Kommentar zum Katastrophen-Wah/rnsinn 

Eine Warnapp kann ein nützliches Mittel sein, Bürgerinnen und Bürger zu informieren. Dass der Kreis der Anbieter groß ist, kann niemand verhindern. Aber bei ihren Empfehlungen sollten Bund, Land und Kommunen doch eine Sprache sprechen, meint Redaktionsleiter Victor Deutsch in seinem Kommentar.

Wir reden hier nicht übers Wetter. Und auch nicht über die entsprechenden Apps fürs Mobiltelefon, deren Vorhersage verhindern soll, dass man die Grillparty im strömenden Regen feiert oder den Museumsbesuch ausgerechnet auf den sonnigsten Tag der Woche legt. Wir reden hier über Brände, Unwetter, Katastrophen – und Terror. Lagen, die Leben gefährden und große Angst verursachen. Für die Sicherheit der Bürger bei unerwarteten Gefahrensituationen kann eine App auf dem Handy sicher gute Dienste leisten. Dass sich auf diesem Feld einige Anbieter tummeln, ist ja normal. Dass aber Städte, Behörden und Institutionen so unterschiedliche Favoriten benennen und vollmundig empfehlen, bringt vor allem eins: Unsicherheit. Das „Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe“ (!) setzt auf die Warn-App „Nina“, die hessische Polizei auf „Katwarn“. Und das Land Hessen erklärt zur Prüfung durch den Krisenstab der Hessischen Landesregierung dazu: „Vor dem Hintergrund der weiten Verbreitung von „Katwarn” ist aus fachlicher Sicht die Nutzung eines einheitlichen online basierten Warnsystems in Hessen zielführend.“ Blöd nur, dass das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS), mit dem alle zentralen Leistellen vom Land Hessen ausgestattet werden, leider keine Schnittstelle mit dem favorisierten „Katwarn“-System haben. Solange alle Apps zum gleichen Zeitpunkt die identischen Meldungen empfangen, ist der Anbieter-Wirrwarr den Bund, Länder, Kommunen und Institutionen erzeugt haben, nur peinlich aber nicht weiter schlimm. Richtig gefährlich wirds dann, wenn Meldungen zeitverzögert die Nutzer erreichen – und sich im schlechtesten Fall widersprechen. Wenn „Katwarn“ zur Flucht aufruft und „Nina“ eine geklärte Gefahr meldet, dann steht am Ende nämlich eins: Chaos. Und das können Bürger, Retter und Helfer in solchen Situationen am wenigsten gebrauchen.

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