Locken down statt Lockdown: Ein Friseurbesuch in Corona-Zeiten

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Nach dem Hände desinfizieren: Gespannt, wie es jetzt weitergeht.
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Nach dem Hände desinfizieren: Gespannt, wie es jetzt weitergeht.
Vor dem Schneiden müssen die Haare gewaschen werden.
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Vor dem Schneiden müssen die Haare gewaschen werden.
Ein Haarschnitt unter erschwerten Bedingungen: Sowohl Kunde als auch Friseur müssen Masken tragen. 
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Ein Haarschnitt unter erschwerten Bedingungen: Sowohl Kunde als auch Friseur müssen Masken tragen. 
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Auch die Friseursalons mussten aufgrund der Pandemie längere Zeit geschlossen bleiben. Und so wuchsen in der Bevölkerung nicht nur die Haare, sondern auch die Vorfreude auf den nächsten Haarschnitt. Wie der erste Besuch war, berichtet Redakteur Helmut Krümler.

Kassel. Zugegeben: die Haare waren noch längst nicht so lang wie in den Jugendjahren und ich hätte es gut und gerne noch ein paar Tage ausgehalten. Trotzdem war ich froh, dass ich gleich in der ersten Woche nach dem Lockdown einen Termin zum Haareschneiden im Kasseler „Haarstudio“ von Martina Menzel-Beckers ergattern konnte. Was für ein Kontrast zu den früheren, ebenso angenehmen wie lockeren Pflichtterminen.

Ein Haarschnitt unter erschwerten Bedingungen: Sowohl Kunde als auch Friseur müssen Masken tragen. 

Das Abenteuer beginnt bereits vor dem Eingang, wo zwei Stühle für wartende Kunden bereit stehen. Ein kleiner Service des Hauses, „bei dem nur die Zeitschriften fehlen“, schmunzelt Martina Menzel-Beckers und erklärt: „Wir vergeben die Termine zwar mit ausreichend Zeitpuffer, aber falls es doch einmal zu einer kleinen Wartezeit kommen sollte, kann man sich wenigstens setzen.“ Die Auflagen und Hygienevorschriften zur Corona-Eindämmung, unter denen die Friseurgeschäfte ihren Betrieb überhaupt erst wieder aufnehmen dürfen, verbieten Wartebereiche im Salon. Dort hat sich auch sonst einiges verändert: Frisierplätze wurden entfernt, um den Sicherheitsabständen genüge zu tun; die Jacke oder den Mantel muss der Gast jetzt selbst ausziehen und aufhängen.

Hände desinfizieren und Masken vor den Gesichtern von Kunden und Mitarbeitern sind selbstverständlich. Dann gilt es, sich mit Namen und Telefonnummer in einer Liste einzutragen – ein Witz, wenn man bedenkt, wie die VGO Datenschutz vor einigen Monaten noch kleinere und mittlere Handwerksbetriebe an den Rand der Verzweiflung gebracht hat. Friseurin Heike Bissmann begrüßt mich und erklärt, dass ich auf Kaffee, Wasser oder andere Getränke verzichten muss, es sei denn, ich hätte eine eigene Thermoskanne dabei. Mit Umhang ausgestattet geht es dann zum behördlich vorgeschriebenen Haarewaschen – Corona-Viren aus- spülen. Eine große Plastikfolienwand trennt die Waschplätze voneinander, sie werden nach der Benutzung jeweils umgehend desinfiziert. Jetzt kommen wir endlich zum eigentlichen Anlass des Besuches – dem Haare schneiden.

Nach dem Hände desinfizieren: Gespannt, wie es jetzt weitergeht.

„An die Handschuhe muss ich mich echt noch gewöhnen“, meint Heike Bissmann, während ihre Chefin die Szene für mich auf Foto festhält. Dann darf ich sogar helfen; es gilt, das Maskenband ohr- und zeitweise abzunehmen, damit es nicht der Schere zum Opfer fällt. „Für schneidetechnische Notfälle haben wir ein paar Masken übrig“, versichert die Friseurin. Das Grinsen unter ihrer Maske kann ich nur erahnen. Wenigstens hindern uns diese Dinger nicht daran, wie in Vor-Corona-Zeiten miteinander zu plaudern – über Urlaube, Kinder, kurz: was man eben so redet, wenn man seit Jahren regelmäßiger Gast in „Martinas Haarstudio“ ist. Aus aktuellem Anlass und hautnahem Erleben wird der Themenkatalog natürlich um Corona ergänzt. Wir sind uns einig und nehmen die handwerklich erschwerten Bedingungen eines Friseurbesuches mit Humor. Dann ist es auch schon geschehen, die anschließenden Rituale sind nicht anders als in Vor-Corona-Zeiten: Heike Bissmann beweist mir mittels Spiegel, dass sie auch am Hinterkopf sehr gute Arbeit geleistet hat; ihre nicht ganz ernst gemeinte Frage - sie kennt die Antwort - bezüglich des Auftragens von Haarfestiger, Gel oder ähnlichem verneine ich routiniert.

Vor dem Schneiden müssen die Haare gewaschen werden.

Während sie den Arbeitsplatz reinigt und desinfiziert, heißt es für mich nur, noch mit Karte zu bezahlen. Ich denke mir, dass der Mehrwert einer Haarwäsche inklusive leichter Kopfmassage durchaus einen höheren Preis rechtfertigt. Draußen vor der Tür reiße ich mir die Maske von der Nase und atme erst einmal tief durch. Ein Dankeschön an Martina Menzel-Beckers und ihr Team, die unter derartigen Bedingungen ihre gute Laune nicht verlieren und jetzt wieder täglich dafür sorgen, dass man wenigsten gut frisiert durch die Corona-Zeiten kommt.

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