Kunden müssen höhere Wassergebühren in Kassel und Vellmar schlucken

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Über 20 Jahre konnten Kassel und Vellmar ihre Wassergebühren trotz erheblich steigender Kosten stabil halten. Dennoch verlangen die stetig wachsenden Anforderungen an die Infrastruktur, die Gewinnung, Aufbereitung, den Transport, die Bereitstellung von Trinkwasser und Beseitigung von Abwasser ein Umdenken. Auch der vergangene Sommer hat gezeigt, dass zukünftig immer größere Herausforderungen auf Kassels Ver- und Entsorger zukommen, um den Bewohnern zu jeder Zeit unbegrenzten Zugang zu frischem, sauberen Trinkwasser zu gewährleisten.

Neue Quellen müssen erschlossen, Leitungen instand gehalten und das Abwasser noch intensiver geklärt werden: Die erwarteten Mehrkosten werden sich auf die Gebühren in Kassel und Vellmar auswirken – pro Kopf wird die Ver- und Entsorgung mit dem lebenswichtigen Gut Wasser im Monat etwa drei Euro teurer. Das neue Gebührenmodell soll aber gerechter sein.

Kassel/Vellmar.  Das saubere Wasser aus der Leitung: Für jeden in unseren Breiten so selbstverständlich wie das tägliche Zähneputzen. Genauso verhält es sich mit geregelter Abwasser-Wirtschaft. Jetzt reagieren die Städte Kassel und Vellmar nach über 20 Jahren stabiler Gebühren auf die gestiegenen Kosten für Infrastruktur, Gewinnung und Aufbereitung von Trinkwasser und Beseitigung von Abwasser.

 „Als Faustformel kann man sagen: Es wird pro Kopf und Monat etwa drei Euro teurer“, fasst Dr. Michael Maxelon, Vorstandsvorsitzender der Städtischen Werke, die Gebührenerhöhung ab Januar 2019 (Abwasser) und Januar 2020 (Trinkwasser) zusammen. Etwa sieben Millionen Euro im Trink- und 4,5 Millionen Euro im  Abwasserbereich soll das neue Gebührenmodell mehr als heute pro Jahr in die Kassen spülen.

 „Es geht uns nicht darum, mit Wasser Geld zu verdienen“, sagt Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle. Und Manfred Ludewig, Bürgermeister der an die Wasserver- und Entsorgung angeschlossenen Stadt Vellmar, ergänzt: „Wenn ich mir vor Augen führe, was wir vor 20 Jahren für ein Brötchen bezahlt haben und es mit heute vergleiche, ist es nur nachvollziehbar, dass wir mit unserem wichtigsten Gut, unserem Wasser, verantwortungsvoll und behutsam umgehen sollten.“

Die Einwohner von Kassel und Vellmar (circa 225.000 Menschen) werden künftig ihre Rechnungen nach einem neuen Gebührenmodell bekommen. Anders als bislang (reiner Verbrauch) gründet sich das neue Modell auf den Anschluss (Zähler), die Bereitstellung sowie dem tatsächlichen Verbrauch. Bei letzterem wurde die Gebühr um 15 Cent auf 1,85 Euro pro Kubikmeter gesenkt; mit Zählen- und Bereitstellungsgebühr erhöhen sich die monatlichen Kosten für die beispielhafte, vierköpfige Familie im Einfamilienhaus (Jahresverbrauch von 160 Kubikmetern) um 6,10 Euro pro Monat. Ein Ein-Personen-Haushalt im Mehrfamilienhaus zahlt pro Monat knapp fünf Euro mehr.

Wasser zu sparen, da waren sich die Vertreter von Stadt Kassel, Städtischen Werken und Kasselwasser bei der Vorstellung des Gebührenmodells einig, würde keinen großen finanziellen Vorteil bringen – wohl aber weitere Mehrkosten für die Stadt verursachen. „Schon heute müssen die Leitungen regelmäßig gespült werden, weil immer weniger Wasser durchläuft“, erklärt OB Christian Geselle. Es gelte die Formel: Je weniger Verbrauch, desto teurer wird das Wasser.

Neben der Instandhaltung der Leitungen – in Kassel kostet das etwa 15 Mio. Euro für 800 Kilometer Kanalnetz – sei die Sicherstellung der Wasserversorgung von Kassel und Vellmar eine Herausforderung. Zuletzt habe man eine neue Quelle in Nieste erschlossen und 4,2 Millionen investiert. Die Kosten drücken die Städte auch im Abwasserbereich: So sehe eine neue EU-Richtlinie längst vor, dass das Abwasser in Kassel mit einer vierten Reinigungsstufe geklärt werde. „Dabei sollen Bestandteile wie Mikroplastik, aber auch Medikamenten-Rückstände oder multiresistente Keime herausgefiltert werden“, erklärt OB Geselle. Ende 2021 werde die 15-Millionen-Euro-Anlage dann ans Netz gehen, so die Prognose.

Das neue Gebührenmodell

Das Trinkwassergebührenmodell besteht aus drei Komponenten: Der Mengengebühr (1,85 Euro pro Kubikmeter), der Zählergebühr, die sich nach der Querschnittsgröße des Hausanschlusses richtet sowie der Bereitstellungsgebühr. Für die meisten Haushalte in Kassel und Vellmar beträgt die Zählergebühr 25 bzw. 28,33 Euro pro Jahr. Die Bereitstellungsgebühr liegt je nach Zahl der Wohneinheiten in einem Haus zwischen 54,51 und 90,51 Euro pro Wohneinheit. Dabei zählt das Gerechtigkeitsprinzip: je mehr Wohneinheiten einen Hausanschluss nutzen, desto geringer die Bereitstellungsgebühr.Im Abwasserbereich werden die Gebühren ab Januar 2019 um 43 Cent auf 2,86 Euro pro Kubikmeter angepasst. Einhergehend gibt es dann neben den Einteilungen Regenwasser und Abwasser auch den Bereich Drainage-Entwässerung. Eine vierköpfige Familie mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 160 Kubikmetern zahlt dann 5,73 Euro mehr pro Monat als bisher. Für einen Ein-Personen-Haushalt liegen die monatlichen Mehrkosten bei 1,43 Euro. Die genannten Gebühren sind Nettobeiträge! Während beim Trinkwasser Umsatzsteuer von sieben Prozent erhoben wird, sind die Abwasser-Gebühren steuerbefreit.

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