"Keine Werbung für Abbrüche" - Frauenärztin Nora Szasz wehrt sich gegen Anzeigensteller

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Wehren sich gegen die erneute Anzeige und bereiten sich auf den Prozess am 29. August vor: Die Frauenärztinnen Natascha Nicklaus und Nora Szasz.

Erneut wurden Kasseler Frauenärztinnen von einem Schwangerschaftsabbruch-Gegner wegen eines Hinweises auf ihrer Website angezeigt. Nora Szasz wehrt sich gegen die Argumente.

Kassel. Die Solidarität zu den mittlerweile angeklagten Kasseler Ärztinnen Nora Szasz und Natascha Nicklaus (der EXTRA TIP berichtete) ist weiterhin enorm, die Kasseler SPD sagte Spenden zu und Studentengruppen wie Feminism Unlimited Kassel unterstützen mit Aktionen. Seit einigen Tagen ist der Prozesstermin klar: Am Mittwoch, 29. August wird der Auftakt stattfinden.

Doch damit hört die Aufklärungsarbeit und auch der Ärger über die Anzeigen nicht auf. Einer der beiden Anzeigensteller, (Name ist der Redaktion bekannt), ein junger Mann (Jahrgang 1990) aus Kleve, für den „das Anzeigen schreiben ein Hobby“ ist, beschwerte sich nun bei der Kasseler Polizei darüber, dass die Webseite von Szasz und Nicklaus weiterhin online abrufbar ist. Er stellte erneut Anzeige und verlangt, dass die Webseite vom Netz genommen und der Server abgeschaltet wird. Torsten Werner, Pressesprecher der Polizei dazu: „Wir wissen von der Anzeige und haben es an die zuständige Staatsanwaltschaft weitergegeben.“

Der Anzeigensteller, der sich für Interviews Markus Krause nennt, erklärte am Telefon dazu: „Ich bin persönlich dagegen, halte einen Schwangerschaftsabbruch für ethisch falsch, da wissenschaftlich betrachtet das Leben mit der Befruchtung beginnt – und jedes Leben ist schützenswert. Religiöse Gründe habe ich keine.“ Der viel diskutierte Paragraph 219a solle seiner Meinung nach so bleiben.

„Für diese rechtswidrige aber straffreie Tat darf keine Werbung gemacht werden. Ich sehe einen Interessenskonflikt darin, dass Frauenärzte, die Abbrüche anbieten, nicht objektiv beraten. Wenn eine Schwangerschaft schon abgebrochen werden muss, dann sollten Frauen sich nur an anerkannte Beratungsstellen wenden – nicht an Frauenärzte, die Geld verdienen möchten“, erklärt er. Seit Anfang 2015 hat er es sich zur Aufgabe gemacht, Frauenärzte, die im Internet auf den Webseiten Abbrüche auflisten, anzuzeigen. 70 bis 80 Stück hat er schon gestellt. Er mache das ganz für sich alleine, sein Umfeld weiß nichts davon.

Nora Szasz kann die Ansichten des jungen Mannes nicht verstehen: „Mit diesem Verhalten richtet der Mann einen gesellschaftlichen Schaden an und dieses Verhalten verurteile ich. Ich als Ärztin sehe es als meine Pflicht und Berufung an, Frauen in Notsituationen zu helfen – und zwar so zu helfen, dass sie dabei weder physischen noch psychischen Schaden nehmen. Niemand darf über andere urteilen, auch nicht über die Körper der Frauen. Der Mann verspricht sich davon einen Rückgang der Abbrüche, doch es ist ein Irrglaube, dass Schwangerschaftsabbrüche zurückgehen, je schwieriger man den Weg dorthin macht. Auch ist es falsch, dass Frauenärzte mit Abbrüchen Gewinne erwirtschaften. Die Gebührenordnung der Ärzte legt genau fest, was man für eine Leistung berechnen kann. Das sind keine großen Summen und auch kein Wucher. Den Frauenärzten zu unterstellen, damit nur Geld verdienen zu wollen ist falsch und wir wehren uns entschieden dagegen.“

Szasz und Nicklaus erhalten nach wie vor große Unterstützung aus der Kasseler Bevölkerung und bereiten sich auf den Prozess im August vor –und kämpfen entschieden weiter für die Rechte der Frauen.

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