Briefwechsel: Kein Platz für Stammtischstrategen!

Briefwechsel an den Bürgermeister von Lohfelden und amtierenden Vorsitzenden der Gesellschafterversammlung des Güterverteilzentrums Kassel.

Sehr geehrter Uwe Jäger,

Sie sind nicht nur der Bürgermeister von Lohfelden, sondern auch der amtierende Vorsitzende der Gesellschafterversammlung des Güterverteilzentrums Kassel. Obwohl hier jährlich 50.000 Lkws und 1300 Züge 120.000 Container bewegen, auf den Weg zu den Häfen in Bremerhaven und Verona bringen, ist dieser unglaublich wichtige Logistikbereich vielen Bürgern völlig unbekannt. Wer nicht gerade in die Lise-Meitner-Straße muss, bekommt überhaupt nicht mit, dass hier das wirtschaftliche Herz Nordhessens schlägt. Als die Planungen für das GVZ liefen, waren Sie, Herr Jäger, noch nicht im Amt. Ihr Vorgänger musste sich mit der Hetze, den dummen Sprüchen rumschlagen, die damals gekloppt wurden: „Da bauen die ne Kuhwiese mit Gleisanschluss.“ Ihr Vorgänger und seine Mitstreiter haben sich davon, Gott sei Dank, nicht irritieren lassen. Millionen wurden in die Hand genommen. Lohfelden, Fuldabrück, Kassel und der Landkreis Kassel haben das Güterverteilzentrum gebaut, dass wesentlich für den wirtschaftlichen Aufschwung Nordhessens verantwortlich ist.

Heutzutage ist es für Firmen überlebensnotwendig, dass man über Schiene, Straße, Flughafen oder Wasserstraßen vernünftig angebunden ist. Begriffen haben das einige offensichtlich in Neu-Eichenberg bis heute nicht. Auch dort soll ein großes Logistikgebiet entstehen, das mit Sicherheit positive wirtschaftliche Auswirkungen in den gesamten Landkreis haben wird. Die Politik hat schon vor 15 Jahren entschieden, dass hier gebaut werden soll. Jetzt ist es soweit. Ob Bürgerproteste das kippen?

In Großbritannien ist das passiert. Niemand hätte gedacht, dass es für den Austritt aus der Europäischen Union eine Mehrheit geben würde. Schockstarre auf allen Seiten, als es dann doch so kam. Eine vernünftige Lösung für dieses Desaster gibt es bis heute nicht. Die Brexiteers sind mehr oder weniger abgetaucht. In der Bevölkerung wird allmählich klar, was die Loslösung von Europa für Folgen hat. Aber woher sollte denn Otto Normalverbraucher auch wissen, dass die EU und England mit rund 400 Einzelverträgen miteinander fast unlösbar verknüpft sind? Wer hat sich Gedanken darüber gemacht, dass die Zollschranken wieder fallen, die Güter teurer und das das Pfund bis heute ein Fünftel des Werts verloren hat? Verlierer sind mit Sicherheit die jungen Briten. Opa hat gegen die EZ gestimmt und verliert im Altersheim die Pfleger. Die Enkel verlieren Arbeitsplätze in der Bankenmetropole London. Und überall im Lande in der Industrie. Wer wählt, sollte sich vorher gründlich über die Folgen informieren.

Mit wahltaktischen Grüßen Rainer Hahne Chefredakteur

 P.s. Das Güterverteilzentrum ist damals gebaut worden. Heute ist das schwieriger geworden. Der Widerstand gegen Infrastrukturmaßnahmen wird größer. Doch allmählich wird vielen klar, wie wichtig die sind.

Rubriklistenbild: © Soremski

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