Kasseler Prinzenpaar: „Karneval ist die ernsteste Angelegenheit, seit es Angelegenheiten gibt“

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Martin Waßmuth und Nina Minkler

Lokalo24.de fürte ein Interview mit Kassels neuem Prinzenpaar, das eines der jüngsten Prinzenpaare in der 60-jährigen Geschichte der Dachorganisation aller Karnevalisten in Kassel sein wird

Martin Waßmuth (29) und Nina Minkler (26) sind ab dem 11.11. das neue Prinzenpaar der „Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften“. Martin Waßmuth kennt die Volksfeste gut, war er doch drei Jahre lang Kirmesvater der Waldauer Enten-Kirmes. Nina Minkler stand schon mit sechs Jahren auf der Bühne. Wir sprachen mit dem jungen Prinzenpaar, dass auch im echten Leben ein Paar ist.

Nina, wie sind Sie zum Karneval gekommen?

Nina Minkler: Als ich geboren wurde, füllte mein Vater gleich den Aufnahmeantrag für die Karnevalgesellschaft „Die Windbiedel“ aus. Der Karnevalsverein, dass ist für mich wie eine „zweite Familie“. Mit Sechs war ich in der Kindergarde, danach als Marschtänzerin und Mariechen auf der Bühne, seit 10 Jahren bin ich selber Trainerin. Seit zwei Jahren bin ich auch als Büttenrednerin aktiv. Mein Lebensmotto heißt „Ein Tag ohne Tanzen ist ein verlorener Tag.“

Martin Waßmuth: Schon morgens kann man sie in Jogginghose, mit Karnevalmusik auf den Kopfhörern und mit Kaffeetasse in der Hand tanzend in der Wohnung erleben.

Nina Minkler: Bei dieser Trainingseinheit darf mir aber keiner zusehen. Karneval ist halt die ernsteste Angelegenheit, seit es Angelegenheiten gibt.

Martin, Sie sind nicht wie ihre Prinzessin in einem Karnevalsverein groß geworden. Was kannten Sie bisher vom Kasseler Karneval?

Marin Waßmuth: Als Kirmesbursche der Enten-Kirmes und dann auch als Kirmesvater habe ich natürlich schon lange die anderen Volksfeste besucht und besonders auch den Karneval. Ich finde den Karneval dann besonders gut, wenn das Programm eine ausgewogene Mischung aus Tanz, Musik und Büttenrede hat. Die politischen Büttenreden sind für mich der Höhepunkt jeder Sitzung, wenn lokale Politik durch den Kakao gezogen wird.

Haben Sie sich etwas Besonderes vorgenommen?

Martin Waßmuth: Wir wollen mit unseren Reden und Auftritten das Ehrenamt fördern und den Aktiven Respekt zollen. Wir werden unsere Prinzenorden sehr gezielt an Menschen vergeben und auch nicht bei jedem Beitrag pflichtgemäß für „standing ovations“ sorgen. Besonderes Lob gibt es auch nur für besondere Leistungen. Ich werde mir auch die Mühe machen und bei meinen Grußworten nicht einen Standarttext vortragen. Ich möchte als Prinz auch etwas zu sagen haben.

Nina Minkler: Wir haben zwar ein Prinzenpaarkostüm an, aber wir wollen wir selbst bleiben und keine fremde Rolle spielen. Authentisch sein, das ist uns wichtig. Wir sind ein junges Prinzenpaar und wir wollen deshalb auch einen besonderen Zugang zu jungen Leuten in Kassel finden und ihnen den Karneval näher bringen.

Was mögen Sie am Karneval?

Martin Waßmuth: Karneval ist Vielfalt. Man muss da einfach dabei gewesen sein um zu erleben, was Karneval wirklich ist und sich sein eigenes Bild machen. Der Karneval in Kassel hat aber auch seine Besonderheiten, weil es fast nur Saal- aber wenig Kneipen- und noch weniger Straßenkarneval gibt. Klar im Vordergrund steht in Kassel zu dem der karnevalistische Tanzsport.

