Kriegsflüchtling bietet orientalische Küche vom Feinsten in Kasseler Imbiss

Mazen Nouruldeen bereitet herrlich duftenden Falalfel mit knackigem Salat in Teigfladen zu. Seine orientalischen Köstlichkeiten sind sowohl für den schnellen Verzehr als auch für die gemmütliche Familienrunde am heimischen Esstisch geeignet.
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Mazen Nouruldeen bereitet herrlich duftenden Falalfel mit knackigem Salat in Teigfladen zu. Seine orientalischen Köstlichkeiten sind sowohl für den schnellen Verzehr als auch für die gemmütliche Familienrunde am heimischen Esstisch geeignet.
In der Mitte ein freundliches Lächeln, flankiert von süßem Gebäck: So werden die Kunden am Imbiss „Al Wali“ in der Leipziger Straße empfangen.
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In der Mitte ein freundliches Lächeln, flankiert von süßem Gebäck: So werden die Kunden am Imbiss „Al Wali“ in der Leipziger Straße empfangen.
Den rot getünchten Bau an der Leipziger Straße kennt wohl jeder – Tausende fahren jeden Tag vorbei.
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Den rot getünchten Bau an der Leipziger Straße kennt wohl jeder – Tausende fahren jeden Tag vorbei.
Den rot getünchten Bau an der Leipziger Straße kennt wohl jeder – Tausende fahren jeden Tag vorbei.
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Den rot getünchten Bau an der Leipziger Straße kennt wohl jeder – Tausende fahren jeden Tag vorbei.

„Kochen ist keine Arbeit für mich. Es ist mein Hobby, meine Liebe“, sagt Mazen Nouraldin mit breitem Lächeln.

Kassel. Seine Frau Salama Aldarwesh weiß davon ein Lied zu singen: Seit der Eröffnung im November 2019 ist der Syrer jeden Tag in den rot-getünchten Backsteinbau an der Leipziger Straße, gegenüber von Zulassungsstelle und ehemaligen Hallenbad Ost, gefahren. „Selbst an den wenigen Tagen, die wir geschlossen hatten. Dann hat er eben geputzt oder etwas vorbereitet.“ Schon damals in seinem eigenen, 200-Plätze-Restaurant in Adleb sei ihr Mann fleißig gewesen – jetzt legt er im kleinen Imbiss noch eine Schippe drauf. „Wir möchten etwas zurückgeben und nicht nur von Unterstützung anderer leben. Und Vorbild für unsere vier Kinder sein“, begründet Mazen Nouruldeen den Einsatz.

Große Koch-Kunst im roten Backstein-Imbiss

Und der zahlt sich aus: Der Imbiss „Al Wali“ hat sich zum Geheimtipp der orientalischen Küche gemausert. Immer Freitags locken gegrillte Doraden die Feinschmecker. „Manche fragen dann nach dem besonderen Gewürz, dass die Fisch so schmackhaft macht“, lacht Mazen Nouruldeen. Denn: „Es gibt keins. Ich salze sie nur. Das Geheimnis ist die Frische. Dann schmeckt Fisch so“. Zwar gibt es auch den Imbissklassiker Hamburger bei ihm. Doch viele Gäste seien probierfreudig, wählen den „Chefteller“ als kulinarische Rundreise durch die orientalische Küche. Und so ersetzte in manchem Haushalt Schawarma, Hummus, Falafel und Co sogar traditionelle Gans, Kochwürstchen oder Raclette als Festtags-Essen. Und auch für Nachtisch ist gesorgt: Süßes Gebäck mit frischen Pistazien, natürlich selbst gemacht und nicht so zuckrig, wie man es bisher kannte. Das freut den leidenschaftlichen Koch, der Wert auf beste Qualität seiner Zutaten legt – und am liebsten alles selber macht.

„Für Hummus und für Falafel benötigt man verschiedene Sorten Kichererbsen – sonst schmeckt es nicht“, weist er auf die Feinheiten der Küche hin. Allein sechs Rezepturen für die knusprigen veganen Bällchen kennt er, gut 300 Rezepte schlummern in seinem Kopf. Auf der Karte findet man „nur“ 68. „Wir müssen ihn manchmal bremsen“, schmunzelt Wolfgang Ehle. Er steht der syrischen Familie helfend zur Seite, nachdem er sie als Schüler in einem Flüchtlings-Projekt, kennenlernte. Der ehemalige Werbe-Profi Ehle wurde im Ruhestand ehrenamtlich zum Lehrer, „und jetzt zum Gastronomie-Berater“, wie er scherzt. Er lobt die Unterstützung der Kasseler Ämter, die die Geschäftsöffnung im November 2019 möglich machten.

Während Mazen Nouruldeen mit dem Imbiss durchstartete, steht Salama Aldarvesh nun kurz vor dem Hauptschulabschluss, dem sich eine Ausbildung zur Fachpflegerin anschließen wird. 2014 war Mazen Nouruldeen aus Syrien geflüchtet, 2015 kam die Familie nach Kassel. „Die Stadt ist unser zweites Zuhause geworden“, sagt Mazen Nouraldin. Heimweh gibt es manchmal, auch die Verwandten nicht sehen zu können sei schlimm. „Aber hier ist unsere Zukunft“, sagt Salama Aldawesh. Drei Jahre gilt ihre vorläufige Aufenthaltsgenehmigung jeweils. Und die beiden tun alles dafür, dass sie irgendwann für immer ist. Vielleicht erfüllt sich dann auch der große Traum des eigenen Restaurants.

Obwohl sich Besucher der documenta fifteen im Sommer 2022 mit den angepeilten Standorten im Kasseler Osten sicherlich über dieses kulinarische Highlight im roten Backstein-Imbiss freuen würden.

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