Mädchen entkam der Bombennacht durch winziges Kellerfenster

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Die „Pinne“ war ein 1592 erbautes, wunderschönes Steinhaus in der Kasseler Altstadt. In den Kellern des Gebäudes in der Wildemannsgasse 19 hielten sich in der Bombennacht am 22. Oktober 1943 über 400 Menschen auf. Aus dem kleinen Kellerfenster (rechts unten) gelang es einem zehnjährigen Mädchen, sich zwischen 23 und 24 Uhr aus dem Keller zu befreien. 400 Menschen wurden am nächsten Morgen tot geborgen.

Schutt verschloss den Ausgang, der Feuersturm raubte den Sauerstoff: 400 menschen starben in der Gaststätte "Pinne" in der Wildemannsgasse 19 in Kassel. Nur ein kleines Mädchen entkam. Lebt sie noch? Wer kennt sie?

Kassel.   Wildemannsgasse 19 war eine Adresse in Kassels Altstadt. Das Gebäude, das die Gaststätte „Zur Pinne“ beherbergte, galt als das schönste, prächtigste steinerne Wohnhaus in Kassel. Erbaut 1592 – und in diesen Kriegsjahren dienten die ausgedehnten Kellergewölbe des Hauses, das teilweise auch als Brauerei genutzt wurde, als Luftschutzkeller.

25 Stufen führen nach unten, nach einer Gasschleuse kommt man in riesige fünf Tonnengewölbe, von denen der größte 200 Menschen Platz bietet. Als an diesem Abend des 22. Oktober der Fliegeralarm ertönt, bleiben die Menschen zunächst noch gelassen. Zunächst sind es nur etwa 250, die in den Tiefen der Pinne Schutz suchen. Die Flak feuert schon, als sich die Keller weiter füllen. Dann beginnt das Inferno in der Altstadt. Als sich langsam herum spricht, wie schwer die Altstadt beschädigt wird, wollen Dutzende den Keller verlassen. Etwa 60 bis 70 Personen lässt der Luftschutzwart hinaus – der letzte wird von Trümmern erschlagen, wie viele von den übrigen überlebt haben, ist nicht bekannt.

 In der Pinne warten immer noch über 400 Menschen auf das Ende des Bombenhagels und des darauf folgenden Feuersturms. Irgendwann trifft eine Sprengbombe den Wohnblock der Pinne, Schuttmassen stürzen auf den Hof und verschließen den Ausgang. Die Feuerwalze, die durch die Altstadt tobt, raubt den Sauerstoff aus den Räumen. Die Eingeschlossenen fallen in dieser Nacht irgendwann in einen tiefen Schlaf. Sie werden fast alle nicht mehr erwachen. Die Bilanz am nächsten Tag: 400 Tote werden aus den Kellern geborgen. Nur 38 haben überlebt. Und es gibt ein Wunder in dieser Nacht: Irgendwann zwischen 22 und 23 Uhr gelingt es einem zehnjährigen Mädchen, durch ein kleines Kellerfenster zu entkommen. Sie löst sich von dem Körper ihrer toten Mutter, krabbelt über Schichten von Leichen instinktiv in die richtige Richtung, erklimmt eine Treppe und zwängt sich durch die enge Öffnung des Kellerfensters, Schutt und Trümmer beiseite schiebend, nach draußen. Sie ist die einzige der Eingeschlossenen, die dem tödlichen Gefängnis in der Nacht entkommen kann. Nach Zeitungsberichten handelte es sich um ein schmächtiges Mädchen, Tochter der Wirtsfamilie Mahler, die, so heißt es, die Gaststätte „Klosterkrug“ betrieben hatten.

Über das weitere Schicksal des Mädchens ist nichts bekannt. Wir fragen nun: Wer weiß, was aus der Mahler-Tochter geworden ist? Sie muss wahrscheinlich Jahrgang 1933 gewesen sein. Möglicherweise ist die Schreibweise des Familiennamens auch Maler, denn unter den Toten der Pinne wird eine Elisabeth Maler, geborene Möller, gefunden, ein Geburtsdatum ist nicht bekannt. Hat das Mädchen später eine Familie gehabt, möglicherweise Kinder, die Auskunft geben könnten?

Wir würden diese spannende Geschichte gerne erzählen – wer also etwas dazu beisteuern kann oder jemanden kennt, der genau das tun könnte – bitte Info an deutsch@ks.extratip.de.

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