Keine Zukunft ohne Frauen: Maria 2.0 kämpft gegen Ungerechtigkeit in der katholischen Kirche

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Katholische Frauen setzen ein Zeichen für einen selbstbestimmten Platz in der Kirche: (v.li.) Prof. Dr. Ilse Müllner (Institut kath. Theologie der Uni Kassel), Beatrix Ahr (Pastoralreferentin Dekant Kassel-Hofgeismar und Mentorin im Mentorat für Lehramtsstudierende der kath. Theologie), Sandra Bonenkamp (Gemeindereferentin Heilig Geist Vellmar und im Pastoralverbund St Edith Stein Reinhardswald), Elisabeth Vosse (Einrichtungsleiterin Caritas Seniorenheim St Bonifatius) und Gabriele von Karais (Mitglied der kath. Kirchengemeinde Sankt Familia und Mitglied im Pfarrgemeinderat).

Mit den Tuch-ins während der Aktionswoche Maria 2.0 wollen Frauen in der katholischen Kirche auf die herrschende Ungerechtigkeit aufmerksam machen.

Kassel. „Wir stehen auf und setzen ein Zeichen – aus Liebe zu unserer Kirche, unseren Töchtern und allen Frauen der katholischen Kirche“, beschreibt Beatrix Ahr den Gedanken hinter der Protestwoche ‘Maria 2.0’, die vom 12. bis 19. Mai in Kassel und deutschlandweit stattfindet. Im Februar habe Ahr von der Aktion Maria 2.0 gelesen. „Da sprechen Frauen etwas an, was mir selbst auf der Seele brennt“, so Ahr, Pastoralreferentin des Dekanat Kassel-Hofgeismar und Mentorin für Lehramtsstudierende der katholischen Theologie.

Trotz Skandalen tut sich nichts

Denn selbst nach vielen Aktionen und auch Skandalen wie den „unsäglich beschämenden Missbrauchsvorwürfen an Kindern und Ordensfrauen“ tue sich nichts in der katholischen Kirche, um die männerbündischer Machtstrukturen zu verändern. Ein aktiver Kreis von 15 Frauen organisiert daher an zwei Sonntagen – am 12. und 19. Mai – sogenannte Tuch-ins, bei denen ein weißes Tuch vom Altar bis hinaus auf die Straße gelegt wird. Darauf stellen all diejenigen Frauen, die ein Zeichen setzen wollen, ihre Schuhe Richtung Ausgang und feiern vor der Kirche die Agape. „Frauen können sich frei entscheiden, ob sie den Gottesdienst drinnen oder draußen feiern wollen. Ich selbst streike für meinen Traum von Kirche, in der es selbstverständlich ist, dass Frauen nicht von Männern angeordnet bekommen, wo sie ihren Dienst zu verrichten haben“, berichtet Gabriele von Karais, Mitglied der katholischen Kirchengemeinde Sankt Familia. Die Schuhe auf dem Tuch sollen symbolisieren, wie viele Frauen der Kirche den Rücken kehren könnten, sollten sich die Machtstrukturen nicht ändern.

Elisabeth Vosse, Leiterin des Caritas Seniorenhauses St. Bonifatius, sagt es ganz deutlich: „Ohne die Frauen hat die Kirche unserer Einschätzung nach keine Zukunft. Daher müssen Frauen mehr gefördert werden. Wir hoffen darauf, das Thema bald mit dem neuen Bischof Dr. Michael Gerber besprechen zu können.“ Auch die Gemeindereferentin von Heilig Geist Vellmar, Sandra Bonekamp, kann nur zustimmen: „Ich nehme wahnsinnig viele ehrenamtliche Frauen wahr, die sich engagieren, den Glauben vermitteln und aufgrund der jetzigen Strukturen an ihre Grenzen geraten.“ Die Aktion findet gemeinsam mit dem Institut der katholischen Theologie der Universität Kassel statt. Prof. Dr. Ilse Müllner, Professorin für das Alte Testament, moderiert die öffentliche Podiumsdiskussion am Mittwoch, 15. Mai.

„Die Skandale der sexualisierten Gewalt in der katholischen Kirche haben eine große Öffentlichkeit bekommen. Was haben Macht, Sexualität und die Kirche miteinander zu tun? Wie weit reichen die Strukturen? Die Rufe nach Veränderung werden lauter, die Forderungen mutiger“, so Müllner. Mit der Aktionswoche und den Tuch-ins soll ein konkretes Bild entstehen, welches den Menschen die Ungerechtigkeit vor Augen führen soll.

 

EXTRA INFO: Programm Maria 2.0

Sonntag, 12. Mai, 10.30 Uhr 

Tuch-in und Agape vor der Kirche Sankt Familia, Kölnische Straße 51

Mittwoch, 15. Mai, 18 Uhr  

Öffentliche Podiumsdiskussion „Kirche, Macht und Sexualität“ in der Uni Kassel, Nora-Platiel-Str. 8

Sonntag, 19. Mai, 16.30 Uhr 

Sternenmarsch vom Hauptbahnhof (Start 1), Autoparkplatz am HoPla (Start 2), vor der Kirche Sankt Bonifatius (Start 3), Unterneustädter Kirchplatz (Start 4) und am Weinberg (Start 5). Ziel ist gegen 17.30 Uhr die Elisabethkirche, Friedrichsplatz 13. Um 18 Uhr findet dort ein Tuch-in und die Agape statt.

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