Kasseler Notfallretter: "Weit vom Katastrophenfall entfernt"

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Torsten Müller, ärztlicher Leiter Rettungsdienst. Gesundheit Nordhessen Holding

Ruhe ist das oberste Gebot in der Notfallrettung. Und genau dieses Gefühl strahlt Torsten Müller aus. Als ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes in Stadt und Landkreis Kassel ist es seine Aufgabe, die Übersicht zu behalten. Und nach einem kurzen Blick auf die derzeitigen Fallzahlen in Sachen Coronavirus bleibt er entspannt. "Wir sind noch weit vom Katastrophenfall entfernt", sagt Müller, der zusätzlich als Anästhesie-Oberarzt am Klinikum Kassel eine Doppelrolle ausfüllt.

Kassel. Torsten Müller ist seit dem ersten Verdachtsfall Ende Januar mit dem Coronavirus beschäftigt. Damals organisierte er den Transport der beiden Patienten in die Interdisziplinäre Zentrale Notaufnahme des Klinikums Kassel. Danach hat sich die Lage in Nordhessen „dynamisch entwickelt“, wie Müller sagt. „Trotzdem herrscht eine erstaunlich konstruktive Atmosphäre zwischen allen Krankenhäusern, dem Gesundheitsamt, den öffentlichen Verwaltungen und den verschiedenen Rettungsdiensten. Wir stehen täglich in Kontakt und es gibt wenig Reibungsverluste“, sagt Müller, der seit 2012 die ärztliche Seite des Rettungsdienstes leitet. Der Notarzt kann sich an keine Situation erinnern, bei der die Zusammenarbeit bis hinauf zu den Landesbehörden so gut funktionierte. Die Zentralisierung der Versorgung bei COVID-19-Erkrankten ist von Bedeutung Patienten mit Verdacht auf den Coronavirus unterscheiden sich von anderen Notfällen. „Bei einem Corona-Verdachtsfall sind nicht wie bei einem Herzinfarkt oder Schlaganfall die ersten Minuten entscheidend“, sagt Müller. „Das Krankheitsbild entwickelt sich über Tage und ist nicht so zeitkritisch. Jeder Patient, egal wo er sich in der Stadt oder dem Landkreis befindet, erhält die gleiche Behandlung.“

Auch Torsten Müller plädiert dafür, Patienten mit dem Coronavirus zu zentralisieren. Als Beispiel nennt er die vor wenigen Tagen eingerichtete Corona Care Unit CCU) in der Interdisziplinären Zentralen Notaufnahme am Klinikum Kassel. „Hier ist mit den nachgeordneten Intensivstationen eine umfangreiche Infrastruktur gegeben und man kann personell flexibler reagieren“, sagt Müller. Damit liegt er auf einer Linie mit der Deutschen Krankenhausgesellschaft DKG), die eine rein standortbezogene Betrachtung in der Corona-Behandlung für nicht sinnvoll erachtet.

Patientenversorgung geht normal weiter

Der Rettungsdienst und die sechs ständig einsatzbereiten Notärzte in der Stadt und dem Landkreis Kassel seien derzeit im „Normalbetrieb“, so Müller. „Wir kümmern uns weiterhin um die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten, die entweder per Notfall oder wegen anderer dringend zu behandelnden Erkrankungen zu uns kommen: medizinische Notfälle wie Herzinfarkte, häusliche Unfälle und Verletzte nach Verkehrsunfällen. Und wir stellen sogar fest, dass die Einsatzzahlen seit den Alltagsbeschränkungen leicht nach unten gehen“, sagt Müller. Die Gesundheit Nordhessen hat ihre Belegung reduziert und hält zurzeit über 450 Betten für einen möglichen Sprung an Fällen bereit. „Wir stehen in Deutschland erst am Anfang der Corona-Epidemie. Und wir sind derzeit bestmöglich gerüstet“, sagt Torsten Müller.

7 Notärzte über 60 Rettungswagen

Im Rettungsdienstbereich Stadt und Landkreis Kassel sind Notärzte rund um die Uhr an insgesamt sieben Standorten stationiert. In der Stadt sind diese am Klinikum Kassel Mönchebergstraße), Elisabeth-Krankenhaus Weinbergstraße), Feuerwache 1 Wolfhager Straße) und Feuerwache 2 Heinrich-Schütz-Allee). Hinzukommt ferner der Rettungshubschrauber Christoph 7 am Rot-Kreuz-Krankrenhaus Hansteinstraße). Die Standorte im Landkreis sind an der Kreisklinik Hofgeismar und der Kreisklinik Wolfhagen.

Insgesamt werden im Rettungsdienstbereich über 60 Rettungswagen an 19 Standorten vorgehalten. Sechs dieser Rettungswachen befinden sich in der Stadt, im Landkreis sind diese in folgenden Orten: Lohfelden, Baunatal, Vellmar, Kaufungen, Bad Karlshafen-Helmarshausen, Gieselwerder, Hofgeismar, Immenhausen, Bad Emstal-Balhorn, Habichtswald-Ehlen, Wolfhagen, Schauenburg-Hoof, Calden-Ehrsten.

Leistungserbringer im Rettungsdienst sind gemeinsam mit der Feuerwehr Kassel folgende Hilfsorganisationen: Arbeiter-Samariter-Bund, Regionalverband Nordhessen ASB); Deutsches Rotes Kreuz Rettungsdienst Kassel gGmbH DRK); Johanniter-Unfall-Hilfe Regionalverband Kurhessen JUH); DRK Kreisverband Hofgeismar e. V.

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