Im Kasseler Fridericianum wirds bunt und erotisch

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Absolvierten beide am Donnerstag ihren ersten öffentlichen Auftritt in Kassel: Sabine Schormann, Geschäftsführerin der documenta und Museum Fridericianum GmbH (re.) und die belgische Künstlerin Anne-Mie Van Kerckhoven.
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Anne-Mie Van Kerckhovens Werk besteht aus Zeichnungen, Drucken, Gemälden, Filmen und (Video-) Installationen.

Kassel.  Mit “AMVK“ eröffnet am Freitag im Fridericianum in Kassel die bislang umfangreichste Überblicksausstellung der belgischen Künstlerin Anne-Mie Van Kerckhoven (* 1951). Die Schau umfasst über 300 Werke in neun Kapiteln.

Van Kerckhoven konstruiert aus Zeichnungen, Malerei, Text, Textilien, Animationen, Film und Skulptur komplexe, farbenprächtige und poetische Systeme. Dabei geht es ihr immer wieder um Erkenntnis und Wahrnehmung, um den Zugang zum logischen Wissen und seinem mythischen, übernatürlichen Gegenteil.

Die Ausstellung ist die Weiterentwicklung einer Präsentationstrilogie, die vom Museum Abteiberg Mönchengladbach initiiert und dort im Herbst 2016 unter dem – einer Zeichnung der Künstlerin entlehnten – Titel "What Would I Do in Orbit" eröffnet wurde. Im Frühjahr 2017 hatte sie ihre zweite Station im Kunstverein Hannover. Die Anfang 2018 im M HKA – Museum für Zeitgenössische Kunst Antwerpen präsentierte Schau unterschied sich bereits von den Ausstellungen der beiden Stationen zuvor.

Sie war in der Heimatstadt der Künstlerin umfangreicher und nutzte als Titel „AMVK“, das geschlechtsunspezifische Akronym, das Van Kerckhoven sehr früh verwendete, um darauf hinzuweisen, wie schwer es Künstlerinnen haben, sich im internationalen Kunstkontext durchzusetzen.

Anne-Mie Van Kerckhovens Werk besteht aus Zeichnungen, Drucken, Gemälden, Filmen und (Video-) Installationen. Im Fridericianum hat der Kurator Anders Kreuger (Senior Curator am M HKA) die Ausstellung nunmehr zu einem vollständigen Überblick über das Werk und Denken von AMVK seit Mitte der 1970er Jahre erweitert, in der sich das Schaffen der Künstlerin in neun Kapiteln erschließt.

Auf beiden Etagen der Rotunde werden im ersten Kapitel Zeichnungen aus den Jahren 1970 bis 2017 chronologisch präsentiert. Das zweite Kapitel trägt den Titel ”Raum, Urgewalt und Religion”. Dieser Ausstellungsteil gibt einen Einblick in die Arbeit AMVKs mit Installation und Bühnenbild. Das dritte Kapitel, im Seitenflügel im Erdgeschoss, ist den Arbeiten aus den 1980er Jahren gewidmet und umfasst Grafikdesign, Installation, Malerei auf Plexiglas und Animationsfilm.

Kapitel vier beschäftigt sich mit Frauenbildern aus den 1990er Jahren. Künstliche Intelligenz, eines von Van Kerckhovens wiederkehrenden Motiven, trifft auf nackte Frauen aus Softpornomagazinen. Das fünfte Kapitel erschließt ihre "Arbeiten in Farbe”. Kapitel sechs präsentiert eine Auswahl von Experimentalfilmen, während Kapitel sieben auf den Ausgangspunkt für das gesamte Projekt zoomt: Digitalismus, Sex und Mystik. Die Ausstellung wird dann im Kapitel acht mit dem Titel ”Zeit, Sado-Masochismus und Ewigkeit” fortgesetzt und schließt mit dem neunten Kapitel, das Werke aus verschiedenen Jahrzehnten zusammenfasst, die Van Kerckhovens Interesse an der Inneneinrichtung veranschaulichen – wörtlich und metaphorisch zugleich, wie in der Zeichenserie ”Interior Design und Übernatürliches”.

Anders Kreuger sieht in der Ausstellung in Kassel eine Zusammenführung der vorangegangenen Projekte "Während ihre Ausstellungen in Mönchengladbach und Hannover eine Art These formulierten, anhand derer die Künstlerin ihre intellektuelle Biografie in einer Serie von zwölf Kapiteln nachvollziehbar machte, folgte die spätere Station in Antwerpen ganz dem visuellen Flow. In Kassel kommt nun als Abschluss, als eine Art Synthese dieser hegelianisch gedachten Dialektik, eine räumliche Erzählung hinzu, die beide Aspekte vermittelt und zusammenführt.“

Die erste von Moritz Wesseler, dem neuen Direktor des Fridericianum, kuratierte Ausstellung ist für Frühjahr 2019 geplant.

Öffnungszeiten: Di–So 11–18 Uhr, Feiertage 11–18 Uhr. Das Fridericianum ist am 24./25.Dezember 2018 geschlossen, am 26. Dezember 2018 sowie ab dem 2. Januar 2019 regulär geöffnet.

Eintritt 6 €, ermäßigt 4 € Kinder bis zu 11 Jahren freier Eintritt Mittwochs Eintritt frei Gruppen und Schulklassen (ab 15 Personen): 3 € p. P.

Führungsangebote Öffentliche Führungen mittwochs, um 17 Uhr und samstags um 16 Uhr: 2 € p. P. (max. 20 Teilnehmer) Führungen für Gruppen (max. 20 Teilnehmer): € 55 (Anmeldung erforderlich: +49 561 70 72 7 - 20)

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