Kinderkrankenpflegedienst KIMBU will in Kassel Fuß fassen, doch die Krankenkassen zieren sich

Konnte dank der EXTRA TIP-Weihnachtsaktion angeschafft werden: der Wagen von KIMBU Kassel vor den Räumlichkeiten in Kassel in der Spiekershäuser Straße 3, die ebenfalls mit Hilfe der Spenden eingerichtet werden konnten. Barbara Möllmann (li.) und Christin Ronge hoffen, dass sie dort bald nicht nur beraten, sondern richtig helfen dürfen. 
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Konnte dank der EXTRA TIP-Weihnachtsaktion angeschafft werden: der Wagen von KIMBU Kassel vor den Räumlichkeiten in Kassel in der Spiekershäuser Straße 3, die ebenfalls mit Hilfe der Spenden eingerichtet werden konnten. Barbara Möllmann (li.) und Christin Ronge hoffen, dass sie dort bald nicht nur beraten, sondern richtig helfen dürfen. 

„Wir wollen kranken Kindern helfen, doch in Hessen ist das nicht einfach.“ Der EXTRA TIP gab mit seiner Weihnachtsaktion 2020 Starthilfe für die KIMBU-Zweigstelle Kassel. Doch es gibt leider noch viel zu tun, bis Barbara Möllmann und Christin Ronge kranken Kindern in und um Kassel helfen können.

Kassel „In Niedersachsen kennt man uns und unseren häuslichen Krankenpflegedienst für Kinder – und unserer Konzept, nicht nur den Kindern zu helfen, sondern auch die Eltern zu unterstützen und anzuleiten. Hier in Hessen ist es für uns tatsächlich eher schwierig, an die Krankenkassen heranzukommen. Da heißt es leider oft ‚Kennen wir nicht, genehmigen wir nicht‘. Was wirklich schade ist, da wir in den Startlöchern stehen und sehr viele Anfragen aus Kassel und der Region haben“, erzählt Barbara Möllmann von KIMBU (wir berichteten).

Der EXTRA TIP sammelte bereits 2020 über 40.000 Euro an Spenden für den Aufbau einer Kasseler KIMBU-Zweigstelle über die EXTRA TIP Weihnachtsaktion. Davon konnten schon ein Büro in der Spiekershäuser Straße 3 in Kassel-Wolfsanger eingerichtet und ein Auto für KIMBU in Kassel angeschafft werden. Doch in den Räumlichkeiten dürfen bislang bloß Beratungen stattfinden. „Wir sind ein Pflegedienst, spezialisiert auf kranke Kinder, die besondere Betreuung brauchen. Wir helfen beispielsweise Kindern mit Krebs- oder Stoffwechselerkrankungen, mit Epilepsie, nach Frühgeburten oder Kindern, die beatmet werden müssen. Doch uns liegt es auch am Herzen, die Eltern, die nach einem langen Krankenhausaufenthalts des Kindes zuhause oft überfordert sind und sich allein gelassen fühlen, anzusprechen und anzuleiten“, sagt Barbara Möllmann. Doch dies koste nun mal eben Zeit.

„Diese Zeit möchten scheinbar einige Krankenkassen in Hessen nicht bezahlen. Doch was hilft es den Kindern und Eltern, wenn wir kommen und beispielsweise ein Pflaster wechseln, nach fünf Minuten wieder verschwunden sind und dafür sechs Euro von der Krankenkasse abrechnen dürfen? Stattdessen bemühen wir uns, die Angehörigen mit bei den Aufgaben einzubinden, ihnen zu erklären und zu zeigen, worauf sie achten müssen, um dann irgendwann selbstständig ihrem Kind helfen zu können. Das ist doch viel nachhaltiger. Wir sind nicht bloß Dienstleister“, ist Barbara Möllmann enttäuscht.

Sie und Christin Ronge, die über die EXTRA TIP Weihnachtsaktion erfuhr, dass in Kassel eine Zweigstelle aufgebaut werden soll und sich bewarb, sind durch die Verzögerung ausgebremst. Schon seit einiger Zeit hätte man qualifizierte Mitarbeiter suchen, schulen und einstellen können – doch bislang führe man noch immer Gespräche mit Verantwortlichen der Kassen.

„Wir nehmen uns Zeit für die Kinder und Bezugspersonen, denn unsere Arbeit funktioniert am besten auf Vertrauensbasis und mit viel Empathie. Das klappt nicht, wenn eine Pflegekraft täglich unter Zeitdruck zu dem kranken Kind huscht, es versorgt, aber nicht erklärt, wieso das nötig ist und was sie da tut. Es wird angestrebt, jede Familie soweit zu schulen und zu stärken, dass sie langfristig ganz auf die pflegerische Unterstützung verzichten kann. In Niedersachsen arbeiten wir schon jahrelang erfolgreich, sind anerkannt und haben eine gute Zusammenarbeit mit den niedersächsischen Krankenkassen. Dass es hier in Hessen, bloß einen Steinwurf entfernt, so schwierig wird, hätten wir nicht gedacht. Doch wir haben einen langen Atem und hoffen, dass wir bald wirklich helfen können und die Krankenkassen erkennen, dass wir ein erprobtes und unterstützenswertes Pflegekonzept haben.“

Gerade das Netzwerk rund um die Pflege sei in Kassel gut ausgebaut, so dass man schnell Kontakt zu wichtigen Anlaufstellen und anderen Partnern knüpfen konnte. Demnächst kann dann hoffentlich auch mit der wirklichen Arbeit in Kassel begonnen werden: mit der Hilfe und Unterstützung von kranken Kindern und deren Angehörigen.

Weitere Infos gibt es hier

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