Kassels Parks und Plätze sonntags völlig zugemüllt

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Mittlerweile gewohntes Bild in der Goetheanlage: Reste nächtlicher Parties türmen sich dort, der Mülleimer selbst ist nicht mehr zu sehen.

Am Sonntag arbeiten die Stadtreiniger nicht, das Ordnungsamt nicht nach 24 Uhr: Und da auch die freundlichen Appelle an die Nutzer von öffentlichen Parks und Plätzen ungehört verhallen, bietet sich den Besuchern und Touristen jedes Wochenende ein Bild der Verwüstung. Säckeweise Grillreste, zerbrochene Flaschen, Zigarettenkippen und Plastikmüll lassen die Stadt in keinem guten Licht erscheinen.

Kassel. Wo gefeiert wurde, wird am frühen Morgen sichtbar: Völlig überfüllte Mülltonnen, verstreute Reste von Grill-Abenden und Sauf-Nächten auf den Wiesen, Glassplitter und Zigarettenkippen auf den Plätzen: Mit dem Frühling hat Kassel auch sein Müll-Problem wieder.

Ist die Atmosphäre in der Goetheanlage beispielsweise an einem sonnigen Samstagnachmittag noch wundervoll anzusehen, packt die Sonntagmorgen-Jogger die kalte Wut angesichts der achtlos zurückgelassenen Flaschen und Verpackungen. „Es wird jedes Jahr schlimmer“, beobachtet eine Mitdreißigern, die in der „Goethe“ ihre Runden dreht.

Und auch neue Plätze bleiben vom Feier-Müll nicht verschont. Für den Stadtplatz Annastraße hatte man schon bei seiner Planung so eine Vermutung. Die schlimmsten Befürchtungen wurden übertroffen: Saufgelage mit Supermarkt-Alkohol empören sogar hartgesottene Kneiper der Friedrich-Ebert-Straße. Die für den Zustand des Platzes den Kopf hinhalten müssen, ohne etwas dafür zu können. Vor allem Sonntags, wenn die Fläche zum Spiel- und Erholungsplatz von Familien wird, zeigt sich das Übel: Der einzige Mülleimer am Platz reicht offenbar nicht aus – oder wird erst gar nicht genutzt, wie verstreute Plastikbecher, Flaschen hochprozentigen Alkohols oder zerschmissene Gläser und Bierflaschen zeigen.

„Überall wo sich viele Menschen aufhalten, lässt es sich nicht vermeiden, dass auch Müll produziert wird. Leider muss immer wieder festgestellt werden, dass dieser Müll einfach zurückgelassen wird“, berichtet Stadtsprecher Michael Schwab. Zwar habe man bei der Sanierung der Königsstraße beispielsweise für größere Papierkörbe gesorgt – in den meisten Fällen jedoch müssen die Stadtreiniger zum Einsatz kommen. Diese werden bei Bedarf vom Umwelt- und Gartenamt beauftragt, sind von Montag bis Samstag mit ihren Teams im Einsatz.

Einen Sonderstatus hat das Buga-Gelände, wie Michael Schwab mitteilt: „Gerade an heißen Tagen ist das Gelände stark frequentiert, was in der Regel auch zu einem erhöhten Abfallaufkommen führt. Die Stadtreiniger reinigen das Buga-Gelände in den Sommermonaten an jedem Werktag und weiten diese Reinigung bei sommerlichen Temperaturen auch auf das Wochenende aus.“ Grundsätzlich setze man bei der Stadt auf das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen. Der Appell von Stadtrat Dirk Stochla (Dezernat III für Ordnung, Sicherheit und Verkehr) lautet: „Bitte nutzen Sie für Ihre Abfälle die dafür vorgesehenen Papierkörbe. Sollte der Papierkorb bereits voll sein, werfen Sie den Abfall bitte in den nächstgelegenen Papierkorb, in dem noch Platz ist. Oder nehmen Sie den Abfall mit nach Hause und entsorgen sie ihn dort in der Mülltonne.“

 

Ordnungsamt kontrolliert nur bis 24 Uhr

 

Wer das nicht tut, kann schnell ins Visier des Ordnungsamtes geraten, informiert Michael Schwab: „Ordnungskräfte sind in der Zeit von Montag bis Samstag von 6 bis 24 Uhr im Einsatz. Werden bei Kontrollen Müllansammlungen festgestellt, werden die Stadtreiniger mit der Entsorgung beauftragt. Außerdem wird versucht, Verursacher festzustellen. Wenn nachgewiesen werden kann, dass eine konkrete Person Müll zurückgelassen und nicht entsorgt hat, kann ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden.“ Dafür kann der Einzelfall theoretisch mit einem Bußgeld von bis zu 5.000 Euro geahndet werden. Michael Schwab sagt aber auch: „In der Praxis ist die Zuordnung von hinterlassenem Müll zu konkreten Personen nur selten möglich.“ Personen müssten dabei „auf frischer Tat“ beobachtet werden. Ist dies der Fall, werden die Personen zunächst verwarnt und aufgefordert, den Müll zu beseitigen. Die Verwarnung kann mit einem Verwarngeld zwischen 5 und 55 Euro belegt werden. Ob und wie oft das passiert, kann die Pressestelle der Stadt nicht beantworten: „Eine Statistik über die Anzahl von Verwarnungen wird nicht geführt.“

Hier ein Kommentar dazu von Redaktionsleiter Victor Deutsch

 

Saubere Aktion: Müllsammeln im Vorderen Westen und am Radweg R1

Überall achtlos weggeworfener Müll. Das betrifft nicht nur das Innenstadtgebiet, sondern auch die herrlichen Parks und Rad- und Wanderwege, die allzu gerne genutzt werden. „Da kann man sich jetzt (zu Recht) drüber aufregen und über gedankenlose Idioten schimpfen. Man kann aber auch einfach anfangen was zu tun, alle Vernünftigen aufrufen nicht zu resignieren, als gutes Vorbild voran gehen und Müll aufsammeln“, sagt Dirk van der Werf. Der Meile-Gastronom („Joe’s Garage“) und begeisterte Freiluft-Sportler hatte da so eine Idee. Gemeinsam mit Stadtimker Victor Hernandez und den Gastronomie-Kollegen der Friedrich-Ebert-Straße wurde sie weiterentwickelt. Und eine Aktion ins Leben gerufen, die mit Unterstützung der Stadtreiniger sowie der Gemeinde Fuldatal am Sonntag, 27. Mai, über die Bühne gehen soll. Ohne großes Brimborium, aber mit möglichst vielen Unterstützern, starten um 11 Uhr die Saubermänner und -frauen durch das Quartier Friedrich-Ebert-Straße und am Fulda-Radweg zwischen Landhaus Meister und Schocketal. Dirk van der Werf: „Jeder kann mitmachen, einfach ein paar alte Klamotten anziehen, Lust und Laune am Saubermachen mitbringen und los geht’s!“

Wer mitmachen möchte, meldet sich bis zum 15. Mai per E-Mail an dirk@joes-garage.de an, damit der Bedarf an Hilfsmitteln eingeschätzt werden kann. Bitte dazuschreiben, ob Kassel oder der Fulda-Radweg als Aktionsort in Frage kommt. „Wir werden mit unserer Aktion vielleicht nicht die Welt retten, sie aber zumindest ein Stück besser machen!“, wünscht sich Dirk van der Werf.

 

 

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