1. lokalo24
  2. Lokales
  3. Kassel

Marcus Leitschuh kämpft für Reformierung der katholischen Kirche

Erstellt:

Von: Rainer Hahne

Kommentare

Marcus Leitschuh
Kämpft für die Reformierung der katholischen Kirche: Marcus Leitschuh.  © Privat

Mitglied der Synodalversammlung des „Synodalen Weges“ der Katholischen Kirche sagt: „Es kann doch einfach nicht wahr sein, dass Bischöfe, in diesem Fall sogar der ehemalige Papst, Missbrauchsfälle verharmlosen wollen“

Kassel. Stinksauer ist Marcus Leitschuh nach den letzten Äußerungen des Ex-Papstes Benedikt XVI. zu Missbrauchsfällen in München. Der Kasseler wird im Februar an der Vollversammlung des „Synodalen Weges“ in Frankfurt teilnehmen und energisch für Änderungen kämpfen.

Hat der Papst Benedikt XVI. zu seiner Zeit als Bischof etwas von Missbräuchen gewusst oder nicht? Erst hat er geleugnet, dann etwas zugegeben. „Aber es wird rumgeschwurbelt bis zum geht nicht mehr“, ärgert sich Leitschuh maßlos. „So ein Text findet sich aus seinen Einlassungen im Internet: Der Pfarrer ist als Exhibitionist aufgefallen, aber nicht als Missbrauchstäter im eigentlichen Sinn.

Die Tathandlungen bestanden jeweils im Entblößen des eigenen Geschlechtsteils vor vorpubertären Mädchen und in der Vornahme von Masturbationsbewegungen, auch im Vorzeigen von pornografischen Material. In keinem Fall kam es zu einer Berührung.“ Das Tatschema sei immer das Gleiche gewesen. Der Priester habe sich als Privatmann gekleidet den Kindern genähert. Als Priester habe er sich nicht das Mindeste zuschulden kommen lassen.

„Es kann doch einfach nicht wahr sein, dass Bischöfe, in diesem Fall sogar der ehemalige Papst so oder ähnlich Missbrauchsfälle verharmlosen wollen“, ist Leitschuh fassungslos. „Nur die Hose vor Kindern runterlassen und onanieren ist also keine Straftat? Unfassbar.“

Riesige Verunsicherung und Wut sei bei vielen Gläubigen die Folge, weiß Leitschuh aus zahlreichen Gesprächen. „Religion ist gut, wenn sie hilft. Durch diese Einlassungen eines Klubs alter Männer, die nicht begreifen wollen, was wirklich passiert ist, ist alles Gute, was Priester wie Harald Fischer tun, verdunkelt worden.“

Kein Zufall sei es wohl, dass alle diese Sachen kurz vor der Vollversammlung des „Synodalen Weges“ in die Öffentlichkeit geraten. „Doch das ist egal. Es gibt da auch genug Bischöfe, die eine Lösung suchen. Die Reformbewegung wird dadurch verstärkt.“

Und mit diesen Forderungen reist Marcus Leitschuh nach Frankfurt: „Wir müssen endlich Klartext reden. Verschwurbelte Verharmlosungsreden müssen ein Ende haben. Die Machtverhältnisse in der Kirche müssen sich ändern. Nur weil in einigen Gemeinden der Priester gottähnlich verehrt worden ist, wurden viele Missbräuche erst möglich. Betroffenen wurde einfach nicht geglaubt oder man hatte Angst. Damit muss Schluss sein. Eine Stelle muss her, an die sich Betroffene wenden können. Und wir müssen endlich darüber reden, dass wir es Priestern freistellen, ob sie heiraten wollen oder nicht. Ob sie schwul sein wollen oder nicht. Wir können nicht wie ein Männerbündnis in der Öffentlichkeit stehen. All das muss schnell gehen. Die Kirche ist schon schwer geschädigt worden. Die Gläubigen laufen uns in Scharen davon. Das ist eine Abstimmung über das was vorgeht mit den Füßen.“

Auch interessant

Kommentare