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Mehr als nur rituelle Zeremonie: Erster Kasseler Herrenabend wird 38 Jahre alt

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Von: Ulf Schaumlöffel

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Gründete vor 38 Jahren den ersten Kasseler Herrenabend: Wolfgang Luh.
Gründete vor 38 Jahren den ersten Kasseler Herrenabend: Wolfgang Luh. © Foto: Privat

Der Kasseler Künstler Wolfgang Luh ist nicht nur für seine Installationen „Intimbereich“ und „Vollversammlung“ bekannt.

Kassel Der Kasseler Künstler Wolfgang Luh ist nicht nur für seine Installationen „Intimbereich“ und „Vollversammlung“ bekannt, sondern gründete vor 37 Jahren den „Erste Kasseler Herrenabend“. Am 20. April feierte das Treffen, dass immer am Montagabend um 19.30 Uhr stattfindet, seinen 38. Geburtstag.

Das Konzept, sich zu versammeln und sich mit anderen Gleichgesinnten zu verbinden, ist aber viel älter, denn dessen Wurzeln reichen bis zu den Anfängen der Menschheitsgeschichte zurück.

Zurück verfolgen lässt sich die Tradition des Zusammenfindens und des Sich miteinander Verbündens bis zu den Lagerfeuern unserer Vorfahren in der Steinzeit und bis zu der Zeit, als wir noch Jäger und Sammler waren. Als die Jäger und Krieger sich versammelten, um ihre letzte erfolgreiche Jagd zu feiern, um Erfahrungen auszutauschen, eine neue gemeinsame Unternehmung zu planen oder einfach nur um sich in der Gruppe geborgen und nicht allein zu fühlen.

Damals haben sich bei diesen Zusammenkünften Rituale entwickelt, die bis in unsere Tage Gültigkeit haben und immer noch – wie beim Ersten Kasseler Herrenabend – praktiziert werden.

Seit dem 16. April 1984 treffen sich sieben Herren im Atelier des Museums Luh in Kassel. Der Erste Kasseler Herrenabend hat sieben feste Mitglieder. Weitere sogenannte Gastherren und Freunde sind immer willkommen. „Soweit sie willkommen sind“, ergänzt Gründer Luh, derauch als „Chronist“ des Herrenabends agiert.

Die Namen der Herren und Gastherren des Ersten Kasseler Herrenabends werden nicht genannt. Fotografieren und andere Live-Dokumentationen sind, zum Schutz der Anonymität der Teilnehmer des EKHA, während den Sitzungen nicht zugelassen – außer es handelt sich um das sogenannte Montagsfoto, das aber immer erst nach einem Ersten Kasseler Herrenabend entsteht.

Frau mit im Boot

„Geheim ist geheim, wir sprechen nicht darüber.“ Aber Luh verrät: „Seit längerr Zeit gehört auch eine Frau zu dne sieben Herren bzw. ist ein Mitglied eine Frau.. Es ist also kein reiner Männerabend. Und wir haben natürlich auch nichts gegen Frauen.“

Jedes feste Mitglied ist – bis auf Widerruf des Herrenabends – Mitglied auf Lebenszeit. Und besitzt als einziges vorzeigbares Zeichen der Legitimation, den sogenannten Herrenabendring.

Es gibt sieben gleiche Ringe. Jeder ist ein Siegelring mit dem Herrenabendsymbol auf seiner Oberseite! Die sieben Ringe verbleiben immer im Besitz des EKHA und müssen beim Austritt zurückgegeben werden.

Symbol der Einheit der sieben Mitglieder – während des Ersten Kasseler Herrenabends – ist der Schlüsselschrank des EKHA, Daran anhängig sind unter anderem sieben kupferne Medaillen, von denen jede einem der Herren zugeordnet ist. Auf deren Vorderseiten ist je ein Ritterhelm abgebildet und auf den Rückseiten je eine Darstellung, die, wie eine Art Wappen, für den entsprechenden Herren steht. Auf den Schlüsselschrank aufgesetzt sind – zwischen vier Kerzenhaltern – sieben metallene Ritterhelme.

Nach den rituellen Begrüßungs-Zeremonien werden, neben dem Ersten Kasseler Herrenbrot (ein Roggenbrot mit gerösteten Zwiebeln und Kümmel) und einem Käse aus der Region auch die Erste Kasseler Herrenwurscht (eine Ahle Wurscht mit sieben Gewürzen) zum Ersten Kasseler Herrenwein gereicht, der meist aus Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien oder Argentinien kommt. Es darf geraucht werden. Angeboten wird dazu die Erste Kasseler Herrenzigarre. Zweimal an einem Herrenabend gibt es – zur Stärkung der Herren – den Ersten Kasseler Herrenkaffee (ein Espresso aus sieben Bohnen) und dazu die Erste Kasseler Herrenleckerei.

Jeden Herren erwartet bei seiner Ankunft an der Herrenabend-Tafel sein angestammter Platz, ein – mit seinen persönlichen Insignien versehener – gläserner Weinkelch sowie zum späteren Gebrauch, seine persönliche Espressotasse mit Untertasse und Espressolöffel. Um 0.30 Uhr des nächsten Morgens ist der Herrenabend beendet. Übrigens: Seine Kunst, die Installation „Grüße an den Herrenabend“, hat Wolfgang Luh bereits im Oktober 2017 feierlich an das Kasseler Stadtmuseum übergeben. Dort ist sie nun zu sehen.

360 Grad 3D-Modell: Museum Luh jetzt virtuell begehbar

Kassel Im Rahmen einer Kooperation des in Kassel ansässigen Künstlers Wolfgang Luh und des ebenso in Kassel lebendenFilmemachers Stephan Haberzettl ist in den vergangenen sechs Monaten ein virtuelles begehbares 3D-Modell des real existierenden Museum Luh entstanden.

Das Museum Luh in Kassel ist zugleich Museum, Wohnraum, Galerie, Künstleratelier und Werkstatt. Aufgrund seiner temporären Beheimatung in einer Mietwohnung ist eine dauerhafte Existenz dieses Museums ungewiss.

Der virtuelle Rundgang im Museum beginnt an der Haustür.
Der virtuelle Rundgang im Museum beginnt an der Haustür. © Foto: Privat

Mit der Realisierung des begehbaren 3D-Modells wurden die enthaltenen Sammlungen dauerhaft dokumentiert und sind somit weit über die physischen Gegebenheiten virtuell erlebbar. Der Rundgang durch das Museum beginnt an der Eingangstür der Mietwohnung. Einzigartige Höhepunkte der sechs Räume des Museum Luh sind der Küchenraum des Museums, der die Installation „Vollversammlung“ beherbergt. Mit ca. 2630 Kasperletheater-Puppenköpfen aus Gummi, Zelluloid und Kunststoff, und 17 Kasperletheatern gehört diese zur größten Sammlung ihrer Art. Der Bad/WC-Raum, der sogenannte „Intimbereich“, ist eine ständig weiter nach innen wachsende Installation verschiedenster gesammelter Objekte. Weitere Infos unter: www.museum-luh.com

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