Kasseler Schulprogramm: Nicht nur Gebäudehüllen auch Unterricht soll moderner werden

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In der Offenen Schule Waldau - seit Jahren mit einem bundesweit beachteten pädagogischen Konzept - wird mit den Untersuchungen begonnen, die der Entscheidung für Modernisierung oder neubau vorgeschaltet sind.

Es geht nicht nur um marode Schulbauten aus den 70ger-Jahren beim Kasseler Schul-Sanierungsprogramm, das in der ersten Phase fünf Standorte modernisiert. Es geht um nicht weniger als um die Schule von Morgen - welchen Unterricht sie bietet und wer die Räume der Gebäude außer der jeweiligen Schulgemeinde noch nutzen darf.

Kassel. Wenn die Schüler und Lehrer aus den Sommerferien 2023 beziehungsweise 2024 kommen, werden sie die Offenen Schule Waldau und die Hegelsbergschule nicht wiedererkennen.

„Ob die Gebäude modernisiert werden oder ein Neubau erforderlich ist, werden die jetzt beginnenden Untersuchungen zeigen – in beiden Fällen gehen wir vom gleichen Zeitrahmen aus“, sagt Peter Ley, Geschäftsführer der GWGpro, die als Treuhänderin der Stadt Kassel das Schul-Sanierungsprogramm mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich vorantreibt.

Offene Schule Waldau und Hegelsbergschule habe eine Arbeitsgruppe daher als vordringlich ausgewählt, da sowohl Zustand als auch Bedarf (Ley: „Die Hegelsbergschule hat zur Zeit 600, bald jedoch gut 900 Schüler“) schnelles Handeln erfordern. Auch die Möglichkeiten, bei Sanierung oder Neubau erforderliche Ersatzflächen für den Schulbetrieb vorzuhalten, sei an beiden Standorten gegeben.

Doch nicht nur die Hülle, auch die pädagogischen Konzepte sollen sich im frischen Anstrich zeigen. „Wir machen unsere Schulen durch entsprechende Konzepte fit für die aktuellen pädagogischen Herausforderungen durch zum Beispiel Integration, Inklusion und digitalen Wandel“, hob Bürgermeisterin Ilona Friedrich hervor.

Am Montagnachmittag begrüßte sie gemeinsam mit OB Christian Geselle Schüler, Eltern und Lehrer, aber auch Ortsvorsteher und externe Gebäudenutzer der fünf von der ersten Phase des Programms betroffenen Schulen zur Informationsveranstaltungen im Rathaus.

Stellten das ehrgeizige Modernisierungskonzept der Stadt Kassel vor: (v.li.) GWG-Geschäftsführer Peter Ley, Bürgermeisterin Ilona Friedrich, Helga Boldt (pädagogische Beratung) und Schulbau-Experte Jochem Schneider (büroschneidermeyer).

 „Die alte Flurschule hat ausgedient“, sagt Jochem Schneider von „büroschneidermeyer“ aus Stuttgart. Sein Planungsbüro, eines der führenden für Schulneubauten in Deutschland, begleitet die Arbeit von GWGpro bei Analyse und Planung. „Wir brauchen Schulgebäude, die flexibel sind. Eine Klasse, ein Raum – gibt es in Zukunft ebenso wenig mehr wie den Physik- oder Chemieraum mit seinen ansteigenden Sitzreihen.“ Frontalunterricht sei ebenso in die Jahre gekommen wie die jetzt zur Sanierung anstehenden 70er-Jahre Bauten. Doch nicht nur innerschulisch müssen die Bedürfnisse an individuelle Raumkonzepte diskutiert und formuliert werden.

 „Die Schulen sind zentraler Ankerpunkt für Familien“, weiß Helga Boldt, pädagogische Beraterin vom „büroschneidermeyer“. „Sie können mehr als nur Bildung vermitteln.“ Sie würden auch wichtige Flächen für Stadtteil- und Kulturarbeit vorhalten. „Wir müssen uns fragen: Was geschieht in den Schulen am Wochenende, in den Ferien?“, führt Jochem Schneider weiter aus.

Eine Lösung für ein harmonisches Miteinander könnten offene, halboffene und geschlossene Bereiche in den Gebäuden sein. „Die Organisation wird man natürlich nicht mehr mit einem Hausmeister regeln können – da braucht es schon einen Schulmanager, um Terminplanung und Kontrolle vorzunehmen“, sagt Schneider. Schon bei den Überlegungen für die Schul-Modernisierungen müssen solche Fragen nach der Nutzung mit einfließen. „Es ist zum Beispiel nicht möglich, die Küche einer Schulmensa durch Vereine zu nutzen. Mit einer weiteren Küche wäre die Mensa aber auch außerhalb des Schulbetriebs ein guter Ort des Zusammenkommens. Wir müssen die Schule nicht als Insel sehen, sondern als Knoten“, sagt Schneider, der jüngst in Frankfurt das Konzept einer Schule verwirklichte, auf die Wohnetagen gesetzt wurden.

 „Die jetzt beginnende Diskussion mit den Beteiligten über die Räume und ihre Nutzung ist jedoch kein Wunschkonzert: Wir werden von einer festen Flächenzahl ausgehen“, stellt Schneider klar.

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