Was kostet ein Kilo Hund? Kasselerin Larissa Reinelt über Tierschutz auf der Insel Mallorca

Viele Hunde werden nicht mehr gewollt und laden im Tierheim. Dabei haben die Tiere häufig so viel Liebe zu geben und sehnen sich nach einem neuen Zuhause für immer. 
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Viele Hunde werden nicht mehr gewollt und laden im Tierheim. Dabei haben die Tiere häufig so viel Liebe zu geben und sehnen sich nach einem neuen Zuhause für immer. 

Kassel/Mallorca. Nicht nur viel Muskelkraft, auch ganz viel Herz bewies die Kasseler Bodybuilderin Larissa Reinelt (wir berichteten), die kürzlich nach Mallorca reiste, um aktiven Tierschutz zu leisten, trotz und gerade wegen der Corona-Pandemie.

Denn vor Ort ist der Tourismus weitestgehend zum Erliegen gekommen, Einnahmequellen fehlen und wer muss leider meist als erstes die Familie verlassen? Die Haustiere. Und so müssen sich Tierschützer auf der Sonneninsel nicht nur um Tiere von der Straße, um ‚unbrauchbare‘ Jagdhunde oder die Verlierer von Hundekämpfen kümmern, sondern auch vermehrt um Tiere, deren Besitzer sich die Unterbringung finanziell nicht mehr leisten können.

„Im Vorfeld meiner Reise machte ich meine rund 48.800 Follower bei Instagram auf den Plan, vor Ort zu helfen, aufmerksam und bekam so knapp 5.000 Euro an Spenden zusammen, musste mich gleichzeitig aber auch öfter für die Reise in Corona-Zeiten rechtfertigen. Aufgrund familiärer Verbindungen kenne ich die Insel, habe Kontakte geknüpft und da auch mein Hund aus dem Tierschutz stammt, liegt mir das Thema einfach sehr am Herzen“, so die Kasselerin. Eine Woche lang half sie bei drei Organisationen mit. Bei Feliz Animal in Andratx fing Reinelt Hühner ein, ging Gassi mit den Hunden, erstellte die Fotos der Tiere für die Vermittlung, schmuste die Katzen, begleitete die Heim-Leiterin Helga bei Tierarztbesuchen und übernahm dank der Spenden einen Teil der Kosten in Höhe von 300 Euro.

Persönliche Lieferung nach Deutschland: Auf dem Rückflug konnte Larissa Reinelt eine Katze von Mallorca aus mitnehmen und in Köln ihren neuen Besitzern übergeben.

Bei SOS Animal in Calvia übernahm die Kasselerin die Medikamenten-Rechnung über 500 Euro für Wurmkuren, Antibiotika und Mittel gegen Milben. Für das Tierheim ‚Hunde aus Mallorca‘ gab es spezielles Futter, denn viele der Tiere leiden unter Leishmaniose, einer Art Hunde-HIV, ausgelöst durch den Stich der Sandmücke. Die Krankheit ist nicht heilbar und kann mit einer bestimmten Ernährung gelindert werden. Von den Spenden konnte dieses besondere Futter gekauft werden. Auch dank einer 500 Euro Spende der Salzburger Stuben aus Kassel.

Und obwohl es den Hunden in den von Reinelt besuchten Auffangstationen gut geht, stecken doch oft harte Schicksale dahinter. Denn häufig kommen die Tiere aus Tötungsstationen.

„Auf Mallorca gibt es eine Vielzahl von Tötungsstationen. Diese heißen so, weil die dort abgegebenen Hunde 15 Tage nach Aufnahme/Abgabe/Fund getötet werden dürfen. Diese Regelungen existieren in vielen Ländern aufgrund der Vielzahl der Tiere. In diesen ‚Tierheimen‘ herrschen katastrophale Bedingungen“, klärt Larissa Reinelt alias larrylifts auf ihrem Instagram-Account auf und nimmt ihre Follower mit zu den verschiedenen Schauplätzen. „Häufig abgegebene Hunde sind Jagdhunde (vor allem Galgos, Podencos und Setter), die aus unterschiedlichen Gründen für die Jäger ‚nutzlos‘ geworden sind. Beispielsweise, weil ihr Jagdtrieb nachlässt oder nicht ausgeprägt genug vorhanden ist. Sie haben bei den Jägern entweder jahrelang an der Kette, in dunklen Verschlägen oder winzigen Zwingern gelebt. Darüber hinaus bringt die aktuelle Situation viele Menschen dazu ihre Vierbeiner abzugeben. Sie müssen in kleinere Wohnungen ziehen oder haben selbst kein Geld mehr zum Überleben.“

Besonders bizarr: Hunde aus der Tötungsstation werden pro Kilo bemessen, als wären sie ein Stück Fleisch an der Metzgertheke.
Die Tierschützer, die Larissa Reinelt während ihrer Mallorca-Reise traf, leisten ihre Arbeit oftmals ehrenamtlich, geben ihren letzten Cent für die Tiere und kümmern sich rund um die Uhr um das Wohlergehen und die Vermittlung in ein liebevolles Zuhause. Und das fanden rund 40 Tiere in der Woche, in der die Kasselerin auf Mallorca war. Sie selbst konnte auf dem Rückflug nach Deutschland eine Katze im Handgepäck nach Deutschland bringen und einem glücklichen Pärchen übergeben.

Ein rührendes Video über die Eindrücke, die Larissa Reinelt gesammelt hat, findet sich bei Instagram.

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