Kunden aller Gesellschaftsschichten: Bei klammer Kasse geht’s ins Kasseler Pfandleihhaus

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Wie in einer Bank: Aus Sicherheitsgründen trennt eine Panzerglasscheibe den Kunden- und Pandleiherraum. Foto: Schaumlöffel

Dabei sind die Nöte der Kunden im Zentral-Pfandleihhaus in der Rudolf-Schwander-Straße ebenfalls sehr unterschiedlich.

Kassel. Das schnelle Geld lockt die Kunden! Hinter verstärktem Glas bis zur Decke hoch – ähnlich wie in einer Bank – nehmen Sabine Hirschmann und ihre Mitarbeiter Schmuck entgegen, die dem Besitzer aus der finanziellen Not helfen soll. So unterschiedlich wie die Kreditsummen (die in bar über den Ladentisch geschoben werden) sind auch die angebotenen Wertsachen – und die Kunden.

Dabei sind die Nöte der Kunden im Zentral-Pfandleihhaus in der Rudolf-Schwander-Straße ebenfalls sehr unterschiedlich. „Die einen versetzen ihren Schmuck, um für ihren Lebensunterhalt sorgen zu können. Andere wiederum beleihen ihn, um sich einen Urlaub finanzieren zu können und es schätzen, in einem Pfandleihhaus Kredit zu bekommen, ohne dabei gläsern zu sein, wie bei einer Bank“, sagt Hirschmann, die seit fast 20 Jahren in der Branche tätig ist. Im Jahr 2011 machte sich die gelernte Bankkauffrau mit dem zweitältesten Gewerbe der Welt selbstständig und ist auf Schmuck und Gold spezialisiert.

„Ich habe gelernt, dass man sich nur auf Dinge spezialisieren sollte, die man kennt.“ Allerdings macht sie bei Technikgeräten wie Handys und Laptops eine Ausnahme. „Die können bei mir auch beliehen werden.“ Beleihen heißt in dem Fall: Die Gegenstände werden bewertet und die Kunden bekommen dafür eine Summe als Kredit angeboten. Bejahen sie das Pfandleihangebot, bekommen sie das Geld und einen Pfandschein. In einer vertraglich geregelten Frist können sie ihre Waren wieder auslösen (Darlehenssumme plus Zinsen und Gebühr für Versicherung und Verwahrung). Andernfalls kommt es zur öffentlichen Versteigerung, „aus der die Kunden den Mehrerlös ausgezahlt bekommen“, sagt Sabine Hirschmann.

Die Hemmschwelle beim Gang ins Leihhaus sei gesunken: „Das ist heute für viele ein normales Geschäft. Der Personalausweis genügt dabei, eine weitere Prüfung der Kreditwürdigkeit ist nicht nötig. Allerdings frage ich auch mal nach, wenn mir etwas nicht geheuer vorkommt. Wenn ein 18-Jähriger mit einem teuren Ring kommt und er mir nicht plausibl erklären kann, wo er den Ring her hat, würde ich das Geschäft ablehnen. Ebenso sei es bei Kunden, die von weit her kommen: „Wenn jemand aus Berlin nach Kassel kommt, ist es doch schon komisch, dass er seinen Schmuck hier versetzen will, oder?“ Man müsse natürlich vor Betrügern auf der Hut sein. Aktuelle Entwicklungen und Maschen darüber gibt es vom Zentralverband des Deutschen Pfandkreditgewerbes, in dem auch Hirschmann Mitglied ist.

Weitere Infos zum Pfandleihhaus gibt es hier

Berufsalltag: Pfandleiher ist Wunscherfüller, Hassfigur und Psychologe

Der Beruf von Sabine Hirschmann hat viel mit Gefühlen zu tun. Und wenn die ins Spiel kommen, dann gibt es oft keine Grenzen mehr. Vom Wutausbruch über Tränenflut bis hin zu Fußtritten gegen das Mobiliar habe ich schon alles erlebt“, berichtet die Pfandleihhaus-Eigentümerin. Aber gerade das mache den Beruf auch wiederum reizvoll. Man wisse nie, was als nächstes kommt. „Wenn ein Kunde sein Gebiss auf den Tresen legt oder seine Schuhe beleihen möchte und das Verständnis dafür zu fehlen scheint, warum man manche Dinge nicht beleihen kann, erfordert das neben Durchsetzungs- auch Einfühlungsvermögen.“Aufräumen möchte Hirschmann mit dem Vorurteil, dass Pfandleiher Abzocker seien. „Bei uns geht es zu, wie in anderen Dienstleistungsunternehmen. Wir unterliegen strengen staatlichen Auflagen und werden überwacht.“ Verschwiegenheit sei dagegen Ehrensache und eine wichtige Voraussetzung.Zu ihren Kunden zählen Leute aus allen Gesellschaftsschichten: Da ist von der jungen Mutter, die ihre Kette zwecks eines Geburtstagsgeschenks für ihren Sohn beleiht, Angehörige von Adelshäusern, die kurzfristig ein Darlehen als Überbrückung bis zum nächsten Gehalt benötigen, bis hin zum Muskelpaket, der seine Breitlinguhr für einen Urlaub mit seiner neuen Errungenschaft versetzt. „Letzterer holte die Uhr nach ein paar Monaten wieder ab, berichtete auch, dass der Urlaub toll war, es aber für eine längere Beziehung mit der Dame nicht gereicht habe“, sagt Hirschmann. Erklären müsse natürlich keiner, wofür er/sie das Geld benötige. 

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