Kasseler Traditions-Bäckerei kämpft ums Überleben

Hier geht es noch nachbarschaftlich zu. Kerstin Hanke kennt alle Kunden persönlich.
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Immer mehr Kunden greifen zur Industrieware, immer weniger junge Menschen wollen in den Beruf einsteigen: Das Bäckerhandwerk ist bedroht!

Kassel. Qualitätsware aus Meisterhand nach Rezepten des Großvaters. Das schätzen die Kunden der Bäckerei Hanke in Wolfsanger. Doch Kerstin und Klaus Hanke machen sich Sorgen. „Uns fehlen Mitarbeiter in der Produktion.“

Ist stolz auf seine handwerkliche Backware: Bäckermeister Klaus Hanke

Schon wenn man morgens reinkommt, riecht man es: „Richtig gutes Brot gibts hier.“ Kestin Hanke und ihre Mitarbeiterinnen können sich über Mangel an Arbeit nicht beklagen. „Samstags stehen wir zu viert hinter der Theke“, erzählt die symphatische Blondine. „Wir verkaufen richtig gut, doch die Produktion hat bei uns Probleme.“

Für die Produktion ist Ehemann Klaus zuständig. Und der muss seit Anfang August auf einen seiner Mitarbeiter verzichten. „Gerade von ihm hatte ich mir viel versprochen. Er kam aus einer Bäckerei. Seine Frau ist Bäckereifachverkäuferin. Da hatte ich gehofft, einen Nachfolger gefunden zu haben. Hätte ihm sogar die Meisterausbildung bezahlt.“ Doch der Mann ist lieber zu VW gegangen. Seitdem suchen Hankes einen Mitarbeiter für die Produktion auf allen Kanälen. „Wir haben Anzeigen geschaltet, sind in der Stellenbörse des Bäckerzentralverbandes, bei der Agentur für Arbeit, bei Facebook. Erfolglos“, ist Kerstin Hanke traurig. „Dabei haben wir so gute Arbeitsbedingungen. Wir starten erst um 3.30 Uhr. Samstags arbeiten wir von 0.30 Uhr bis 7 Uhr. Alle vier Wochen ist der Samstag frei. Überstunden verlangen wir nicht. Und wir haben ein familiäres, harmonisches Betriebsklima.“

Man habe auch die Anforderungen an den Mitarbeiter nicht zu hoch gehängt. „Wir würden auch einen Quereinsteiger ausbilden. Wir haben mit der Agentur für Arbeit darüber gesprochen, ob nicht ein Flüchtling zu uns kommen kann. Selbst auf die Gefahr hin, dass er im Anschluss an die Lehre wieder abgeschoben werden sollte. Passiert ist nichts.“ Erst jetzt hat Klaus Hanke wieder ein wenig Hoffnung geschöpft. Als die Bäckerei Brede in Insolvenz gegangen ist, hat er sich bereit erklärt, einen Mitarbeiter zu übernehmen. „Ich hoffe nur, dass er kommt. Die Anfahrt ist ganz schön lang.“

Hoffen muss Hanke, denn das Bäckerhandwerk boomt nach der Delle um die Jahrtausendwende, als die Tankstellen mit ihren Aufbackanlagen ihnen große Konkurrenz gemacht haben. „Die Kunden wissen mittlerweise, dass Brötchen aus Rohlingen, die aus Rumänien, Bulgarien oder von Übersee kommen, sich mit Meisterware nicht messen lassen können.“

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