Keine Versprechen von Dr. Walter Lübcke

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Nach der Massenschlägerei: Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke äußert sich zur aktuellen Situation der Flüchtlinge in Calden.

Kassel. Seit Monaten gibt es im Regierungspräsidium Kassel nur noch ein Thema: Flüchtlinge. Nach der Schlägerei in der Erstaufnahmeeinrichtung in Calden und der anschließenden Demo vor dem Regierungspräsidium sprach der EXTRA TIP mit Dr. Walter Lübcke.

ET: Hat Sie die Schlägerei in Calden geschockt?

Lübcke: Die Situation ist für die Menschen nicht einfach. Zahlreiche Männer hatten erfahren, dass ihr Asylantrag abgelehnt worden ist. Da kommen ganz schnell Spannungen auf. Gott sei Dank ist es bei kleinen Verletzungen geblieben.

ET: Die Kinder müssen aus dem Lager raus, wurde bei der Demo gefordert. Ist das machbar?

Lübcke: Einmal hatten wir es schon geschafft. Alle Familien mit Kindern, alle Hochschwangeren konnten wir aus der Einrichtung rausholen und in Kassel unterbringen. Das war für uns alle eine Erleichterung. Aber nicht lange. Bereits am nächsten Tag kamen neue Busse. Und alles war wieder voll. Wir können gar nicht so schnell neue Einrichtungen schaffen, wie die Flüchtlinge zu uns kommen.

ET: Die Demonstranten haben gefordert, dass niemand im Winter in Zelten sein darf.

Lübcke: Vor einigen Monaten konnte sich niemand vorstellen, dass überhaupt ein Flüchtling in ein Zelt muss. Dann sind wir überrannt worden. Heute verspreche ich überhaupt nichts mehr. Was nützt es, wenn ich sage, niemand bleibt in Zelten und dann kommen hundertausend afghanische Flüchtlinge.

ET: Was ist denn aktuell Ihr Ziel?

Lübcke: Wir bereiten so viel Plätze in festen Unterkünften vor wie eben möglich und so schnell wie möglich. Wir errichten Leichtbauhallen in Hessisch-Lichtenau für tausend Flüchtlinge, kümmern uns um leerstehende Märkte. In Calden bauen wir Container auf.

ET: "Wir möchten, dass alle bleiben”, wurde von den Demonstranten gefordert. Was sagen Sie dazu?

Lübcke: Das wird auf keinen Fall passieren. Ich gehe davon aus, dass unsere Einrichtungen noch vor dem Winter entlastet werden, weil viele Flüchtlinge vom Westbalkan uns verlassen werden. Gehen Sie davon aus, dass demnächst täglich eine Maschine von Calden aus nach Tirana fliegt.

ET: Haben Sie eigentlich genug Personal für die Einrichtungen?

Lübcke: Was meine Mitarbeiter im Regierungspräsidium in den letzten beiden Montagen geleistet haben, kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Hinzu kommt es, dass es uns gelungen ist, viele ehemalige Führungskräfte aus dem Ruhestand zurück zu holen. Sie führen jetzt zahlreiche Einrichtungen.

ET: Gibt es etwas, was Sie unseren Lesern sagen wollen?

Lübcke: Ja. Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist riesengroß. So kommen immer wieder Menschen zu uns und bringen Kleidung, die sie aber leider oft direkt an Flüchtlinge verteilen. Dabei gibt es Szenen, die niemand sehen möchte und letztlich landen viele hochwertige Sachen im Müll. Wer helfen will, soll doch die Sachen bitte zu den Johannitern oder dem DRK bringen.

ET: Wie oft kümmern Sie sich persönlich um Flüchtlinge?

Lübcke: Täglich.

Interview mit der Augenzeugin Bärbel H. gibt einen Einblick über die Situation im Flüchtlingslager CaldenBriefwechsel von Rainer Hahne zum Thema "Flüchtlinge" finden Sie hier.

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