Die letzten Schoppen geh'n noch über'n Tresen

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Kassel. Einbecker siegt im Bier-Streit: „Ur-Casseler Actienbier“ muss vom Markt verschwinden. Initiatoren wollen mit neuer Marke weitermachen.

Kassel/München. Gerade noch hatten sich die Macher des "Ur-Casseler Actienbiers" über die wachsende Zahl ihrer Verkaufsstellen gefreut. Das Oberlandesgericht München entschied in der  Verhandlung am 13. Februar jedoch, dass das nicht in Kassel hergestellte Bier nicht unter der obigen Bezeichnung verkauft werden darf. Bei Zuwiderhandeln droht den Machern ein hohes Ordnungsgeld. Das Gericht begründete das Urteil im Wesentlichen mit der Irreführung des Verbrauchers über den Brauort: "Kasseler" sei zugleich eine geographische Herkunftsangabe."Die Martini-Brauerei als Klagender zeigt sich mit dem Urteil bestätigt. Ingo Schrader, Marketingleiter: "Wir sind mit dem Urteil zufrieden, die ,Spielregeln’ für ein fairen Wettbewerb sind wieder hergestellt." Die Einbecker Brauhaus AG, seit 1997 Inhaberin und Betreiberin der Martini-Brauerei, besitzt neben den "Martini" auch die "Kasseler" Markenrechte und setzt die seit 1859 andauernde Brautradition in Kassel fort.

Die erste Runde ging ans Bier-Trio

Im vergangenen Sommer war das Bier auf den Markt gekommen – nachdem es aufgrund juristischer Streitigkeiten zu Verzögerungen gekommen war. So hatte das Landgericht München in einem ersten Verfahren die Namensgebung als zulässig eingeordnet. Die Marken "Kasseler" und "Ur Casseler Actienbier" seien nicht verwechslungsfähig. Städtenamen als sogenannte geografische Herkunftsangaben müssten stets frei verwendbar bleiben, hatte das Gericht seinerzeit ausgeführt.  Die Beklagten konnten den ganzen Ärger nicht verstehen: Man habe den Herkunfstnachweis "Holzminden" auf der Rückseite der Flasche vermerkt. Und schließlich gebe es auch bei der klagenden Einbecker Brauerei Beispiele dafür, dass das Bier an einem anderen Ort gebraut werde: Die Marke "Nörten Hardenberger" werde in der Martini-Brauerei Kassel gebraut.Und was passiert jetzt mit dem "Ur Casseler Actienbier"? Ausgelieferte Ware darf in den Lokalen noch verkauft werden,  Nachlieferungen sind verboten.  "Sonst droht ein Ordnungsgeld in Höhe von bis zu 250.000 Euro  oder ersatzweise Ordnungshaft", teilte Wilhelm Schneider, Vorsitzender Richter am Oberlandesgericht, auf EXTRA TIP-Anfrage mit.

Weitermachen mit neuem Logo und Namen

Der Münchner Rechtsanwalt  Volker Lehmann sieht das ein bisschen anders: "Zunächst einmal ist nur Markeninhaber Peter Hochhuth von dem Urteil betroffen – und der verkauft in seinem Café die Marke nicht mehr." Die  "Ur-Casseler Actienbier UG" mit Geschäftsführer Peter Braun könne also eigentlich weiter liefern. "Um jedoch weiteren juristischen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen, wird man auch hier überlegen, die Lieferungen einzustellen.", erklärt Lehmann. Weitergehen soll es jedoch in jedem Fall: "Mit neuem Logo und Markennamen steht einer Zukunft nichts im Wege." Weil man jedoch "immer noch anderer Meinung als das Oberlandesgericht ist",  behält man sich von Seiten der  Actienbier-Gruppe eine Nichzulassungsbeschwerde und anschließende Revision im Namensstreit beim Bundesgerichtshof vor.

EXTRA INFO: Ur-Casseler Actienbier

Das "Ur Casseler Actienbier" wird in Holzminden gebraut, knüpft aber durch Etikett, Namen und Aufmachung an Kasseler Brau-Tradition an: Angelehnt soll es an die Hessische Actien-Brauerei Wehlheiden (bis 1912) sein. Das mild-würzige Premium-Pils werde nach einem alten regionalen Rezept gebraut. Für das Etikett wurde ein Gemälde des Malers Ernst Metz aus dem Jahr 1956 ausgesucht, auf dem das im Jahr 1811 abgebrannte Landgrafenschloss in Kassel zu sehen ist. Das Bier-Projekt von Ex-Martini-Mitarbeiter Peter Braun und den Gastronomen Peter Hochhuth (Westend-Café) und Sven Gabriel (Zum Goldenen Hirsch) hatte eine Anschubfinanzierung durch EFRE-Mittel (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung) erhalten.

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