Kommentar von Gabriele Kopp

Gabriele Kopp, 1. Vorsitzende des Landesverbandes der Hessischen Hebammen e.V., äußert sich zum Thema "Gewalt in der Geburtshilfe"

Kassel. Es macht mich betroffen und ich bin sehr traurig, dass wir solche Geburtsberichte zu lesen bekommen. Keine Hebamme und kein Geburtshelfer, die/der ihre/seine Arbeit mit Liebe macht, möchte, dass Frauen so seelisch verletzt aus einer Geburt kommen. Geburten sollen Frauen stark machen, in Würde und guter Begleitung ablaufen. Deshalb fordert der Deutsche Hebammenverband seit Jahren eine 1:1-Betreuung für Frauen unter der Geburt: eine Hebamme pro Frau und nicht, wie mittlerweile üblich, vier, fünf oder gar sechs Gebärende, die eine Hebamme gleichzeitig betreuen soll, da viel zu wenig Kolleginnen im Dienst sind. Seit unsere Krankenhäuser Wirtschaftsunternehmen sind, schwarze Zahlen wichtiger sind als die Geburts- oder Krankenverläufe, Gewinnmaximierung auf Kosten von ausreichendem Personal die Maxime der Entscheidungsträger ist, mehrt sich die Unzufriedenheit mit der Betreuung bei Eltern und Hebammen. Kaum noch Kolleginnen schaffen es, mit einer vollen Stelle im Kreisssaal zu arbeiten. Es bleibt häufig keine Zeit mehr, Frauen, so wie wir es einmal gelernt haben, ausreichend zu betreuen und zu unterstützen, ihren Weg und die Zeit zu finden, die es braucht, ein Kind zu gebären. Wenn über 50 Prozent Kaiserschnitte in manchen Kliniken normal sind (die WHO empfiehlt 15 Prozent!) spricht auch das für sich. Wir brauchen andere Arbeitsbedingungen für Hebammen, damit diese mehr Zeit haben, sich liebevoll, kompetent und ausschließlich um Gebärende zu kümmern. Die nicht Zeit brauchen für Putzarbeiten, Botengänge oder stundenlange Dokumentationen. Und wenn Hebammen (und Ärzte) diese Grundlage haben, wird es mit hektischem Agieren, Alleinlassen der Gebärenden, nicht Anleiten und nicht Beistehen und nicht Unterstützen vorbei sein. Wir Hebammen wollen den schönsten Beruf der Welt gut und gerne ausfüllen!

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