommen kann. Vorteil: Die Täter fallen in der Menschenmenge kaum auf, sind flink und – bei Minderjährigen unter 14 Jahren – sogar strafunmündig.

Die Tricks der Kriminellen

Ob Anrempeln, bettelnde Kinder, Blumen, Schlüsseltrick, Überfüllte Innenstädte, Einkaufspassagen, Wochenmärkte, Busse oder Bahnen: Überall, wo Menschen sich drängen, wird unbemerkt zugeschlagen. Die Diebe werden immer dreister. Wir geben Aufklärung über die aktuellen Maschen:Das Anrempeln und Drängeln: Das "Ziel" wird von den Kriminellen angerempelt oder gedrängelt. Währenddessen entwendet ein Zweiter die Wertsachen, da das Opfer abgelenkt ist.

Im Restaurant: Während sich das Opfer im Restaurant angeregt unterhält oder isst, schleicht sich der Dieb von hinten heran und entwendet Wertsachen aus Taschen oder Jacken, die am Stuhl hängen.

Bettelnde Kinder: Kinder halten in Lokalen ein Schild hin, auf dem steht, weshalb sie gerade Geld brauchen. Während das Opfer das Schild liest, stehlen die Kinder unter dem Schild liegende Wertsachen vom Tisch, zum Beispiel Portemonnaies, Handtaschen oder Mobiltelefone.

Ablenken durch Beschmutzung: Der Dieb beschmutzt scheinbar versehentlich die Kleidung des Opfers, vielleicht mit einem Eis. Während er nun angeblich peinlich berührt versucht, den Dreck abzuwischen, stiehlt er unbemerkt Gegenstände aus der Jacke des Opfers.

Im Supermarkt: Das Opfer wird im Supermarkt von Fremden gefragt, wo sich bestimmte Artikel befinden. Während es seinen Blick über die Regale schweifen lässt, greift der Dieb dann Wertsachen aus Taschen, die über dem Einkaufswagen hängen.

Ablenkung mit Blumen: Ein Fremder oder mehrere Fremde begrüßen das Opfer scheinbar freundschaftlich, umarmen es, stecken ihm womöglich sogar eine Blume ans Revers. Dadurch abgelenkt, merkt das Opfer nicht, wie ihm die Brieftasche entwendet wird. Aufgepasst: Bei solchen Tricks langen Diebe auch in die Innentaschen von Jacken.

Taschenträger: Diesem Trick fallen meist ältere Menschen zum Opfer, die nicht mehr gut tragen können. Der Täter bietet Hilfe beim Tragen von Taschen an. Dabei stiehlt er Wertsachen, die darin liegen.

Ablenkung mit Stadtplan: Das Opfer wird von einem angeblich ortsunkundigen Täter, der mit einem Stadtplan wedelt, nach dem Weg gefragt. Während sich das Opfer über den Plan beugt, stiehlt der Täter dann Dinge aus der Tasche, die unter dem Stadtplan am Arm des Opfers hängt.

Schlüsseldiebstahltrick: Mit einem der genannten Tricks können Täter auch in den Besitz von Haustürschlüsseln gelangen. Da viele Opfer auf ihren Ausweispapieren ihre Adresse eingetragen haben, wissen die Täter, wo das Opfer wohnt und können in der Zeit, in der das Opfer noch Besorgungen macht, in die Wohnung eindringen.

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