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Lebensnahe und einfühlsame Alltags-Melancholie: Wie gelingen perfekte Pommes? Gelbes Gold feiert am Staatstheater Premiere

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Von: Ulf Schaumlöffel

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Bietet neben Melancholie auch leise Komik: Das Stück Gelbes Gold mit den Schauspielerinnen Emilia Reichenbach (li.) und Tamara Romera Ginés.
Bietet neben Melancholie auch leise Komik: Das Stück Gelbes Gold mit den Schauspielerinnen Emilia Reichenbach (li.) und Tamara Romera Ginés.  © Foto: Isabel Machado Rios

Mit großer Empathie für die Schrulligkeit und trotzige Tragik der Figuren erzählt „Gelbes Gold“ voller Melancholie und leiser Komik von Krisen und geplatzten Träumen – aber auch von Hoffnung und Aufbruch

Kassel Wie gelingt die perfekte Pommes-Zubereitung? Um diese zentrale Frage dreht sich alles im neuen Schauspiel von Fabienne Dür, das an diesem Wochenende im tif (Fridericianum) Premiere feiert.

Mit großer Empathie für die Schrulligkeit und trotzige Tragik der Figuren erzählt „Gelbes Gold“ voller Melancholie und leiser Komik von Krisen und geplatzten Träumen, von Lähmung und gescheiterten Lebensentwürfen – aber auch von Hoffnung, Aufbruch, Wille und Würde – lebensnah und einfühlsam.

Neben Schauspielerin Emilia Reichenbach spielt im tif auch u.a. Tamara Romera Ginés mit. Die 27-Jährige dürfte vielen aus dem Fernsehen bekannt sein.

Ihren ersten Auftritt im Fernsehen hatte sie 2018 in drei Folgen der Fernsehserie Um Himmels Willen. Im Kino war sie 2020 in einer Nebenrolle im Film Wolke unterm Dach zu sehen. Seither spielte sie in diversen Fernsehproduktionen wie „In aller Freundschaft, Die Rosenheim Cops, Die Chefin, Kreuzfahrt ins Glück und zuletzt in Balko Teneriffa Episodenhaupt- und Nebenrollen. Nun ist sie am Staatstheater Kassel als Gast in der Rolle der Juli zu sehen.

Am Wochenende feiert das Theaterstück Premiere im tif (Eingang hinterm Fridericianum). Der EXTRA TIP traf die beiden Schauspielerinnen in einer Proben-Pause.
Am Wochenende feiert das Theaterstück Premiere im tif (Eingang hinterm Fridericianum). Der EXTRA TIP traf die beiden Schauspielerinnen in einer Proben-Pause. © Foto: Schaumlöffel

Viel von Kassel gesehen hat sie bisher noch nicht, denn Ginés pendelt zwischen Köln und Kassel. Ihre Gastrolle hat sie über ein Vorsprechen bekommen. „Das Stück wird die Zuschauer begeistern. Viele Menschen werden sich mit den unterschiedlichen Figuren identifizieren können.“ Die Wahlkölnerin mag, Theater genauso gern, wie Film. Sagt aber auch: „Beim Theater ist der Kontakt und die Proben direkter.“

Ihre erste Rolle hatte Tamara Romera Ginés übrigens an ihrer Schule in Grevenbroich.

Schon seit Eineinhalb Jahren bereits gehört Emilia Reichenbach zum Staatstheater-Ensemble. Sie spielt u.a. auch in Faustgretchen, die Dreigroschenoper und Dunkle Materie mit.

Die 28-Jährige hat sich in Kasel bestens eingelebt und mag besonders gern die Karlsaue. „Die Größe des Parks ist einfach gigantisch.“Ansonsten trifft man sie auch mal mit dem Skateboard.

Zum Inhalt des Schauspiel-Stück: Die Rückkehr seiner Tochter Ana (Emilia Reichenbach) bringt das Leben von Fritz in der Pommesbude ganz schön aus der Balance. Ana kehrt kurz vor ihrem Studienabschluss in der Großstadt wieder zurück in ihre Heimat. Dieser Ort in städtischer Randlage ist für sie eine Art Zwischenreich, das sich durch Stille und Weite, aber vor allem durch kleinbürgerliche Enge auszeichnet. Hier betreibt Anas Vater Fritz inmitten einer Plattenbausiedlung mit Hingabe und Leidenschaft eine mehr schlecht als recht gehende Pommesbude. Fritz’ Lebensgefährtin Mimi, Aushilfe im Imbiss, zeigt für diese verzweifelte Goldsuche jedoch nur wenig Verständnis, hat sie sich doch ein anderes Leben erhofft. Ähnliches gilt für Juli (Tamara Romera Ginés), Anas alte Freundin, die nie rausgekommen ist und in der örtlichen Kita arbeitet. Über der gesamten Szenerie schwebt neben dem Fettgeruch vor allem eine existenzielle Bedrohung durch ein geplantes Outlet-Center und riesige Abrisskräne. Irgendwo im Nirgendwo.

Nächste Termine: Sa 10. Dez., 20.15 Uhr, So 18. Dez., 20.15 Uhr, So 25. Dez., 20.15 Uhr, Sa 31. Dez., 20.15 Uhr, Regie: Tobias Schilling

Mehr dazu unter: staatstheater-kassel.de

Emilia Reichenbach wurde 1994 geboren und studierte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Nach ihrem Studium war sie zunächst am Staatstheater Hannover engagiert, bevor sie ins Ensemble des Theater Oberhausen wechselte, wo auch ihre Arbeit mit Patricia Nickel-Dönicke begann.

In dieser Zeit arbeitet sie u. a. mit Lars-Ole Walburg, Leonie Böhm, Martin G. Berger. Mit dem Videokünstler und Regisseur Bert Zander realisierte sie 2020 im ersten Lockdown die theatrale Miniserie „Die Pest“, die auch bei 3sat und ZDF ausgestrahlt wurde. Außerdem spielte sie in Bert Zanders Inszenierung von „Schuld und Sühne“ mit, die 2019 den Preis für die beste Inszenierung beim NRW-Theatertreffen erhielt. Ab der Spielzeit 2021-2022 wechselt sie als Ensemblemitglied ans Staatstheater Kassel.

Tamara Romera Ginés ist in Nordrhein-Westfalen geboren und aufgewachsen und hat spanische Wurzeln. Sie hat Schauspiel an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München und am Rose Bruford College in London studiert.

Schon während ihres Studiums gastierte sie unter anderem am Thalia Theater in Hamburg unter der Regie von Antú Romero Nunes oder am Residenztheater in München, wo sie mit Karin Henkel zusammengearbeitet hat. Nach Beendigung ihres Studiums 2021 ging sie ans Staatstheater Braunschweig und ist seit dieser Spielzeit als freischaffende Schauspielerin tätig und spielt außerdem in mehreren Film- und Fernsehproduktionen mit. Am Staatstheater Kassel ist sie als Gast in der Rolle der Juli in Gelbes Gold zu sehen.

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