Marode Uni: Kunsthochschule Kassel ist in schlechtem Zustand

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Verbrettert: Loch in die Wand geschlagen und einfach zugenagelt.
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Schadstoffe in der Dämmung: Abgerissen und so bleibt es.
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Die Gebäude der Kunsthochschule Kassel in der Menzelstraße sind in einem erbärmlichen baulichen Zustand. Hier müssten 40 Millionen Euro investiert werden.

Kassel. Eigentlich müsste die Kunsthochschule Kassel der ganze Stolz von Stadt und Land sein. Schließlich ist sie die Keimzelle der documenta. Gründungspräsident Arnold Bode ist immerhin der „Vater der documenta“. Doch stattdessen ist das in die Jahre gekommene Gebäude in einem erbärmlichen baulichen Zustand.

Rundgang durch die Kunsthochschule. Eine alte Dame quält sich mit ihrem Rollator die Treppe hoch. Der Lift steht. „Den schaltet die Uni am Wochenende ab“, erklärt ein Student den ungläubigen Besuchern. Überhaupt müsse man sich mit allen Problemen an die Uni wenden, sie auf ein Band sprechen. Doch dann passiere meist nichts. Die Folgen sich überall sichtbar. Dilettantisch eingebaute Dachfenster, aus Steckdosen hängen die Kabel, von den Decken der Gänge wurde der Schallschutz gerissen, Lamellen hängen runter, ein großes Loch in der Wand wurde vor zwei Jahren mit einem Brett vernagelt. Neue Türelemente, die überhaupt nicht zum Baustil passen wurden eingesetzt.

Im Bereich Holzverabeitung stehen die Studenten an Maschinen, die doppelt bis dreimal so alt sind wie sie. Wenn sie denn benutzt werden dürfen.... Zwei Jahre lang wurde der Maschinenraum komplett gesperrt. Grund: Die Absauganlage war defekt. Ohne Absauger zu arbeiten, ist gesundheitsschädlich. „In Weimar ist alles im Vergleich zu uns brandneu, selbst in Offenbach ist alles technisch in Ordnung, werden die Lehrenden besser bezahlt als in Kassel“, kann der zuständige Professor Jakob Gebert nur noch mit dem Kopf schütteln.

Und die Studenten? Die nehmen es mit Galgenhumor. „Die Absauganlage der Werkstatt ist seit über einem Jahrzehnt überholungsbedürftig. 2017 musste sie stillgelegt werden, weil sie nicht mehr der Staubverordnung entsprach. Ein Großgeräteantrag läuft seit vier Jahren und wird immer noch an der Uni blockiert.“ So quälen sie sich mit Maschinen rum, die noch aus dem Erstbestand der Hochschule aus den 60er Jahren stammen.

Überall in den Gängen sieht man, dass die Studenten versuchen, die schlimmsten Reparatursünden zu übermalen. Viel sieht man in den oft düsteren Gängen erst gar nicht. „Der Investitionsstau ist riesig“, sagt auch Hochschul-Chef Professor Joel Baumann. „Hier müssten 40 Millionen Euro investiert werden. Aber an der Kasseler Uni zählen andere Fachrichtungen wie Maschinenbau. Dort wird das Geld ausgegeben."

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