Kultbau für den Karlsplatz

Kommt ein Monsterbau in Kassels Innenstadt? Eine Initiative will das verhindern.

Sehr geehrter Stadtbaurat Christof Nolda,

in Kassel wird heftig über den Standort des documenta-Institut diskutiert. Am Karlsplatz hat sich eine Bürgerinitiative gebildet, die vehement gegen die Planung kämpft, den Platz mit einem großen Baukörper zuzubauen. Es sei ja kaum noch möglich, dann das Gebäude zu umfahren. Außerdem weisen die Gegner gern darauf hin, dass Sie, Herr Nolda, in aller Offenheit darauf hingewiesen haben, dass das aktuelle Documentaarchiv weniger Besucher in die Innenstadt zieht wie ein Handy-Shop in der Königsstrasse.

Schauen wir also mal genau hin, was auf dem Karlsplatz aktuell Sache ist. Eine Zahl sollten wir dabei nicht aus dem Auge verlieren. Eigentlich ist der Karlsplatz nämlich seit dem Bau der Tiefgarage kein Parkplatz mehr. Damals hat die Stadt einen Vertrag mit der Tiefgaragen GmbH unterschrieben, in dem steht, dass alle oberirdischen Parkplätze geschlossen werden müssen. Da das am Karlsplatz nicht passiert ist, müssen hier jährlich 200.000 Euro Entschädigung gezahlt werden. Und das seit dem Bau der Tiefgarage.

 Da muss man sich wirklich damit beschäftigen wie man aus dieser Situation heraus kommt. Es scheint klar zu sein, dass dieser Platz auf Dauer kein Parkplatz sein kann. Aber kann es Sinn machen, hier einen dreistöckigen Block aufzubauen, um den man mit Mühe und Not herumfahren kann? Hinter dem die Geschäfte verdunkelt ersticken? Mit Sicherheit nicht.

 Was also kann die Alternative sein? Bebaut wird der Platz wohl auf alle Fälle. Schließlich kann es nicht sein, dass bis in alle Ewigkeit jährlich 200.000 Euro Strafe gezahlt werden müssen. Wäre ein Geschäftshaus eine Alternative? Mit Sicherheit nicht, denn dann hätte die Stadt nur noch begrenzt Einfluss auf die Gestaltung.

 Es könnte also wirklich auf das documenta-Institut hinauslaufen. Doch wie heißt es so schön? Der Teufel steckt immer im Detail. Es darf auf gar keinen Fall sein, dass hier ein gesichtsloser Klotz entsteht. Was hat mir mal ein alter Stararchitekt gesagt? „Die jungen Kollegen können nur noch Schuhkartons - senkrecht oder waagerecht.“

So etwas hat auf diesem innerstädtischen Filetstück nichts zu suchen. Hier muss ein architektonisches Prachtstück her. Das Archiv gehört in Keller. Dann braucht man auch oben weniger Fläche. Man kann einen transparenten Bau erstellen, der eher ein Kunstwerk ist. Die Architekten sind gefragt.

 Mit kreativen Grüßen

 Rainer Hahne

 Chefredakteur

P.s. Sollte die eigene Phantassie nicht reichen, rate ich zu einer Fahrt nach Hannover. Dort steht das International Neuroscience Institute (Ini) - in Kopfform! Hammer!!!!

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