Ab 1. März gilt die Impfpflicht gegen Masern: Was Eltern jetzt beachten müssen

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Ist ein Kind nicht geimpft, kann es zum Beispiel vom Besuch des Kindergartens ausgeschlossen werden. Nichtgeimpftes Personal darf nicht in Gemeinschafts- oder Gesundheitseinrichtungen arbeiten.

Der Körper ist von roten Pusteln übersät, starkes Fieber schwächt den kleinen Körper des Schulkinds. Die Diagnose: Masern! Sie werden häufig als Kinderkrankheit abgetan. Dabei können sie zu schweren Komplikationen wie Mittelohr-, Lungen- und Hirnhautentzündungen führen.

Kassel.  Um bestehende Impflücken zu schließen, wird ab dem 1. März 2020 die Masernimpfung in Schulen, Kindertagesstätten und anderen Gemeinschaftseinrichtungen zur Pflicht. Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamts Region Kassel, begrüßt die neue Regelung. Zwar hatte es in den vergangenen zwei Jahren nur wenige gemeldete Masern-Fälle gegeben (drei in der Stadt Kassel, einer im Landkreis), doch „angesichts der jährlich zurückgehenden Impfquoten ist die Maßnahme folgerichtig und gut.“

Fatale Quoten in einzelnen Stadtteilen 

Bei den Schuleingangsuntersuchungen (Zahlen von 2018) hatte man gravierende Impf-Lücken in Stadtteilen und Gemeinden festgestellt. So liegen Wilhelmshöhe (75,7 Prozent), Mitte (79,6), Vorderer Westen (80) und Brasselsberg (84,2) sowie Fuldatal (87,1), Espenau (87,2) und Immenhausen (86) deutlich unter der Krankheits-Verhinderungs-Quote von 95 Prozent. Meistgehörtes Argument von Impf-Verweigerern: „Impfungen hätten erhebliche Nebenwirkungen. Dr. Karin Müller kontert: „Fakt ist, die Masernimpfung ist nebenwirkungsarm. Nebenwirkungen treten manchmal auf in Form von Mattigkeit und geringem Fieber sowie Impfmasern für wenige Tage.“ Auch der Vorwurf, Masern-Impfungen würden Autismus auslösen, sei aus der Luft gegriffen. Dr. Karin Müller: „Diese Behauptungen können nicht belegt werden. Die Daten die vor Jahren kursierten, waren gefälscht.“ Sogar ein Vorteil für das Immunsystem solle sich laut Impf-Gegnern durch eine Masernerkrankung ergeben. „Diese Behauptung ist falsch, da eine Masernerkrankung das Immunsystem für einige Wochen schwächt, der Patient längere Zeit krank ist und Bettruhe bedarf. Andere Erkrankungen wie Lungenentzündung und Mittelohrentzündungen oder sogar Hirnhautentzündungen können die Folge sein. Die Impfung hingegen bietet eine Immunität gegen Masern-Viren ohne krank zu machen“, klärt Dr. Karin Müller auf. Alle Scheinargumente sind nun sowieso hinfällig, denn das neue Gesetz sieht vor, dass alle Kinder beim Eintritt in die Schule oder den Kindergarten Masern-Impfungen vorweisen müssen. Das gilt auch für Kinder, die bei privaten Tagesmüttern oder -vätern untergebracht sind.

"In der Verantwortung stehen zunächst die Eltern für ihre Kinder und die Beschäftigten für sich selbst.  In zweiter Linie überprüfen die Arbeitgeber und die Einrichtungsleitungen die Impfnachweise." Dr. Karin Müller (Leiterin Gesundheitsamt Region Kassel)

Personen, die mit Kindern arbeiten oder in der Medizin tätig sind und die nach 1970 geboren sind, müssen die Impfungen ebenfalls nachweisen. Dr. Karin Müller: „Diejenigen, die keinen Impfnachweis vorlegen, sind dem Gesundheitsamt zu melden.“ Hier gibt der Gesetzgeber den Gesundheitsämtern weitere Möglichkeiten: Beratung der Personen, Tätigkeitsverbote oder Betretungsverbote und Bußgelder können die Folge sein. Während ein Kindergarten nicht besucht werden kann, wenn kein Impf-Nachweis erbracht wird, dürfen auch nicht-geimpfte Kinder die Schule besuchen. „Schulpflicht geht vor Impfpflicht“, erklärt Dr. Karin Müller die besondere Situation. Schon vor den Kindern seien Eltern in der Impf-Verantwortung, erklärt Dr. Karin Müller. „Erwachsene der Jahrgänge über 1970 sollten unbedingt ihren Impfschutz prüfen und wenn nötig ergänzen mit einer zweiten Masernschutzimpfung, um - nicht selbst krank zu werden - und ihrem neugeborenen Kind Antikörper zu vermitteln und damit einen Nestschutz zu bieten. Außerdem sollten auch Großeltern, die nach 1970 geboren sind, im Hinblick auf ihre Enkelkinder im Säuglingsalter, die noch nicht geimpft werden können, ihren Impfschutz prüfen und ergänzen.“

Übrigens: Zwar gilt die Impf-Pflicht ab dem 1. März. Schnell handeln müssen jedoch nur die Eltern, die ihre Kinder neu in einer Kita oder Schule anmelden wollen. „Für alle anderen Kinder, die bereits eine Gemeinschaftseinrichtung, wie eine Kita oder eine Schule besuchen, gilt als Abgabefrist der 31.Juli 2021“, erklärt Dr. Karin Müller.

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