Kurz vorm Abschied: Oberbürgermeister Bertram Hilgen schaut zurück 

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Bertram Hilgen beim Besuch der documenta – seiner letzten als Oberbürgermeister der Stadt Kassel – in Athen im Frühjahr.

Kassel. Zwölf lange Jahre war Bertram Hilgen Oberbürgermeister von Kassel. Bei der letzten Wahl trat er nicht mehr an. Am Montag wird er im Rathaus verabschiedet. Im EXTRA TIP zieht er eine gefühlvolle Bilanz.

ET:  Herr Hilgen, warum sind Sie zur letzten Wahl nicht mehr angetreten?

Hilgen: Die Entscheidung ist im Himalaya gefallen. Ich war wochenlang mit meiner Frau und meinem Sohn dort unterwegs und hatte viel Zeit, über die Zukunft nachzudenken. In vielen Gesprächen ist mir klar geworden – ich will nicht bis zum 70. Lebensjahr Oberbürgermeister sein. Jetzt will ich das nur noch ordentlich zuende bringen. Dann soll der Grad der Fremdbestimmtheit deutlich geringer werden.

ET:  War es so schlimm?

Hilgen: Das mit Sicherheit nicht. Aber es ist auch kein Zuckerschlecken. Ich schaue gerne auf diese zwölf Jahre zurück. Es war alles in allem eine tolle Zeit. Und gerade der Abschluss mit diesem documenta-Start in Athen und Kassel ist natürlich ein absoluter Höhepunkt.

ET: Woran denken Sie denn nicht so gern zurück?

Hilgen: An eine Bürgerversammlung zum Thema Fulda-uferweg. Mit Norbert Witte stand ich allein da gegen alle. Zuhause habe ich erst einmal eine Flasche Wein aufgemacht und mich gefragt: Warum machst Du das eigentlich alles?

ET: Langweilt man sich eigentlich auch mal als Oberbürgermeister?

Hilgen: Garantiert nicht. Als Oberbürgermeister sitze ich zusätzlich noch in acht Aufsichtsräten. Und da bereite ich jede Sitzung akribisch vor. Ich war Präsident des Hessischen Städtetages und im Vorstand des Deutschen Städtetages. Da ist das Privatleben mehr als überschaubar. Umso schöner ist es für mich, dass mein Sohn rechtzeitig zu meiner Verabschiedung aus China kommt.

ET: Wenn man so einen randvollen Terminkalender gewöhnt ist – wie geht man dann mit dem Ruhestand um?

Hilgen: Bis Mitte August werde ich mit meiner Frau vom Großglockner nach Triest wandern. Das wird eine herrliche Tour. Anschließend geht es jeden Tag auf die documenta.

ET: Und dann?

Hilgen: Ich werde garantiert nicht mehr in die Politik gehen. Mein Nachfolger muss sich keine Sorgen machen, dass ich ihn mit ungebetenen Ratschlägen belästige. Das Kapitel ist dann abgeschlossen. Ich will nur noch Menschen helfen, denen es wirklich schlecht geht. In irgend einer Organisation mitarbeiten. Terre des Hommes zum Beispiel. Und natürlich ehrenamtlich. Alles in allem ist Dr. Barthel da mein Vorbild. Unglaublich, wie tiefenentspannt er ist. Die Politik fehlt ihm sichtlich nicht.

Zur Person: Erst RP, dann Oberbürgermeister

Bertram Hilgen wurde 1954 (in Tann, Landkreis Fulda) geboren. Der studierte Jurist hat einen Sohn und ist verheiratet mit Margit Berghof. Als Referent des damaligen Oberbürgermeisters Hans Eichel gewann er schnell dessen Vertrauen und übernahm 1986 die Leitung des Rechtsamtes der Stadt Kassel. 1991 folgte Hilgen dem damals frischgewählten Ministerpräsidenten Hans Eichel nach Wiesbaden. Am 1. Juli 1996 folgte die Rückkehr nach Kassel als Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel. Von 1999 bis 2005 leitete Bertram Hilgen das Kommunale Gebietsrechenzentrum (KGRZ) in Kassel. Am 27. Februar 2005 konnte sich Hilgen in der Stichwahl bei den Oberbürgermeisterwahlen in Kassel mit 53,38 Prozent gegen Amtsinhaber Georg Lewandowski (CDU) durchsetzen. Am 27. März 2011 wurde er in Direktwahl mit 51,32 Prozent für eine weitere Amtszeit von sechs Jahren im Amt bestätigt.

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