"Kassel Streamt": Musik von besonderen Orten

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Keimfrei zuhause tanzen konnten die Zuhörer und Zuschauer zur Musik der DJs Justy und Zoka (re.)

Eine besondere Kulisse bot das Projekt "Kassel Streamt" via Lifestream aus dem Kasseler Staatstheater

Kassel. Es ist wohl die härteste Prüfung eines DJs: Hinter dem Mischpult eines leeren Raums zu stehen und aufzulegen, ohne anhand der Reaktionen der Tanzenden, das weitere Musikprogramm gestalten zu können. Gleichwohl aber zu wissen: Mehrere Kameras sind auf mich gerichtet und via Lifestream schauen mehrere hundert Leute zu. Wenn es dann auch noch so ein besonderer Ort ist, wie das Kasseler Staatstheater, dann ist auch ein langjähriger erfahrener Musiker wie DJ Zoka aus Kassel nervös. Denn zusammen mit DJ Justi setzte er am Freitagabend den Startschuss für das Projekt "Kassel Streamt".

Schwitzende Leute, heiße Luft und viel Körperkontakt: Discotheken gelten in Corona-Zeiten als Virenschleudern und sind deswegen weiter geschlossen. Clubbetreiber und DJs kamen schon kurz nach der Schließung auf die Idee, via Life-Stream Musik aus den Discos für ihre Fans @Home anzubieten und damit etwas von den vielen schlechten Nachrichten abzulenken. Das Projekt Kassel Streamt geht noch einen Schritt weiter: Musik-Streams von besonderen Orten lautet u.a. das Motto.

Die Idee: Regelmäßig eine Aktion zu streamen wie beispielsweise: Dj Sets, Band-Auftritte Interviews & Gespräche. "Und das alles an bekannten Orten von Kassel, diversen kulturellen Locations, die wir derzeit nicht besuchen können, ob drinnen oder draußen. Dies geschieht selbstverständlich unter strenger Einhaltung der geltenden Vorschriften und nach Freigabe durch das Gesundheitsamt", berichtet Magnus Ruchhöft von der Kasseler Agentur Waisz Lab. Den technischen Support für das Live Streaming leistet die Firma Real Audio (Collapse Festival) mit professionellem Equipment und viel Know how.

"Bei der Staatstheater-Leitung konnten wir mit unserem Konzept schnell das Interesse wecken und auch andere besondere Locations haben wir bereits sicher. Die genauen Orte wollen wir jetzt aber noch nicht verraten. Es soll ja auch immer eine kleine Überraschung werden, woher die nächste Aktion kommt", so Ruchhöft weiter.

Mit fünf Kameras wurde bei der Übertragung aus dem edlen Staatstheater-Saal gearbeitet. "Bei Facebook, YouTube und Twitch schauten jeweils über tausend Leute zu. Damit wurden unsere Erwartungen übertroffen. Mit der positiven Resonanz sind wir sehr zufrieden."  Für den 15. Mai ist der nächste Stream geplant. "Ort und Künstler werden die Tage bekanntgeben."

Ruchhöft berichtet weiter zum Projekt: Für die gesamte Kulturszene sind die derzeitigen Zeiten schwer. Und die sind guter Nährboden für schlechte Laune, Frust, Depressionen und Aggressionen. Noch ist leider kein Ende der Krise in Sicht, deshalb gilt es nun das Beste draus zu machen". Der Weg sei bekanntlich das Ziel und deshalb brauche es die kleinen Nischen des Regelbrechens, die es erlauben an Orten Kunst und Kultur zu erleben, an denen es sonst nicht möglich sei, die Leichtigkeit des Seins aufleben zu lassen.

"Und es braucht Verbundenheit, Gemeinsamkeit, Loyalität, Freude, Liebe, Spaß, Ideen, Kreativität und Offenheit. Es braucht Wiedererkennung, Erinnerungen an bessere Zeiten, Hoffnung, Optimismus, Visionen und Ausblicke. Mit dem Projekt Kassel Streamt möchten wir dem Verlust der Gemeinschaft, der Clubkultur und der Kunst entgegenwirken. Angelehnt an das Projekt „United We Stream“ (https://unitedwestream.berlin) möchten wir die Club- und Musikkultur von Kassel unterstützen. Durch den Zusammenschluss von regionalen Künstlern, Kulturschaffenden und Institutionen, bleiben die Stadt und die Kultur erlebbar. So können wir uns erinnern und gemeinsam auf die Zeit nach der Krise freuen."

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