„Man muss an seine Grenzen gehen“: Bodybuilder Alex Liebertz über das richtige Training und ‚Fitfluencer‘

Alexander Liebertz im Training mit Athletin Alina Riepe. Seit 2015 ist der Bodybuilder als Personal Trainer selbstständig, seit 2018 bereitet er andere Athleten auf die Bühne vor und greift Kunden bei ihrem Weg zur Wunschfigur – manchmal auch wortwörtlich – unter die Arme. 
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Alexander Liebertz im Training mit Athletin Alina Riepe. Seit 2015 ist der Bodybuilder als Personal Trainer selbstständig, seit 2018 bereitet er andere Athleten auf die Bühne vor und greift Kunden bei ihrem Weg zur Wunschfigur – manchmal auch wortwörtlich – unter die Arme. 

Wie bekommt man Muskeln? Wie nimmt man ab? Warum man sich nicht unbedingt auf Antworten im Internet verlassen sollte, erklärt Bodybuilder und Personal Trainer Alexander Liebertz.

Kassel. „Man geht nicht ins Training, um zu trainieren, sondern um später die Ergebnisse vor dem Spiegel zu sehen. Aber diese Veränderung ist kein Sprint, sondern ein Marathon“, erzählt Bodybuilder und Personal Trainer Alexander Liebertz. Seit ihn ein Freund vor zwölfeinhalb Jahren mit ins Fitnessstudio genommen hat, dreht sich sein Leben um den Kraftsport.

„Damals war ich noch fett, hab nicht auf mich geachtet und erst durch den Sport und regelmäßiges Fußballtraining nahm ich ab, setzte mich mit der Ernährung auseinander und mit jedem Fortschritt, wollte ich mehr erreichen. Dass ich mich heute als Bodybuilder bezeichne, hätte ich damals aber nicht im Traum gedacht“, so der 39-Jährige, der beschließt, dass Hobby zum Beruf zu machen. Über die Deutsche Berufsakademie Sport und Gesundheit in Baunatal machte er die C-, B- und A-Fitnesstrainer-Lizenz, zudem den Ernährungstrainer. „2015 ging ich dann – ohne jegliche Vorerfahrung und nach einer Vorlaufzeit von nur vier Wochen – das erste Mal auf die Wettkampfbühne. beim Natural Bodybuilding Wettkampf im Schwergewicht. Damals war ich im Vergleich zu heute noch süß“, erzählt er schmunzelnd.

Einmal Bühnenluft geschnuppert, will der gebürtige Olbenröder mehr und wechselt in den Verband, in dem seiner Meinung nach die besten Athleten gegeneinander antreten. Zwei Mal in Folge wird er Dritter bei den Hessenmeisterschaften im Schwergewicht, 2021 6. auf dem German Cup im Schwergewicht. Nach dem ersten Wettkampf folgt die Selbstständigkeit, 2018 übernimmt er ein Fitnessstudio in Bad Karlshafen. Seit zwei Jahren ist er in Kassel, hat einen festen Kundenstamm – von der Hausfrau, die fit bleiben möchte bis hin zu Athleten, die er auf die Bühne vorbereitet. Viele Anfragen erhält er dabei über Instagram, wo er nicht nur seine Trainingsfortschritte postet, sondern auch die Veränderungen seiner Kunden und Einblicke ins Training zeigt. Wichtig sei ihm dabei, immer authentisch zu bleiben.

„Gerade in den letzten Jahren hat der Fitnesslifestyle einen Hype erfahren. Viele achten vermehrt auf ihr Körperbewusstsein, doch bei manchen ‚Fitluencern‘ ist es keine Leidenschaft, sondern eher Profitgier. Da werden lieber teure Produkte verkauft, anstatt wirklich nachhaltige Tipps zu geben. Klar, dass dann einige frustriert sind und aufgeben.“

Vor 12 Jahren war Alexander Liebertz selbst noch dick und unzufrieden mit sich selbst. Dies änderte sich erst, nachdem ein Freund ihn mit ins Fitnessstudio nahm. Seither ist Fitness sein Leben und Beruf.

Wenn Erfolge ausbleiben, liege es zu 90 Prozent an falschem Training und/oder mangelnder Einstellung. Wird man von Liebertz gecoacht (sein Motto: #waswehtutwächst), erhält man umfangreiche Trainings- und Ernährungspläne – „und ab und an auch mal einen Tritt in den Hintern, wenn man ihn braucht“. Über die üblichen Klischees, dass Bodybuilder dumm sind und sich 24/7 von Hähnchen und Magerquark ernähren, kann er nur lächeln. „Es ist schade, dass die Gesellschaft noch so oberflächlich ist – ich kenne viele Bodybuilder, die gebildet sind und das über die Themen Ernährung und Sport hinaus.“ Natürlich wirke er aufgrund seiner Statur auf viele Leute anders. „Viele können dem Bodybuilding nichts abgewinnen. Man sei ja eh vollgestopft mit Steroiden, ein Prolet und nur an Gewichten interessiert. Mit solchen Klischees spiele ich gerne, denn dahinter steckt vor allem die richtige Ernährung und hartes Training.“ Sechs Mal die Woche geht Alexander Liebertz zwei bis drei Stunden trainieren, hinzu kommen die Trainerstunden und das Wettkampfcoaching seines Teams. Auch er selbst will es nächstes Jahr mit fast 40 noch einmal auf der Wettkampfbühne wissen, holt sich dabei selbst auch Unterstützung von einem Coach.

„Muskeln aufbauen ist deutlich anstrengender und zeitintensiver als beispielsweise ‚nur‘ Abnehmen. Für beide Ziele braucht man aber den Willen und die Motivation – und manchmal eben auch Hilfe. Ein Coach von außen kann mit seinen Erfahrungen noch einmal ganz andere Reize setzen. Wäre ich so arrogant und überheblich, wie man Bodybuildern nachsagt, würde ich nicht selbst auf Tipps von anderen zurückgreifen. Denn obwohl man alleine auf der Bühne steht – oder alleine im Studio oder in der Küche – ist auch beim Kraftsport eine helfende Hand im Hintergrund sehr wichtig.“

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