In Kassel herrscht Angst vor Insolvenzen und Arbeitsplatzwegfall

Besorgter Blick auf die aktuellen Zahlen: Detelf Hesse, Chef der Agentur für Arbeit in Kassel. Foto: Archiv
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Besorgter Blick auf die aktuellen Zahlen: Detelf Hesse, Chef der Agentur für Arbeit in Kassel. Foto: Archiv

Knapp 30 Prozent mehr Menschen als im Vorjahr sind im Arbeitsamt Bezirk Kassel ohne Beschäftigung. Daran ändert auch der übliche September-Effekt sinkender Leistungsempfänger nichts. Und der Kasseler Agenturchef Detelf Hesse sagt: Die Belastungen sind noch lange nicht vorbei

Region. Trotz Corona-Krise setzt sich der saisonübliche Effekt im September auf dem Arbeitsmarkt durch und lässt die Anzahl der Leistungsempfänger sinken. Die aktuellen Zahlen: 18.415 Arbeitslose sind im Agenturbezirk Kassel Stadt Kassel, Landkreis Kassel, Werra-Meißner-Kreis) registriert. Damit gibt es 837 weniger Jobsuchende als im August, aber 4131 mehr Menschen ohne Beschäftigung als im September 2019 – ein Plus von 28,9 Prozent. Die Arbeitslosenquote sinkt gegenüber dem Vormonat um 0,3 Punkte auf jetzt 6,4 Prozent. Vor einem Jahr waren es 5 Prozent gewesen.

„Auch wenn die Arbeitslosenzahl wie üblich im Herbst sinkt, so bleibt doch der große Zuwachs an Leistungsempfängern gegenüber dem Vorjahr“, plädiert Agenturchef Detlef Hesse für einen differenzierten Blick auf die September-Statistik. Während weniger Jugendliche und junge Erwachsene als im August wegen des Ausbildungsstarts gemeldet seien, steige die Langzeitarbeitslosigkeit bei wachsendem Vorjahresabstand kontinuierlich an. Allein im Rechtskreis SGB III gebe es hier ein Plus von 75 Prozent.

Als erfreulich wertet der Arbeitsmarktexperte: „Im September gab es weniger neu gemeldete Jobsuchende als in den Vorjahren und auch die Vermittlung in Erwerbstätigkeit hat das Niveau der Vorjahre klar übertroffen. Die Abgänge in Ausbildung fallen ebenfalls deutlich höher aus als im August, ohne jedoch den Vorjahreslevel erreicht zu haben.“

„Arbeitsplätze bleiben nach wie vor bedroht“

Positive Zeichen gebe es auch beim Stellenbestand, der sich seit April fortlaufend erhöht und damit das deutliche Minus zum Vorjahr etwas verringert habe. Auch die Anzahl neuer Jobofferten steige seit dem Frühjahr an, erreiche aber bei weitem noch nicht die Stellenmeldungen vor Corona. „Überwiegend werden nach wie vor Fachkräfte in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und Vollzeit sofort gesucht. Den größten Bedarf melden neben Zeitarbeitsunternehmen, das Gesundheits- und Sozialwesen sowie der Handel inklusive Kfz-Reparatur in der Stadt Kassel“, erläutert Detlef Hesse.

Durchwachsen fällt die aktuelle Einschätzung des Agenturchefs aus: „Auch wenn sich der regionale Arbeitsmarkt unverändert widerstandsfähig zeigt, so ist die Belastung noch lange nicht vorbei und möglicherweise folgenreich für Arbeitnehmer wie Arbeitgeber. Arbeitsplätze bleiben nach wie vor bedroht. Mit Insolvenzen muss gerechnet werden.“

39 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld

„Wir registrierten im September 39 geprüfte Anzeigen auf Kurzarbeitergeld für 518 Beschäftigte“, berichtet Detlef Hesse und betont: „Das entspricht dem ähnlich niedrigem Level vom August.“ Wie viele Mitarbeiter tatsächlich in Kurzarbeit sind oder waren, lässt sich immer erst im Nachgang dokumentieren. Pressesprecherin Cornelia Harberg nennt auf Nachfrage die aktuellsten Zahlen, die vorliegen: „Im Mai waren im Arbeitsamt Bezirk Kassel 70.040 Menschen von Kurzarbeit betroffen.“ Es sei jedoch eher unwahrscheinlich, dass das aktuell noch so sei.

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40 Prozent der Arbeitslosen 7369 Personen) sind der Arbeitslosenversicherung Rechtskreis SGB III) und 60 Prozent 11.046 Personen) der Grundsicherung Rechtskreis SGB II) zugeordnet. Im Rechtskreis SGB II ist die Zahl der Arbeitslosen im Vergleich zum Vormonat - 448 Personen) gesunken und zum Vorjahr + 1397 Personen) gestiegen. Im Rechtskreis SGB III ist die Arbeitslosenzahl gegenüber August um 389 Personen - 5 Prozent) gesunken und gegenüber dem Vorjahr um 2734 Menschen + 59 Prozent) signifikant gestiegen.

Arbeitslosigkeit und offene Stellen in den Regionen

In der documenta Stadt Kassel ist die Arbeitslosenzahl seit August um 454 Personen - 4,5 Prozent) auf 9554 Jobsuchende gesunken. Insgesamt waren 1935 Menschen mehr + 25,4 Prozent) von Arbeitslosigkeit betroffen als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote im Berichtsmonat September liegt bei 8,7 Prozent Vormonat: 9,2 Prozent; Vorjahr: 7,1 Prozent). Mit 1812 Offerten sind 359 Stellen weniger zu besetzen als vor einem Jahr - 16,5 Prozent).

Im Landkreis Kassel sind 5792 Personen arbeitslos gemeldet, 267 weniger als im August - 4,4 Prozent). Gegenüber dem Vorjahr gab es einen Zugang von 1439 Jobsuchenden + 33,1 Prozent). Die Arbeitslosenquote beträgt 4,5 Prozent Vormonat: 4,7 Prozent; Vorjahr: 3,4 Prozent). Der Bestand offener Stellen liegt mit 954 Angeboten über dem Wert des Vormonats + 91 Stellen oder + 10,5 Prozent) und deutlich unter dem des Vorjahres - 269 Stellen oder – 22 Prozent).

Insgesamt 3069 Menschen sind im Werra-Meißner-Kreis arbeitslos gemeldet. Das sind 116 Personen weniger als im August - 3,6 Prozent) und 757 Jobsuchende mehr als im September 2019 + 32,7 Prozent). Die Arbeitslosenquote ist 5,9 Prozent. Im Vormonat lag sie bei 6,1 und im Vorjahr bei 4,4 Prozent. Der Bestand offener Stellen ist mit 433 niedriger als im Vormonat - 13 Stellen oder – 2,9 Prozent) und als im Vorjahr - 218 Stellen oder – 33,5 Prozent).

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