Aus Liebe fett gefüttert: Immer mehr Haustiere sind zu dick

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Nicht nur immer mehr Menschen, auch viele Haustiere sind zu dick. Schuld am Übergewicht sind meist die Besitzer. Mit schlimmen Folgen für die Tiere.

Kassel. Die Geschichte von Max, dem dickstem Dackel Deutschlands, hatte Anfang September für Aufsehen gesorgt.  Zeitungen und Fernsehsendungen berichteten über den Hund, der mit knapp 20 Kilo fast doppelt so viel wiegt wie normale Artgenossen und kaum noch laufen kann.

Doch Dackel Max ist kein Einzelfall: Fast die Hälfte der in Deutschland lebenden Haustiere ist laut aktuellen Studien zu dick.  Auch in der Tierklinik Dr. Doering in Kassel  landen immer mehr XXL-Patienten auf dem Behandlungstisch. "Die Zahl der Hunde und Katzen mit Übergewicht ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen", erklärt Tierarzt Dr. Elmar Westenberger. Neben Erkrankungen – wie beispielsweise eine Unterfunktion der Schilddrüse oder das Cushing-Syndrom, eine Funktionsstörung der Hirnanhangdrüse oder Nebenniere  – ist es vor allem falsch verstandene Tierliebe, die  zur Fettleibigkeit der Vierbeiner führt.  "Die Besitzer wollen ihren Tieren etwas Gutes tun, erreichen aber genau das Gegenteil. Sie geben zu viel oder falsches Futter, zwischendurch bekommt der Liebling ein paar Leckerlis – zur Belohnung oder weil man so lange nicht zuhause war", so Dr. Elmar Westenberger. Kommt  dann noch Bewegungsmangel hinzu, sei das Übergewicht – genau wie  beim Menschen – vorprogrammiert.

Übergewichtige Tiere oft krank

Mit dramatischen Folgen für die Vierbeiner: Viele leiden unter Gelenk-, Muskel- und Knochenproblemen, das Risiko für Herz- und Kreislauferkrankungen, Bluthochdruck oder Diabetes steigt. "Übergewichtige Haustiere haben eine deutlich geringere Lebenserwartung", warnt der Tierarzt.  Den Besitzern dies klar zu machen, sei allerdings nicht leicht. "Die Halter fühlen sich schnell kritisiert. Und sicherlich will die Oma, die ihrem Hund mehrmals am Tag ein Stück Wurst gibt, dem Tier nicht schaden. Aber trotzdem gilt: Ein gesundes Haustier wird nicht von alleine dick. Schuld hat fast immer der Halter."

Viele dicke Wohnungskatzen im Tierheim

Auch im Kasseler Tierheim  Wau-Mau-Insel landen immer wieder Tiere mit extremem Übergewicht. Meist sind es Wohnungskatzen  und kleinere Hunderassen, die ­so  dick sind, dass sie nur noch liegen können. So wie Schlittenhündin "Linda", die Ende 2013 in die Wau-Mau-Insel kam. "Sie brachte mit 60 Kilo doppelt so viel auf die Waage wie normal", erinnert sich Tierheimleiter Karsten Plücker. Inzwischen hat Linda neue Besitzer und wiegt dank Diät nur noch 38 Kilo.Ein Erfolg, an dem sich andere Besitzer ein Beispiel nehmen sollten. "Wichtig ist, Menge und den Energiegehalt des Futters konsequent zu reduzieren und die Bewegung zu steigern", sagt Tierarzt Dr. Elmar Westenberger. Dazu brauche es das nötige Bewusstsein und Durchhaltevermögen. Damit Hund und Katze irgendwann wieder tollen statt rollen.

+++ EXTRA INFO: So bleibt das Haustier schlank +++

1. Übergewicht erkennenRegelmäßiges Wiegen kann helfen, Übergewicht rechtzeitig zu erkennen. Sind beim "Streicheltest” von Hund und Katze Hüfte und Rippen nicht mehr zu sehen sein bzw. kann man sie nicht einmal mehr ertasten, ist das Tier eindeutig zu dick.

2.  Leckerlis in MaßenLeckerlis sind wahre Kalorienbomben und sollten nur in Maßen eingesetzt werden. Als Belohnung besser etwas Gesundes (z.B. ein Stück gekochtes Hühnchen, Gemüsesticks) füttern, Lob oder Zuneigung einsetzen.

3. Hochwertiges FutterHochwertiges Futter enthält einen hohen Fleischanteil und keine unnötigen Füllstoffe, die sich negativ auf das Gewicht auswirken. Für ein höheres Sättigungsgefühl kann das Futter mit Gemüse gemischt werden.

5. Ausreichend BewegungHaustiere, insbesondere Hunde, brauchen ausreichend Bewegung. Mindestens 2 mal 20 Minuten sollten Besitzer spazierengehen. Bälle und Kletterbäume animieren Wohnungskatzen zum Rennen und Toben, ein Hindernisparcours aktiviert Nager.

6. Keine NulldiätStatt einer Nulldiät sollte der Besitzer gemeinsam mit dem Tierarzt einen Diätplan besprechen, in dem Futtermenge und angepeilter Gewichtsverlust festgelegt werden.

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