Die Krähen töten meine Lämmer

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Konnte das Lämmchen in letzter Sekunde vor den Raben retten: Schafzüchter Hubert Dissen.

Die Tränen standen Hubert Dissen in den Augen. Als der erfahrene Schafzüchter morgens in die offene Scheune kam, hatten Krähen mal wieder ein Lämmchen tot gehackt.

Kassel. Dass neugeborene Lämmer zerhackt und zerrissen morgens auf der Wiese liegen, hat Schafzüchter Dissen schon oft genug erlebt. Doch was er jetzt morgens auf seinem Hof sehen mussten, hat auch ihn schockiert: „Da saß eine Krähe auf einem neugeborenen Lämmchen und hat es tot gehackt.“

450 Lämmer kommen jedes Jahr in seiner Herde auf die Welt. Viele von ihnen sterben aber ganz schnell: „Letzte Woche habe ich gleich drei tot auf der Wiese gefunden. Teilweise schon ganz zerhackt. Da waren gleich mehrere Krähen am Werk.“

Noch schlimmer erging es einem Kollegen des Schafzüchters. Der kam dazu, als ein Schaf sich in einen Busch zurück gezogen hatte, um das Lamm auf die Welt zu bringen. Umsonst. Die Krähen hatten es gesehen und begannen während der Geburt, das Lämmchen kaputt zu hacken.

Keine einfache Zeit für Schafzüchter, die damit fertig werden müssen, dass Rabenvögel immer längere Schonzeiten genießen. In Kassel sehen sie zum Teil Riesenschwärme. Im Bereich Müllverbrennung und Recyclinghof sitzen sie. „Und unsere Schafe sind für sie McDonalds“, stöhnt Dissen.

Nachdem die Krähen gleich mehrere Lämmchen auf seinem Hof getötet hatten, erhielt er die Sondergenehmigung, einen der Vögel zu „entnehmen“. Das sei ganz wichtig, so Dissen: „Wenn eine Krähe erfolgreich ein Lämmchen getötet hat, wenn sie das kann, muss man sie entnehmen, bevor sie das den anderen auch noch beibringt. Dann hat man vielleicht mal monatelang Ruhe. Macht man das nicht, kann man ein Desaster erleben.“ Aber Dissen denkt nicht nur an seine Lämmer. „Marder, Füchse, Waschbären, Elstern, Krähen und Raben werden immer länger nicht bejagt.

Das hilflose Kleinwild wie Hasen oder Singvögel hat darunter zu leiden. Da werden in ganzen Regionen die Nester geplündert und die Jungvögel getötet. Das gilt auch für die Hasen. Der Nachwuchs liegt relativ ungeschützt in einer flachen Mulde. Die werden schnell Opfer einer Krähe. Es gibt nicht mehr viele, die die erste Zeit lebend überstehen.“

Noch schlimmer sei es unten an der Weser. In Veckerhagen treiben Kolkraben ihr Unwesen. „Die sind so geschützt, gegen die kann man die Herde gar nicht mehr schützen“, weiß Dissen. „Bei uns in Kassel treten sie aber nur sehr selten auf.“

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