Keine Ahnung von Tuten und Blasen

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Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Briefwechsel an Gerd Göbel, Inhaber der Göbel Hotels.

Briefwechsel. Sehr geehrter Gerd Göbel,

Sie sind der Geschäftsführer und Inhaber der Göbel Hotels. Aus kleinsten Anfängen haben Sie in vierzig Jahren eine Hotelgruppe mit 900 Mitarbeitern in achtzehn Betrieben an zwölf Standorten aufgebaut. Ohne Sie läuft in Rotenburg oder Willingen nichts.Engagierte Unternehmer wie Sie kümmern sich normalerweise herzlich wenig um die Politik. Sie haben genug anderes zu tun.Deshalb ist es für mich ein unüberhörbares Alarmsignal, wenn Sie sich jetzt mit einem Brandbrief an die Politik wenden, um auf die Folgen von Mindestlohn und Aufzeichnungsverordnung hinzuweisen.

Sie sehen – völlig zurecht – Ihr Lebenswerk in Gefahr. Und in Gefahr gebracht wird es von Leuten, die sich für Ihre miese Politik Stimmen durch fast nicht zu finanzierende Wahlgeschenke kaufen.Es ist ein Drama, was sich zur Zeit in Deutschland abspielt. Eigentlich haben wir es ja schon immer gewusst, dass es auf Dauer nicht gutgehen kann, wenn wir fast nur noch von Berufspolitikern regiert werden, die vom richtigen Leben keine Ahnung mehr haben.Wenn ich sie schon sehe, die Nahles oder Al Wazirs dieser Welt, die Sie angeschrieben haben, Herr Göbel. Mehr oder weniger erfolgreich wird studiert und dann ab in die Politik. Zu mehr reicht es nicht.Und dann gehts los. Wenn man selber nie gearbeitet hat, kommt einem selbstverständlich jeder Schritt schwer vor. Nach dem Motto "Was Du nicht willst, was man Dir tu, das füg auch keinem andern zu” haben sie nur Angst, das einer zuviel arbeiten könnte.Sehr geehrter Herr Göbel,wenn Sie die Einstellung dieser Herrschaften hätten, säßen Sie wahrscheinlich als angestellter Direktor in einem Garni-Hotel ohne jeden Dienstleistungscharakter. Aber Sie haben sich selbstständig gemacht. Und selbstständig heißt, dass man selbst ständig tätig ist. Wenn Arbeit da ist, wird sie gemacht. Da wird nicht erst lange gefragt, ob irgendwelche weltfremden Politiker sich blödsinnige Verordnungen ausgedacht haben.

Ich brauche keine Nahles, keinen Al Wazir und erst recht keinen Kauder, der mir erzählt, wann und wo ich arbeiten darf. Was Dienstkleidung ist und was nicht. Ob das Anziehen der Dienstkleidung zur Arbeitszeit gehört oder nicht. Mit so einem Blödsinn beschäftige ich mich nicht. Genauso wenig wie Sie.Sehr geehrter Herr Göbel, hinter den Kulissen wird in Berlin gehauen und gestochen. Wie immer haben diese Spezialpolitiker wie Herr Kauder und Frau Nahles die Auswirkungen ihrer Aktivitäten nicht überdacht. Jetzt will keiner Schuld sein, keiner einen Schritt zurück machen. Gesichtsverlust wird befürchtet, die Schäden für die Wirtschaft sind egal.

Mit entnervten GrüßenRainer HahneChefredakteur

P.s. Die Hoffnung stirbt zuletzt, Herr Göbel. Vielleicht wird unsere Bundeskanzlerin endlich mal wieder wach. Die SPD hat schon zu lange allein regiert.

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