Kunst-Zoff wegen Russen-Bildern

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Kassel. Protest-Kunst wird nicht großformatig in Kassel ausgestellt. "EIn Skandal", findet der Kasseler Künstler, der die Werke holte.

Kassel. Verhindert die Stadt Kassel Kritik an Russlands Präsident Wladimir Putin? Oder achtet sie schlichtweg genau darauf, welche Künstler in Kassel ausstellen dürfen? Diese Frage verärgert  den Kasseler Künstler und Autor Artur Klose ("Bobby und Molly"). Er hat Werke des Kreml-Kritikers Wassilij Slonow aus Russland nach Kassel gebracht, will diese hier öffentlichkeitswirksam ausstellen. Die Bilder zeigen eine fiktive Werbekampagne für die Olympischen Winterspiele in Sotschi. Eine in der russischen Kunstmetropole Perm gezeigte Schau der Werke wurde verboten, der Direktor der dortigen Kunsthalle nach der Eröffnung gefeuert. Slonow selbst sagte über die Schau in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel": "Es geht mir nicht um Politik oder um Kritik an den Winterspielen, sondern um eine elegante Provokation." Seine Schau, so sagte er dem "Spiegel",  sei vor allem "für ein ausländisches Publikum gedacht".

Klose, der besonders im Osten Europas Erfolge mit seinen Comic-Figuren "Bobby und Molly", sowie weiteren Werken und Kunst-Seminaren feierte, bekam die Werke von Slonow, um in Kassel eine Ausstellung in die Wege zu leiten. "Die documenta-Stadt ist doch der richtige Ort", meint Klose. Die Stadt jedoch war von seiner Idee nicht überzeugt: Großformatige Plakate der Kunst auf dem Friedrichsplatz zu zeigen wurde abgelehnt, Klose fühlt sich und seine Interessen herabgewürdigt. "Slonow ist schockiert, dass sich die Stadt dagegen entschieden hat, die Werke zu zeigen", empört sich Klose.

Mittlerweile hat er einen Ausweichort gefunden. Zufrieden ist er damit jedoch nicht. "Erst im vergangenen Jahr wurde chinesische Kunst gezeigt. Dass diese kritische Schau jetzt hier verboten wurde, finde ich einen Skandal."

Einen Skandal sieht die Stadt Kassel nicht: "Das Kulturamt unterstützt ausschließlich heimische Künstlerinnen und Künstler", erklärt Petra Bohnenkamp auf Nachfrage. "Einen politischen Hintergrund für unsere Entscheidung gibt es nicht."

Slonow und Klose haben unterdessen eine Protest-Homepage angelegt, auf der scharfe Kritik am Vorgehen der Stadt geäußert wird. Mehr unter www.rebellious-art.com.

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