Kassel: Mutmaßlicher falscher Polizist vor Gericht - Er wollte Seniorin um rund 188.000 Euro betrügen

Er war für eine Tätergruppe aktiv geworden, die sich durch die Betrugsmasche „Falscher Polizeibeamter“ Gelder dadurch verschafft, dass älteren Mitbürgern vorgetäuscht wird, sie seien ins Visier von Straftätern geraten, gegen die die Polizei ermittele.

Kassel. Die Betrugsmasche ist alt und sollte eigentlich allen bekannt sein. Doch immer wieder fallen Menschen darauf rein. So ist es immer noch eine gängige Praxis von Betrügern: Sie geben sich bei vorwiegend älteren Menschen als Polizeibeamte aus und zocken sie ab. So auch bei einer Kasselerin am 31. August 2017.Weil er die Goldbarren im Wert von 188.000 Euro einer 79-Jährigen klauen wollte, muss ein dreister Betrüger nun ein Jahr in Haft. Dem 36-Jährigen aus dem Landkreis Coesfeld wurde gemeinschaftlichen Betrug vorgeworfen.

Er war für eine Tätergruppe aktiv geworden, die sich durch die Betrugsmasche „Falscher Polizeibeamter“ Gelder dadurch verschafft, dass älteren Mitbürgern vorgetäuscht wird, sie seien ins Visier von Straftätern geraten, gegen die die Polizei ermittele. Die Masche der dreisten Täter ist immer gleich: Es wird den Senioren vorgegaukelt, dass es erforderlich ist, dass sie zur Überführung von Tätern mit der Polizei zusammenarbeiteten. Wobei den Getäuschten suggeriert wird, zu einem bestimmten Zeitpunkt sei dafür auch die Übergabe erheblicher Vermögenswerte, wie zum Beispiel Geld oder Schmuck, an die Polizei erforderlich. Bei dem Fall in Kassel wurde der 79-Jährigen per Telefonat erzählt, dass ihr Guthaben bei ihrer Bank nicht sicher sei, weil eine Mitarbeiterin dort mit einer Diebesbande zusammen arbeite. Zum Schutz ihres Vermögens sollte sie ihr Guthaben in Goldbarren umtauschen und der „Polizei“ zur Verwahrung übergeben. Man schicke einen Mitarbeiter, der dann als Zertifizierung ein vorher ausgemachtes Passwort sage. Der Angeklagte agierte als sogenannter „Geldabholer“. Und holte das Paket bei der Seniorin ab.

Tatsächlich handelte es sich bei den Barren in dem abgeholten Karton aber nur um Kupferbarren, da die Polizeibehörden auf das betrügerische Vorgehen aufmerksam wurde und eine Übergabe der Goldbarren verhindern konnte. Vor Gericht gab der derzeit arbeitslose Angeklagte seinen Botendienst zu. Er ließ über seinen Anwalt erklären, dass er von ihm unbekannten Leuten angesprochen wurde, ob er für 600 Euro ein Paket in Kassel abholen könne. Die Sache sei ihm zwar komisch vorgekommen, aber aufgrund seiner finanziellen Schieflage habe das schnelle Geld gelockt. Er habe kein Hintergrundwissen über den Inhalt des Pakets gehabt.

Gleicher Fall in Dortmund

Dem schenkte der Richter aber keinen rechten Glauben, denn: Die Staatsanwaltschaft in Dortmund ermittelt gerade gegen den Angeklagten in einem Fall mit der gleichen Masche. In Dortmund soll er am 12. Dezember 2017 als Mitglied einer Bande beim „Falscher Polizist-Trick“ als Geldabholer agiert haben. Um 100.000 Euro sollte dort ein Rentner erleichtert werden. Da davon sein Verteidiger in Kassel nichts wusste, bat er erst mal um eine Unterbrechung des Prozess. Vom Amtsgericht wurde er schließlich zu einem Jahr Haft ohne Bewährung verurteilt. Begründung des Richters: Er sei ein Gehilfe gewesen – ähnlich eines Fluchtwagenhelfers bei einem Banküberfall.

Rubriklistenbild: © Schaumlöffel

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