Körperverletzung oder normales Foul? Fußballer vor Kasseler Amtsgericht

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Das Kasseler Amtsgericht beschäftigt ein Fall, der in der Kasseler Sportszene für Wirbel sorgte. Ein Fußballspieler steht vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, seinen Gegenspieler vorsätzlich verletzt zu haben.

Kassel. Es war eine Szene, wie man sie wohl fast jedes Wochenende auf Deutschlands Fußballplätzen sieht. Ein Foul im Strafraum, der Schiedsrichter pfeift Elfmeter. Der Spieler beschwert sich, für ihn war es kein Foul. Für den Spieler am Boden war es nicht nur ein Foulspiel, sondern noch mehr, nämlich Körperverletzung. Kurz darauf wird das Spiel abgebrochen. Das sieht man dann – zum Glück – doch nicht jedes Wochenende auf Deutschlands Fußballplätzen.

Diese Szene, die sich am 10. September letzten Jahres um 16.40 Uhr, beim Spiel des SV Nordshausen gegen den TSV Wolfsanger zugetragen hat, beschäftigt jetzt das Amtsgericht in Kassel. Der angeklagte Spieler des SV Nordshausen wird beschuldigt, seinen Gegenspieler vom TSV Wolfsanger in der 83. Minute mit dem Ellenbogen gegen den Hals geschlagen zu haben – mit Absicht, behauptet die Anklage. Zuvor soll der Angeklagte das harte Foul angekündigt haben. Stimmt nicht, sagt dieser. Die Szene im Detail: Im Strafraum des SV Nordshausen, während rund 20 Spieler einen Freistoß erwarteten, soll es dann zu dem Ellenbogenschlag gekommen sein. Der Spieler des TSV liegt am Boden – bewusstlos. Er steht wieder auf, bricht dann aber wieder zusammen, kurz bevor der Krankenwagen eintrifft. „Leg dich wieder hin“, soll sein Vater ihm auf Türkisch zugerufen haben. Sein Vater ist auch Co-Trainer beim TSV Wolfsanger. Der Spieler verbringt die Nacht im Krankenhaus, dort schreibt man ihn für drei Tage krank. Ernsthafte Verletzungen hat er nicht.

Trotz Krankschreibung geht er zur Arbeit. „Weil ich noch in der Probezeit war und Angst um meinen Ausbildungsplatz hatte“, sagt er. Eine Woche später stand er auch für ein paar Minuten wieder für seine Mannschaft auf dem Feld. Mittlerweile hat er den Verein gewechselt. Der Angeklagte hingegen beteuert, es habe sich um einen normalen Zweikampf gehandelt. Der Schiedsrichter habe auf Elfmeter entschieden, weil er seinen Gegenspieler festgehalten habe. Er sei erst kurz vorher eingewechselt worden, um Ruhe ins Spiel zu bringen, gedroht habe er dem 19-jährigen Spieler des TSV Wolfsanger auch nicht. „Wir haben doch 2:0 geführt – und das kurz vor dem Ende. Warum hätte ich das also tun sollen?“ Weder kannten sich die beiden Spieler, noch herrscht zwischen den beiden Vereinen eine besondere Rivalität. Allerdings ist der Schiedsrichter mit dem Spieler des TSV Wolfsanger befreundet. War es nun ein normaler Zweikampf mit einem unglücklichen Ende oder böswillige Absicht, eine Tat, weit abseits der üblichen Regeln des Spiels? Spieler des TSV Wolfsanger wollen klar eine Schlagbewegung erkannt und ein Wortgefecht vor der strittigen Szene beobachtet haben, die Spieler des SV Nordshausen sagen das Gegenteil. Eine Entschuldigung hätte er sich gewünscht, „dann hätte es vielleicht gar nicht so weit kommen müssen“, erklärte das vermeintliche Opfer.

Wer könnte also besser Licht ins Dunkle bringen, als der Schiedsrichter der Partie? Dieser hatte schon vor dem Sportgericht ausgesagt. Bei der Verhandlung ging es darum, ob es gerechtfertigt war, die Partie nach dem Foulspiel abzubrechen. Nein, war es nicht, befand das Gericht und wertete das Spiel mit 3:0 für den SV Nordshausen. Das Verfahren gegen den Angeklagten, der seinen Gegenspieler geschlagen haben soll, wurde wegen fehlenden hinreichenden Tatverdachts eingestellt. Zur Verhandlung im Amtsgericht erschien der Schiedsrichter allerdings nicht – und das unentschuldigt, weshalb ihm ein Ordnungsgeld auferlegt wurde. Die Verhandlung wird kommenden Dienstag, ab 10 Uhr, in Saal D115 fortgesetzt.

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