Landwirte zwischen Trockenheit und Corona-Krise

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Die Bedingungen für die Aussaat von Mais und Zuckerrüben  waren laut dem Göttinger Kreisbauernverband gut. Nun muss es regnen, denn die Felder sind viel zu trocken. 

Achim Hübner vom Göttinger Kreisbauernverband über Aussaat, mögliche Staatshilfen und Erntehelfer

Südniedersachsen/Nordhessen. Wer in diesen Tagen durch die Natur geht, der staunt über die allgegenwärtige Trockenheit: Die Böden stauben bei stürmischem Wind in Wald und Flur. Welche Auswirkungen hat der ausbleibende Regen für die Landwirtschaft und ihre Ernte? Wir sprachen mit Achim Hübner vom Kreisbauernverband Göttingen, Leiter der Geschäftsstelle Rosdorf.

EXTRA TIP (ET): Die Natur in unserer Region lechzt nach Regen. Welches Feedback bekommen Sie derzeit von den Landwirten im Landkreis Göttingen? Wie läuft es derzeit beim Bestellen der Felder?

Hübner: Die Aussaat von Zuckerrüben ist beendet, der letzte Mais wird gerade „gelegt“. Die Bedingungen für die Aussaat waren gut, nun muss es aber regnen, denn der Boden ist viel zu trocken. Die Wettervorhersage lässt aktuell nicht auf Regen hoffen und irgendwann wird die frühe Trockenheit dann wirklich für unsere Kulturen problematisch.

ET: Erinnerungen werden wach. Welche Parallelen oder auch Unterschiede gibt es zu zurückliegenden extremen Erntezeiten? 

Hübner: Die beiden vergangenen Jahre waren für die Landwirtschaft viel zu trocken. Die Situation war jedoch vor allem im Osten und Norden der Republik extrem. Bei uns konnten wir auf den meisten Standorten durchschnittliche Ernten bei den Ackerkulturen erreichen. Problematisch war es auf schlechteren Standorten, das sind überwiegend die Höhenlagen und auf dem Grünland.

ET: Welche Mittel oder Verhaltensweisen stehen den Landwirten zur Verfügung, damit die Wetterlage möglichst geringe Folgen verursacht? Gibt es Strategien, um dem Klimawandel zu begegnen?

Hübner: Die ackerbaulichen Maßnahmen zum Wassersparen sind in der Praxis etabliert aber eher übersichtlich. Eine rasche Stoppelbearbeitung nach der Ernte und passende Zeiten für die Bodenbearbeitung sind übliche Praxis. Ein wichtiger Punkt ist die passende Sortenwahl: Es gibt beispielsweise sehr viele Sorten Winterweizen, von denen jede andere Eigenschaften hat.

ET: Landes- und Bundesregierung beschäftigen sich derzeit intensiv mit dem Corona-Krise? Hier werden für die Wirtschaft milliardenschwere Hilfspakete geschnürt. Wie aber könnte die Politik den Landwirten angesichts ihrer derzeitigen Lage helfen? Was fordern Sie?

Hübner: Wir verfolgen die Diskussion interessiert. Wir haben im letzten Jahr über Dürrehilfen bei unseren Landwirten diskutiert. Vergleicht man nun die Betroffenheit der Landwirte mit bis zu 50 Prozent Umsatzausfall mit der einzelner Betriebe aus anderen Branchen nach „nur“ vier Wochen Umsatzausfall, kann sicher der ein oder andere unsere Betroffenheit besser einordnen. Neben möglichen Hilfen - es ist momentan noch zu früh für Forderungen - wären wir Landwirte mit klaren und für uns nachvollziehbaren Rahmenbedingungen schon zufrieden. Wir können beispielsweise nicht unsere Produktion verteufeln, per „Mercosur“ (Abkürzung für den Gemeinsamen Markt Südamerikas, die Red.) Abkommen die Agrarmärkte für Südamerika öffnen und uns dann über die Rodung von Regenwäldern echauffieren – das ist doch verrückt!

ET: Manche Landwirte sind zum Teil von Hilfsarbeitern abhängig, die aus dem Ausland stammen. Wie stellt sich die Situation im Kreis dar? Führen die derzeitigen Grenzschließungen aufgrund der Corona-Krise zu Personalproblemen? 

Hübner: Vor allem die Sonderkulturbetriebe mit Spargel und Erdbeeren sind in unserer Region betroffen. Der Bauernverband hat erreichen können, dass die Saisonarbeitskräfte in begrenzter Anzahl unter Auflagen kommen können. Darüber hinaus gab es eine bemerkenswert große Anzahl von Hilfsangeboten von aktuell freien Arbeitskräften aus dem Inland. Auch die sind natürlich zum Einsatz gekommen. Die notwendigen Arbeiten können aller Voraussicht nach mit organisatorischen Hindernissen erledigt werden.

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