Kommentar zu Elektroschockern bei Hessens Polizei

Der Innenminister feiert sich für die Entscheidung, die Gewerkschaft der Polzei jubelt und spricht von "flächendeckender Einführung" des sogenannten Distanz-Elektroimpulsgeräts (DEIG). Eine Augenwischerei findet EXTRA TIP-Redaktionsleiter Victor Deutsch

Wir sind elektro-geschockt:Da feiert der Innenminister die Anschaffung einer neuen Waffe für die hessische Polizei – nur wird sie kaum einer je sehen. Weder die Kriminellen auf Hessens Straßen, noch die Polizeibeamten. Denn der Nebensatz einer Pressemitteilung lässt den Jubel-Elefanten auf Mausgröße schrumpfen: „Es wird gewährleistet, dass zukünftig jedem Polizeipräsidium rund um die Uhr ein Distanzelektroimpulsgerät zur Verfügung steht.“ Das Polizeipräsidium Nordhessen mit Sitz in Kassel ist das flächig größte von sieben Flächenpräsidien der hessischen Polizei. Es ist zuständig für die kreisfreie Stadt Kassel, den Landkreis Kassel, den Schwalm-Eder-Kreis, den Kreis Waldeck-Frankenberg, den Werra-Meißner-Kreis sowie im Rahmen von Staatsverträgen im Bundesland Nordrhein-Westfalen auf Abschnitten der Autobahn 44 und im Bundesland Niedersachsen auf Abschnitten der Autobahn 7. 2000 Polizistinnen und Polizisten arbeiten hier. Wir können uns lebhaft vorstellen, was es bedeuten würde, stände ihnen allen nur ein einziges Reizstoff-Sprühgerät zur Verfügung. Wir hören schon die Fragen über die Flure schallen: „Wo ist denn der Taser schon wieder?“ „Wer hat ihn denn zuletzt gehabt?“ – „Und warum sind die Batterien schon wieder leer?“

Dass ausgerechnet die so praxisorientierte Gewerkschaft der Polizei ins gleiche Horn stößt, um den Erfolg der Einführung schnell für sich zu reklamieren, ist bedenklich. Ist ein DEIG (Distanzelektroimpulsgerät) pro Präsidium eine „landesweite Ausrüstung von Hessens Polizei mit Elektroschockern“, wie der stellvertretende GdP-Landesvorsitzende Jens Mohrherr stolz verkündet? Wir glauben nicht. Einfach mal beim Hersteller fragen. Schon bei einem Dutzend Bestellungen gibt’s bestimmt Rabatt.

Rubriklistenbild: © dpa

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