Liquiditätsengpässe bei Gesundheit Nordhessen?

Bürgermeister und GNH-Vorstand informierte Fraktionen über aktuelle Finanzlage.

Kassel. „Im normalen Leben heißt das Pleite!“ Mit diesen Worten kommentierte ein Kasseler Stadtverordneter die aktuelle Situation bei der Gesundheit Nordhessen Holding AG (GNH). Denn die sieht alles andere als rosig aus. Bürgermeister Christian Geselle als Aufsichtsratsvorsitzender und der neue Mann an der GNH-Spitze, Dr. Michael Knapp, informierten am Montagabend die Fraktionen des Kasseler Parlaments über die prekäre Kassenlage des regionalen Gesundheitskonzerns. Rund 65 Mio. Euro Miese stehen demnach aktuell zu Buche; es fehlt an Liquidität.

Die Gründe: Durch Änderungen in der Pflegegesetzgebung müssen die Krankenhäuser bestimmte Leistungen vorfinanzieren. Das Geld bekommen sie zwar wieder, belastet die GNH-Kliniken aber zur Zeit mit circa 2,2 Mio. Euro monatlich. Dazu kommen hausgemachte strukturelle Probleme, sprich: mangelhafte Erträge, die die Bücher mit weit über 30. Mio Euro belasten. Als kurzfristigen Ausweg aus der Liquiditätsfalle plädierten Geselle und Dr. Knapp dafür, dass die Stadt Kassel für das Minus aufkommen soll und das Geld im Nachtragshaushalt eingeplant werden könnte.

Um die Liquidität zu gewährleisten, wird der GNH zudem in einem bestimmten Rahmen Zugriff auf die städtischen Konten bei der Sparkasse gewährt. Darüber hinaus soll die GNH-eigene Seniorenwohnanlage verkauft werden, und die Klinik Wolfhagen nicht mehr als stationäre Einrichtung laufen.

Der Neubau des Klinikums Hofgeismar läuft weiter, weil hier hohe Zuschüsse des Landes abgerufen werden können. Zudem plant man, den mit den Mitarbeitern geschlossen Zukunftstarifvertrag in Höhe von rund 6. Mio Euro früher als vorgesehen abzulösen, um diese Summe aus den Rücklagen zu bekommen. Der Auftritt von Geselle und Dr. Knapp stieß nicht bei allen Stadtverordneten - gleich welcher Fraktion - auf Zustimmung. „Wir bekommen keine Zahlen, die wie überprüfen können; der Magistrat und das Stadtparlament sollen dem Nachtragshaushalt einfach nur zustimmen“, so ein Abgeordneter.

Lokalo24 hat bei GNH und Stadt um weitere Informationen nachgefragt.

Rubriklistenbild: © GNH

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