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Längster Streik der Bahngeschichte?

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Von: Rainer Hahne

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Chefredakteur Rainer Hahne richtet seinen Brief an die Lokführer. Ihre Gewerkschaft hat erneute Streiks angekündigt... bis zu vier Tage lang.

Sehr geehrte Lokomotivführer,

was waren das für Zeiten in denen Kinder gern Lokomotivführer werden wollten, Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer, Helden waren.Das ist lange vorbei. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen Fahrgäste während Eurer (gefühlt ständigen) Streiks frierend und genervt auf den Bahnsteigen standen und in hingehaltene Mikrofone  Verständnis für  Kampfmaßnahmen der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) sprachen.Aus und vorbei. Bei facebook und Co. klingt das jetzt so:"Es wird Zeit für einen weitgehend automatisierten Bahnverkehr.”"Ich stehe im Stau – noch vor dem GDL-Streik.”"Wer glaubt, dass andere auf ihn angewiesen sind, wird auf Dauer unerträglich.”"Das L bei GDL steht jetzt wohl auch noch für Laffner, Lugbegleiter, Lervicemitarbeiter, Lordgastronomen?”"Nein, im Wesentlichen für Lervensägen”

Und dabei wollt Ihr doch kaum etwas von der Deutschen Bahn: fünfprozentige Lohnerhöhung, zweistündige Arbeitszeitverkürzung, einstündige Fahrzeitverkürzung,  freie  Wochenenden von Freitag 22 Uhr bis Montag 6 Uhr, Dienstbeginn nach Urlaub nie vor 6 Uhr und zur Wertschätzung Eurer Arbeit eine dem Gewinn des Unternehmens entsprechende Mitarbeiterbeteiligung.

Nun denn, was soll’s – die Deutsche Bahn wollte offensichtlich darauf eingehen, obwohl sogar die Fahrgastinitiative "Pro Bahn” klar und deutlich gesagt hatte: "Fahrgäste haben immer weniger Verständnis für die Lokführer. Die Fahrgäste sind die Hauptleidtragenden der Streiks.”Es war beim letzten Mal schon eine unfassbare  Frechheit, den Streik ans Ende der Ferien zu legen. Ich hätte es Eurem GDL-Chef Claus Weselsky auch gegönnt, wutentbrannten Fußballfans zu erklären, dass Ihr Eure Streiks so rechtzeitig geplant hattet, dass alle Fahrgäste rechtzeitig auf andere Fortbewegungsmittel zurückgreifen konnten.Jetzt kommt Ihr schon wieder um die Ecke und wollt streiken. Und jeder weiß, das es im Hintergrund um einen Machtk(r)ampf Eurer kleinen Gewerkschaften geht. Herr Weselsky möchte für alle sprechen, die auf der Schiene und in der Umgebung tätig sind.Dafür sollen wieder Millionen auf ihr wichtiges Wochenende verzichten, das Wochenende, das Euch so heilig ist. Eure Passagiere werden dann wieder vergeblich auf Züge warten. Aber dafür können wir uns mit dem Gedanken trösten, dass wir (passive) Teilnehmer am längsten Streik der Bahngeschichte werden können. Da fahre ich doch lieber sofort mit Auto oder Fernbus.

Mit lokomotiven GrüßenRainer HahneChefredakteurP.s. In der Tat frage ich mich schon seit einiger Zeit, warum wir darüber reden, dass Autos demnächst ohne Fahrer vollautomatisch rollen sollen, während Züge immer noch einen Lokführer brauchen.  Zur Zeit der Dampfloks war das noch wichtig und harte Arbeit – aber heute?

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