Traditionell bekommt man als Prinzenpaar viele Blumengeschenke. Haben Sie schon eine Idee, was Sie damit machen werden? 

Nina Minkler: Wir bitten darum, auf Blumen zu verzichten. Wir bitten vielmehr um eine Spende für die „Kleinen Riesen Nordhessen“. Das Kinderpalliativteam hat es uns angetan und wir möchten diese Arbeit unterstützen. Wir wollen durch die Spenden mit ermöglichen, dass sterbende oder lebensbedrohlich erkrankte Kinder Zuhause gut versorgt werden können.

Auf was freuen Sie sich?

Nina Minkler: Erstmals kann ich mir ein ganzes Programm in aller Ruhe aus dem Saal ansehen. Bisher stand ich 20 Jahre lang auf der Bühne, habe in der Umkleide geholfen oder war als Bedienung aktiv. Jetzt darf ich ganz entspannt in der ersten Reihe sitzen und die Aktiven sehen, anfeuern und beklatschen. Es wird ein Perspektivwechsel, auf den ich mich freue. Ich bin auch stolz darauf, dass ich wie meine Eltern und meine Schwester wieder in einem Jubiläumsjahr der „Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften“ aktiv sein darf, denn die GKK feiert in dieser Session den 60. Geburtstag und mein Verein „Fuldatal – Die Windbiedel“ wird ebenfalls 60. Vor 20 Jahren waren meine Eltern Prinzenpaar, da lief ich bereits als Kind mit ihnen von Verein zu Verein. Vor 10 Jahren war meine Schwester Kinderprinzessin. Seitdem wusste ich, dass ich auch mal Prinzessin werden möchte. Die Vorstellung, dass ich einmal ein Glitzerkrönchen an habe, hat mich immer begeistert. Auch mit 26 weckt diese Rolle noch das Kind in mir.

Was meinen Sie mit „Rolle“, wenn sie vom Amt der Prinzessin sprechen? 

Nina Minkler: Als Prinzessin stehe ich protokollarisch hinter meinem Prinzen, aber meine Zeit kommt beim Weiberfasching. Da werden die Rollen getauscht. Ich repräsentiere das worauf ich stolz bin: Die Vielfalt der Vereine und Fähigkeiten der Karnevalisten, die Pflege des Brauchtums und das ehrenamtliche Engagement so vieler Menschen in Kassel. Ich finde das karnevalistische Brauchtum alles andere als oberflächlich. Kassel ist eine tolle Stadt mit hoher Lebensqualität in der Aue, am Herkules, im Kino und Theater, den Museen und Clubs. Ganz ehrlich, nachdem ich jetzt der Liebe wegen in Kassel lebe ist mir klar geworden, dass ich nicht mehr nach Baunatal zurück will. (sie lacht) Das darf mein Papa aber nicht lesen...

Martin Waßmuth: Stadtteile wie Waldau sind so liebenswert, weil sie wie ein Dorf funktionieren und trotzdem ein Teil von Kassel sind. Hier kennt man sich noch. Dieses familienhafte und freundschaftliche Gefühl mögen wir beide auch im Karneval.

Jedes Prinzenpaar gibt sich ein närrisches Motto. Wie heißt Ihres?

Martin Waßmuth: Wir wollten, dass es zu 60 Jahren „Gemeinschaft Kasseler Karnevalgesellschaften“ passt, aber auch ein Statement ist für den Zusammenhalt in unserer Gesellschaft. Das Vortragen üben wir jetzt schon eine gewisse Zeit, weil wir es ja immer beide unserem närrischen Volk zurufen. (beide zusammen) „Ob jung oder alt / ob arm oder reich / in der Gemeinschaft / sind wir alle gleich.“

Weitere Informationen findet man unter www.karneval-kassel.de und www.facebook.de/karnevalkassel

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