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Live von der ukrainischen Grenze: Unser Redakteur Helmut Krümler berichtet

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Helmut Krümler

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Gebraucht werden Lebensmittel, keine Kleidung! 

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1 / 12Die Fahrt ging an der Grenze entlang weiter Richtung Rumänien – über kleine Straßen, rostige Brücken und uralte Fähren. Aber auffällig oft unter den wachsamen Augen des westlichen Militärs – immer in voller Kampfmontur. © Krümler
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2 / 12Unser Redakteur Helmut Krümler berichtet live von der ukrainischen Grenze. © Krümler
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3 / 12Unser Redakteur Helmut Krümler berichtet live von der ukrainischen Grenze. © Krümler
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4 / 12Unser Redakteur Helmut Krümler berichtet live von der ukrainischen Grenze. © Krümler
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5 / 12Ohne einen Menschen zu sehen, passieren wir nacheinander die Grenzen von Polen in die Slowakei und von dort nach Ungarn.Dann Stau und zwei Stunden Wartezeit an der ungarisch-rumänischen Grenze. „Wir wollen genau wissen, wer bei uns rein will“, verrät die Grenzschützerin den Grund für die peniblen Kontrollen, bei denen vor allem Lieferwagen und Kleintransporter genauestens unter die Lupe genommen wurden. © Krümler
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6 / 12Unser Redakteur Helmut Krümler berichtet live von der ukrainischen Grenze. © Krümler
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Cholm (Polen) Die Übergabe der Lebensmittel hat geklappt, die Verteilungsstelle im polnischen Cholm arbeitet effektiv. Beste Voraussetzungen also für die nächsten beiden Lebensmitteltransporte aus Nordhessen, die in dieser Woche starten. „Wir haben für den ersten Lkw nur noch den Kontakt zwischen der Spedition und dem helpukraincenter hergestellt“ erzählt Ottmar Rudolf „ähnlich wird es auch bei der Tour mit tegut-Lebensmitteln laufen“. Er ist begeistert, dass so viele Menschen in Nordhessen ihre Initiative aufnehmen und selbst aktiv werden.

„Wir können es allerdings nicht oft genug wiederholen: gebraucht werden Lebensmittel, die möglichst nicht erst noch zubereitet werden müssen, Konserven, Dauerbackwaren, aber auch Hygieneartikel und medizinische Artikel.“ Optimalerweise schon auf Paletten gepackt. Ein Wunsch von helpukrain, den unser Redakteur nachvollziehen kann: „Als wir in Cholm eintrafen, begann msn gerade damit, einen Lkw aus Hannover zu entladen, vollgepackt mit Pappkartons und Plastiksäcken. Alles musste einzeln herausgeholt, erfasst und dann sortiert werden.“

Das Entladen dauerte nahezu den ganzen Nachmittag und brachte den Zeitplan der Nordhessen gründlich durcheinander. „Unsere Paletten wurden dann innerhalb einer halben Stunde mit Gabelstaplern von unserem Lkw auf einen ukrainischen umgeladen, der umgehend in die Ukraine startete“, so Fahrer Jörg Kittler.

Im Verteilcenter werden Lieferungen mit Lebensmitteln, Schlafsäcken, Isomatten etc bevorzugt behandelt, das wird den zunehmend unangemeldet auftauchenden Privatleuten mit Kleintransporten auch recht deutlich signalisiert. Sie müssen beispielsweise ihr Entladen beenden und zur Seite fahren, wenn ein Lkw mit tatsächlich benötigten Artikeln auf den engen Hof rollt. Helmut Krümler: „Wir mussten ja einige Stunden warten und konnten uns ein Bild machen, Es ist unglaublich, wie wenig sich manche Deutsche Gedanken darüber machen, was die Ukrainer in so einer Situation benötigen: da fahren Transporter auf den Hof, vollgepackt wie bei einer Sperrmüll- oder Altkleidersammlung. Was sollen jetzt beispielsweise eine gebrauchte Babyplastikbadewanne, ein Spielzeugaffe, der sich an einem Reck hoch zieht oder Partyzelte in der Ukraine?“

„Das sieht echt manchmal so aus, als hätte man die Gelegenheit zum Entrümpeln genutzt“, bestätigt unser Ukraine-Kontaktmann Dietrich Treis. Die beiden sind sich einig: gerade an diesen Transportern prangen mit Paketband festgeklebte Zettel, auf denen mit Edding gekrakelt stolz steht „Wir helfen der Ukraine“. Ringsherum natürlich, damit auch jeder mitbekommt, wer dort unterwegs ist. „Wir weisen niemanden ab“, gibt sich der Leiter der Sammelstelle diplomatisch und zeigt auf eine Ecke des Hofs, wo bereits ähnliche „Hilfsgüter“ lagern.

Sorge bereitet ihm vor allem, dass durch die Sortiererei so viel Zeit verloren geht. Und geradezu ärgerlich ist er über diejenigen, die einfach irgendwo die Grenze ansteuern, dort auf niemanden treffen und dann ihre Sachen abladen. „Da liegen dann Bekleidung und Pappkartons im Schneeregen und gammeln vor sich hin!“ Viel Zeit ist auch Ottmar Rudert, Günter Rüddenklau und Helmut Krümler in Cholm verloren gegangen; wollten sie doch von hier gleich möglichst weit nach Fagaras in Rumänien weiter fahren, um weitere Lebensmittel zu Johannes Klein und den dortigen ukrainischen Flüchtlingen zu bringen. Mit dem Pfarrer haben die beiden Landwirte in der Vergangenheit bereits einige Hilfsprojekte durchgeführt. Start also Richtung Süden, immer in der Nähe der polnisch-ukrainischen Grenze, an die man übrigens von polnischer Seite oftmals gar nicht mehr heran kommt: Sperrgebiet.

Die Fahrt vermittelt auch so einige interessante Eindrücke: mehrfach treffen wir auf Fahrzeuge mit dem UNHCR-Emblem, dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinen Nationen. Fast alle Hotels und Pensionen sind ausgebucht, davor stehen viele Autos der Oberklasse mit ukrainischem Kennzeichen. „Es sind viele Ukrainer hier“, bestätigt die Rezeptionistin in dem Hotel, in dem die Nordhessen schließlich unterkommen. „Paare jeglichen Alters aber auch einige Familien; die warten hier die nächsten Tage ab“, vermutet sie.

Beim Abendessen staunen die Drei über weitere Gäste: an den Nebentischen zwanglos verteilt sitzen rund 15 bis 20 drahtig-muskulöse junge Frauen und Männer, alle mit kurzen bis sehr kurzen Haaren, lässig gekleidet in T-shirts, Hoodies und Jeans, sie scheinen sich untereinander zu kennen. Zwei sind konzentriert an Laptops beschäftigt, ab und zu gucken andere ihnen mal über die Schulter, ansonsten wird untereinander geplaudert und gescherzt – im breitesten US-amerikanischem Englisch. Das anderen Gästen gegenüber recht einsilbig wird, zeigen diese sich zu neugierig.

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