Auf Kassels Straßen regiert der Wahnsinn

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Die Friedrich-Ebert-Straße wird von den autorasern auch gern für kurze Sprints benutzt.

Muss erst etwas Schlimmes passieren? Innenstadtraser gefährden täglich Menschenleben

Kassel. „Entweder die haben zu viele Fast & The Furious“-Filme gesehen, oder die Jungs haben einfach nur einen zu kleinen Schw***, den sie mit ihrem Verhalten kompensieren wollen“, so Sandra Meier. Seit Wochen beobachtet die 48-Jährige, wie gerade in den Abend- und Nachtstunden getunte PS-Boliden mit überhöhter Geschwindigkeit über die Friedrich-Ebert-Straße rasen. „Wenn da plötzlich jemand über die Straße geht, können die Autofahrer doch gar nicht mehr bremsen. Ihr Verhalten ist nicht nur rücksichtslos, sondern schon kriminell. Wer so rast, nimmt doch ein Unglück bewusst in Kauf.“ In den vergangenen Tagen informierten uns immer wieder Leser über zu laute und schnellfahrende Autofahrer. Als wir an einem milden Sommerabend die Anwohnerin vor Ort treffen, werden wir direkt Zeuge, wie ein schwarzer 6er BMW mit gefühlten 120 km/h über die Kneipenmeile düst. Bevor wir die Kamera rausholen können, ist das Auto Richtung Ständeplatz verschwunden.

Aufheulende Motoren 

Die Friedrich-Ebert-Straße wird besonders gern für sogenannte „Solo-Showfahrten“ genutzt. Das heißt, der Fahrer bremst immer wieder stark ab, um dann mit aufheulendem Motor und Vollgas über die Kneipenmeile zu düsen oder aktiviert seine getunte Klappenauspuffanlage um so auf sich und sein Auto aufmerksam zu machen. „Dabei müsste es doch genau anders herum sein“, erzählt ein Gast, der vorm Bohemia seinen Drink genießt. „Wer auf sein Auto aufmerksam machen will, sollte doch eher langsam fahren, damit es die umstehenden Leute auch länger sehen können.“

Ab mittags in der Innenstadt

Ebenfalls zum Show &Shine beliebt: die Innenstadtstrecke über Neue Fahrt und Wolfsschlucht. Dort gehören gerade zur Mittagszeit, wenn Arbeitende ihre Pause in den angrenzenden Gastro-Betrieben genießen, aufheulende Motoren und kurze Sprint-Fahrten zum Alltag. Zu wahren Autorennpisten, auf denen sich junge Autofahrer mit ihren gepimpten Karren gern gegenseitig messen, gehören u.a. die Fünffensterstraße, die Kohlenstraße (dort stellte die Polizei vor kurzem Autoraser), die Werner-Hilpert-Straße und vor allem die Strecke vom Auestadion über die Stadtautobahn bis zum MC Donalds am Rüssel in Lohfelden. Auf letzterer wurde ich neulich selbst Zeuge, wie so was abläuft. Als ich von einem Abendtermin nach Hause fahren wollte, kam ein schwarzer C 63 AMG wie aus dem nichts von hinten angefahren, wurde auf der Spur neben mir langsamer und vermittelte mir gestenreich, ob ich ein Rennen wollte. Als ich dankend ablehnte, ließ er als Zeichen seiner Männlichkeit seinen Motor nochmal aufheulen und düste mit geschätzten 150 km/h (erlaubt sind 100 km/h) in Richtung Rüssel. Besonders auffallend ist: Meist handelt es sich bei den Autorasern um junge Männer, die vorwiegend mit Wagen des Mercedes Edeltuners AMG oder aufgemotzten 3er und 6er BMW unterwegs sind. Aber auch Audi-, Ferrari, Aston Martin- und Porsche-Fahrer sind darunter, wie zahlreiche Kneipenmeilen-Besucher berichten. Und was sagt die Polizei zum Thema Autoraser? „Das Thema ist natürlich bekannt“, berichtet Polizeisprecher Torsten Werner. Allerdings handele es sich dabei um eine schwierige Problematik. „Da die Fahrten nur von kurzer Dauer sind, können meine Kollegen nicht noch schnell hinfahren und die Fahrer stellen. Meistens werden Rennen spontan abgesprochen und man weiß nie, wo eins entsteht.“ Gleichwohl sei der Streifendienst sensibilisiert. Bei laut aufheulenden Motoren werde gleich nachgeschaut. Besonders die Situation auf der Friedrich-Ebert-Straße, in der Innenstadt und die Ampelrennen seien hinreichend bekannt. „Aber wir sind dabei auch auf Zeugenhinweise angewiesen.“

Werner berichtet weiter: „Meist handelt es sich bei den Fahrern um junge Männer, die sich brüsten wollen, und ihr Fahrverhalten zur Schau stellen möchten.“

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