Uni Kassel: Ingenieurwissenschaftler über die Grabkammer der Pyramide

Prof. Dr. Uwe Dorka am 1:1-Nachbau der Fallsteinkammer.
1 von 13
Prof. Dr. Uwe Dorka am 1:1-Nachbau der Fallsteinkammer.
Prof. Dr. Uwe Dorka (li) lässt mit einem Mitarbeiter per Hand die Steine herab. Sie sinken unterhalb der Rundhölzer zu Boden.
2 von 13
Prof. Dr. Uwe Dorka (li) lässt mit einem Mitarbeiter per Hand die Steine herab. Sie sinken unterhalb der Rundhölzer zu Boden.
3 von 13
4 von 13
5 von 13
6 von 13
7 von 13
8 von 13

Ingenieure der Kasseler Universität lieferten überraschende Erkenntnisse zum Verschluss der Grabkammer in der Cheops-Pyramide.

Kassel. Um die Grabkammer des Pharao Cheops mit tonnenschweren Granitblöcken zu verschließen, brauchte es dank eines geschickt designten Mechanismus nur zwei Personen. Das hat der Kasseler Ingenieurwissenschaftler Prof. Dr.-Ing Uwe Dorka an der Universität Kassel mit einem 1:1-Nachbau spektakulär demonstriert.

Mit der Vorführung lieferte Dorka wichtige Erkenntnisse zum Verschluss-Mechanismus in der sogenannten Fallsteinkammer im Herzen der Pyramide. In diesem einzigen Zugang zur Grabkammer des Cheops wurden nach der Beisetzung des Pharao etwa 2500 vor Christus drei tonnenschwere Granitblöcke hintereinander heruntergelassen, um die Kammer bis in alle Ewigkeit zu versiegeln. „Das Verschließen der Grabkammer war ein bedeutender ritueller Akt, der einen angemessenen Ablauf verlangte. Für den gottgleichen Cheops wurde dazu extra ein Mechanismus neu entwickelt, der zu jener Zeit einen magischen Eindruck gemacht haben muss. Da wurde nicht einfach nur die Tür zugemacht“, erklärte Dorka.

Doch wie wurden die Steine nach der Beisetzung – auf engstem Raum und ohne Maschinen – herabgelassen? Nach den Erkenntnissen des Kasseler Ingenieurwissenschaftlers liegt das Geheimnis in einer geschickten Führung der Hanf-Seile, die die Blöcke umschlingen und sie an der Aufhängung halten: Die Reibung zwischen Seil und Blöcken ist dadurch so hoch und die Quader werden so stark gebremst, dass zwei Personen ausreichen, um sie kontrolliert abzulassen. Walzen oder andere bewegliche Teile waren nicht nötig.

Dorka hat für seine Untersuchungen die Fallsteinkammer, also den Durchgang zwischen der Grabkammer des Cheops und der sogenannten „Großen Galerie“ der Pyramide, originalgetreu nachgebaut – einschließlich Nuten und anderen wichtigen Details der Verschluss-Vorrichtung. Die Verschlussblöcke selber und deren Aufhängung gingen im Laufe der Jahrtausende zwar verloren, lassen sich aber gut rekonstruieren: Die drei jeweils 2,5 Tonnen schweren Granitblöcke hingen an vier Seilen, die über Rundhölzer liefen. Derartige Rundhölzer findet man in der älteren Pyramide von Meidum, wo sie unbeweglich gelagert sind und Kupferbleche das Holz vor Beschädigungen durch die Seile schützten. Genau so haben Dorka und sein Team sie auch hier eingesetzt und damit eine Vielzahl von möglichen Seilführungen untersucht. „Die technischen Lösungen, die wir präsentieren, bauen schlüssig auf archäologischen Befunden auf“, so Dorka.

Anders als häufig angenommen, waren demnach keine großen Kräfte nötig, um die Steine herabzulassen. „Wir haben gezeigt, dass man den Mechanismus praktisch nur auslösen muss. Den Rest besorgt das geniale Design der damaligen Schreiber. Die konnten mit ihren Schlüsseltechnologien offensichtlich exzellent umgehen“, so der Kasseler Wissenschaftler. Auch bewegliche Walzen gehörten nach Dorka nicht dazu: „Die hätten bei diesen Gewichten Hochleistungslager gebraucht. Und dafür gibt es aus dieser Zeit keinerlei archäologischen Befunde.“

Dorka leitet an der Universität Kassel das Fachgebiet Stahl- und Verbundbau im Institut für konstruktiven Ingenieurbau. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Sicherung antiker Bauwerke. So entwickelte er bereits ein Sicherungssystem gegen Erdbeben für griechische Tempel. „Zur Archäologie können die Ingenieurwissenschaften extrem wertvolle Beiträge liefern, indem sie technische Hypothesen mit ihren Methoden überprüfen“, erklärt Dorka. „Bislang geschieht das noch viel zu selten.“

Die aufwändige Versiegelung, die die Erbauer der Pyramide erdacht hatten, hatte übrigens nicht den gewünschten Effekt: Die Grabkammer des Cheops wurde schon vor tausenden von Jahren geplündert.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene Artikel

Fahrraddiebstahl vor Einkaufsmarkt: Täter festgenommen, Opfer wird gesucht

Wem gehört dieses Fahrrad?: Das etwa zehnjährige Opfer eines Fahrraddiebstahls vor einem Einkaufsmarkt am Montagabend wird gesucht.
Fahrraddiebstahl vor Einkaufsmarkt: Täter festgenommen, Opfer wird gesucht

Polizei sucht Zeugen: Unbekannte brechen in zwei Kasseler Kitas ein

In der Nacht zum heutigen Dienstag brachen bislang unbekannte Täter in zwei Kitas in den Kasseler Stadtteilen Wesertor und Nord sowie in das Verwaltungsgebäude des …
Polizei sucht Zeugen: Unbekannte brechen in zwei Kasseler Kitas ein

Pkw gerät auf die Gegenfahrbahn und kracht in Rettungswagen - drei Verletzte

Am frühen Dienstagmorgen ist ein Autofahrer auf der B 83 am Platz der Deutschen Einheit in Kassel mit seinem Wagen auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem …
Pkw gerät auf die Gegenfahrbahn und kracht in Rettungswagen - drei Verletzte

Große Ziele der Kasseler eSportler: VP-Gaming.de über den Alltag der Spieler

Die Kasseler Daume und Mientus spielen und trainieren nicht nur selbst, sie organisieren auch ihre Mitglieder. von VP-Gaming.de. 
Große Ziele der Kasseler eSportler: VP-Gaming.de über den Alltag der Spieler

Kommentare

Hinweise für das Kommentieren

Von Mo. bis Fr. in der Zeit von 18 bis 9 Uhr und am Wochenende werden keine neuen Kommentare freigeschaltet.
Bitte bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht.