Bilanz zum Lutherjahr: "Wir Christen rücken zusammen"

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Sichtlich noch erfüllt von der Energie des Lutherjahres: Bischof Professor Dr. Martin Hein im Gespräch mit Chefredakteur Rainer Hahne.

Kurz vor Ende des Lutherjahres zieht Bischof Martin Hein eine erste Bilanz und stellt fest, dass die katholische und evangelische Kirche aufeinander zugegangen sind.

Kassel. Das Luther-Jahr mit gefühlt unzähligen Luther-Veranstaltungen ist fast Geschichte. Bischof Professor Dr. Martin Hein zog im EXTRA TIP-Gespräch eine erste Bilanz. „Das Wichtigste ist sicher, dass die katholische und die evangelische Kirche aufeinander zugegangen sind“, ist Bischof Hein überzeugt. „Die ökumenischen Gottesdienste mit den katholischen Bischöfen Ulrich Neymeyr (Bistum Erfurt) und Heinz Josef Algermissen (Bistum Fulda) sowie dem Erzbischof Hans-Josef Becker (Erzbistum Paderborn) waren ganz besondere Versöhnungsgottesdienste. Im Lutherjahr sind wir aufeinander zugegangen. Wir haben beide Fehler gemacht und waren nicht immer leuchtende Vorbilder.“ Wird es demnächst eine Einheitskirche geben? Aus der Sicht von Bischof Hein nicht. „Nein, dazu wird es wohl nicht kommen. Aber es geht erst einmal darum, dass wir uns akzeptieren“, sagt er, „schließlich haben wir an Luthers aktive Zeit ganz unterschiedliche Erinnerungen. Während wir ihn als Erneuerer sehen, hat ihn die katholische Kirche lange als Glaubensspalter verurteilt. Das hat sich geändert. Eine der wesentlichsten Erfahrungen der letzten zehn Jahre war: Luthers Entdeckung des befreienden Evangeliums verbindet uns. An dem, was unsere Kirchen trennt – vor allem am Verständnis des kirchlichen Amtes und der Priesterweihe der Frauen – müssen wir ernsthaft und zielstrebig arbeiten. Die Erinnerung an die Ereignisse von 1517 hat die Ökumene 2017 nicht gebremst, sondern gefördert.“

Das hätten auch die Gottesdienste am diesjährigen Reformationstag gezeigt. „So voll ist es sonst noch nicht einmal zu Weihnachten. Vor den Kirchen standen die Menschen in langen Schlangen und innen bekam man keine Sitzplätze mehr. Das hat mich persönlich tief beeindruckt.“

Pilgern mit Traktoren

Beeindruckt zeigt er sich aber auch von einer anderen Idee, die in Bad Hersfeld umgesetzt worden ist. „Zum Pilgern mit Traktoren waren nicht 95 Traktoren gekommen, sondern 140, die auf einem 36 Kilometer langen Pilgerpfad von Bad Hersfeld nach Heringen gefahren sind. Mit Motivwagen, die teilweise auch auf dem Lullusfest zu sehen waren, wurden Themen der Reformation angesprochen“, sagt Hein. Zwei andere Maßnahmen werden noch lange nachwirken. In Romrod im Vogelsberg wurde die letzte Etappe des Lutherwegs eröffnet. Und Schwalmstadt-Ziegenhain erhielt den Ehrentitel „Reformationsstadt.“

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